Fluchtstäbe der Vermesser und frisch gewalzte Schotterpisten auf dem ehemaligen Spahn-Gelände scheinen festzulegen, wie das neue Wohngebiet auf dem ehemaligen Spahngelände erschlossen werden soll. © Michael Schley
Bahnallee-Projekt

Schotterpisten auf dem Spahngelände versetzen FDP in Alarmstimmung

Hat die Stadt Stadtlohn für die Erschließung des neuen Baugebiets an der Bahnallee mit Schotterpisten voreilig Fakten geschaffen? Die FDP erhebt Vorwürfe. Die Verwaltung widerspricht.

Dr. Albert Daniels traute am Wochenende seinen Augen kaum, als er auf der Bahnallee am Spahngelände vorbeifuhr. „Da sind schon die Trassen für die künftige Erschließung des Wohngebietes angelegt worden“, erklärte er am Montag im Gespräch mit der Redaktion. Der Stadtlohner FDP-Fraktionsvorsitzende sagt: „Ich war total geschockt. Darüber soll doch erst am Dienstagabend entschieden werden.“

Daniels: „Fakten ohne Beschlüsse geschaffen“

Tatsächlich markieren auf dem Spahngelände Fluchtstäbe der Vermesser und gewalzter Schotter die künftigen Straßenverläufe. Albert Daniels sagt: „Da werden Fakten geschaffen, obwohl noch nichts beschlossen ist. Und mit den Anliegern rund um die Klosterstraße ist auch noch nicht gesprochen worden. Ich habe schon Anrufe bekommen. Die Aufregung ist groß. Anwohner wundern sich, dass sie nicht angehört wurden.“

Tatsächlich steht das Erschließungskonzept für das neue Wohngebiet an der Bahnallee am Dienstag (21. September) auf der Tagesordnung des Wirtschaftsförderungs-, Infrastruktur- und Stadtentwicklungsausschusses (Wisa). Nach dem Beschlussvorschlag sollen die bisherigen Sackgassen Hagenkamp und Kreuzwegstraße über das Spahngelände bis zur Bahnallee verlängert werden.

Pennekamp: Politiker sind weiterhin frei in ihrer Entscheidung

Mathias Pennekamp, der Fachbereichsleiter für Umwelt, Planen und Bauen, betont am Montag auf Anfrage unserer Redaktion: „Die Politik entscheidet über das Erschließungskonzept. Und es ist eine politische Entscheidung, wie die Anwohner in dieser Frage eingebunden werden.“

Sind die Schotterpisten aber nicht eine Vorfestlegung? „Nein“, sagt Mathias Pennekamp. Es seien ja keine Rohre oder Leitungen verlegt worden. „Die Politik ist weiterhin frei in ihrer Entscheidung.“ Es handele sich bei dem Schotter um das Recyclinggut, das ohnehin auf dem Gelände deponiert war. Die Stadt habe pragmatisch und auf Wunsch von Bewohnern der Kreuzwegstraße den provisorischen Schotterweg angelegt.

„Stadtverwaltung erfüllte Anwohnerwunsch“

Pennekamp: „Den Anwohnern der Kreuzwegstraße war daran gelegen, dass der Baustellenverkehr für das Wohnbauvorhaben im Bereich des Bebauungsplans 66 von der Bahnallee aus erfolgen könne und nicht über die Kreuzwegstraße. Das stellen die Schotterwege sicher.“ Der Bebauungsplan 66 umfasst ein östliches Teilstück der Spahnfläche im Bereich Kreuzwegstraße und Hagenkamp. Dort entstehen drei Mehrfamilienhäuser und vier Einfamilienhäuser. Über den Bebauungsplan 66 entscheidet am Mittwoch der Rat.

Diese Trasse wurde auf dem Spahngelände in der Verlängerung des Hagenkamps angelegt.
Diese Trasse wurde auf dem Spahngelände in der Verlängerung des Hagenkamps angelegt. © Michael Schley © Michael Schley

Albert Daniels dagegen beklagt mangelnde Transparenz: „Das ganze Bahnallee-Projekt ist doch im letzten Jahr schon mit einem Fauxpas gestartet, als die Anwohner mit dem Entwurf des Rahmenplans überrascht wurden. Dann haben wir doch den Anwohnern versprochen, mit ihnen über die Pläne zu diskutieren, bevor sie beschlossen werden. Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung sind doch in der modernen Politik unabdingbar.“

Gutachter hält Erschließungskonzept für verträglich

Der FDP-Fraktionsvorsitzende räumt ein, dass es danach in der interfraktionellen Arbeitsgruppe Bahnallee eine Tendenz für die Erschließungsvariante gegeben habe, die sich jetzt in den Schotterwegen abzeichne. „Es gab aber keine förmliche Abstimmung. Ich selbst wollte auch keine Entscheidung treffen, bevor nicht das Verkehrsgutachten vorliegt.“ Das Gutachten wurde inzwischen fertiggestellt und ist in den Sitzungsunterlagen öffentlich zugänglich. Der Gutachter hält die zusätzliche Verkehrsbelastung für den Hagenkamp und die Kreuzwegstraße für moderat und verträglich.

Albert Daniels kritisiert aber, dass das Gutachten noch nicht die möglichen Planungen für eine spätere Wohnbebauung auf dem ehemaligen Lichtgittergelände berücksichtige, die auch noch Einfluss auf das Verkehrsaufkommen haben werde. Daniels: „Wir fordern die offene Diskussion über Verkehrsführungen und alternative Bebauungen.“

Denn die FDP bezweifle, so Daniels, dass es überhaupt notwendig sei, über 150 neue Wohnungen auf dem Spahngelände zu planen. Daniels: „Es ist in jüngster Zeit in Stadtlohn so viel von privater Seite in den Wohnungsbau investiert worden. Neue Zahlen sprechen dafür, dass der Wohnungsbedarf gut gedeckt ist. Wir sollten auf dem Spahngelände nicht nur ans Wohnen, sondern auch ans Geldverdienen denken und Flächen für nicht störendes Gewerbe, Dienstleister und Arztpraxen bereitstellen. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen ist ja riesengroß.“

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Stefan Grothues