Sandra Hollweg macht weiter

Katutura-Einsatz

Aus zwei Jahren wurden fünf, aus einem Engagement auf Zeit eine Tätigkeit, die Sandra Hollweg nicht missen möchte: Die Stadtlohnerin will weiter für jene Kinder mit Behinderung da sein, um die sie sich im namibianischen Katutura kümmert.

STADTLOHN

von von Thorsten Ohm

, 14.11.2013, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ausgebildete Kinderkrankenschwester hatte das Land im Rahmen ihres Studiums der Heilpädagogik kennengelernt: Sie hatte dort ein Praktikum absolviert – und dabei „Feuer gefangen“. Sandra Hollweg kehrte nach ihrem Studium zurück nach Namibia. Sie engagierte sich fortan für mehrere Jahre im „Special Needs Network“. Der Ansatz: bedürftigen Familien im ländlichen Raum von Katutura dabei helfen, ihren Kindern mit schwersten Behinderungen eine bessere Fürsorge und Förderung zukommen zu lassen. Vier Jahre lang war Sandra Hollweg im Einsatz, machte Hausbesuche, kümmerte sich um die Kinder, sprach mit den Eltern. In dieser Zeit wuchs eine Erkenntnis, aus der sie inzwischen die Konsequenzen gezogen hat: In vielen Fällen bedeutete ihre aufopfernde Arbeit nur einen Tropfen auf den heißen Stein.

Ihre Zeit verteilte sich auf 31 Kinder, bei denen sie jeweils einmal in der Woche eine gute Stunde sein konnte – zu wenig, um nachhaltig eine Verbesserung zu erzielen. Hinzu kam, dass bei vielen Eltern grundlegendes Wissen fehle – und manchmal auch die falsche Erwartung herrsche, dass mit den Besuchen von Sandra Hollweg schon genug getan sei für die Kinder. Der Zufall kam der Stadtlohnerin in dieser Phase zu Hilfe. Sie lernte die Krankenschwester Anita Geier aus dem österreichischen Pöllau kennen. Die beiden gründeten mit weiteren Gleichgesinnten einen Trägerverein für das „Side by Side – Early Intervention Center“, das schließlich im Frühjahr seine Arbeit aufnehmen konnte.

Sieben Kinder im Vorschulalter erfahren dort eine tägliche Betreuung, zehn sollen es im nächsten Jahr sein. Was in Deutschland kaum ein Problem darstellt, bereitet den bedürftigen Familien mitunter echte Schwierigkeiten: das Bringen und Abholen der Kinder. Diese und andere Hürden im Alltag wollen gemeistert sein. Doch für Sandra Hollweg zählt, dass der neue Rahmen des Zentrums auch eine neue Qualität der Förderung ermöglicht. Und auch das Teamwork bringe neue Ideen. Sandra Hollweg muss unwillkürlich schmunzeln bei der Frage, ob die finanzielle Zukunft des Zentrums gesichert ist: „Ins nächste Jahr hinein schon...“ Das Interesse an der neuen Einrichtung wachse im Umfeld vor Ort jedenfalls. Spenden bleiben ein wichtiger Baustein der Finanzierung. Die 33-Jährige freut sich daher sehr über die vielfältige Unterstützung, die ihre Arbeit in Namibia bislang erfahren hat. Die Gründung eines Trägervereins war ihr auch vor diesem Hintergrund wichtig: „Damit schaffen wir volle Transparenz.“ Für die Arbeit der nächsten Jahre.

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