Schwerelos im Stadtlohner Hallenbad

Tauchevent für Behinderte

Die Schwerelosigkeit unter Wasser fasziniert den Stadtlohner Christian Schroer schon seit 30 Jahren. Mit seiner Tauchleidenschaft hat er auch seine Tochter Jaqueline angesteckt. Nun entdecken Vater und Tochter gemeinsam eine ganz neue Dimension: Tauchen mit menschlichem Tiefgang. Ehrenamtlich öffnen sie behinderten Menschen einen Weg in neue Erlebniswelten. Auch in Stadtlohn.

STADTLOHN

, 16.05.2017, 18:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erstmals haben Christian und Jaqueline Schroer jetzt im Stadtlohner Hallenbad ein Behindertentauchen angeboten. Einen Tag lang konnten 18 Menschen mit und ohne Behinderung die Welt der Schwerelosigkeit erleben.

"Das hat super viel Spaß gemacht", zog Christian Schroer am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung Bilanz. "Ich glaube alle, die dabei waren, wollen eine Wiederholung - und einige wollten erst gar nicht wieder gehen."

Keine Berührungsängste

Gab es keine Berührungsängste und Hemmschwellen für die unerfahrenen Schuppertaucher? "Im Gegenteil", erklärt Christian Schroer, der eine Prüfung als Behindertentauchlehrer abgelegt hat. "Ich habe es oft erlebt, dass Menschen mit Behinderung unbefangener und und voller Vertrauen die Herausforderung annehmen." Aber nicht alle. "Ein Schnuppertaucher wollte partout nicht mit dem Kopf untertauchen. Wir haben ihn auf Händen im Wasser getragen. Er war so begeistert, dass er am Ende das Gefühl hatte, wirklich getaucht zu sein."

Wie aber wurde Christian Schroer Behindertentauchlehrer? Der 50-Jährige erzählt von seiner schon drei Jahrzehnte währenden Tauchleidenschaft. "Vor drei Jahren hatte ich das Gefühl, noch mehr zu wollen."

Neue Perspektiven

Er begann eine Tauchlehrerausbildung. Dabei geriet er eher zufällig in Duisburg an Dirk Wondrak, einem Pionier des Behindertentauchens in Deutschland. Mit ihm entdeckte Christian Schroer die Faszination, Menschen mit Handicap an die Hand zu nehmen und in neue Welten zu führen.

"Das ist es, was mich daran reizt: Menschen eine ganz neue Perspektive zu geben. Es ist ein besonderes Erlebnis mit einem Menschen, der seit elf Jahren mit einer Querschnittslähmung im Rollstuhl sitzt, erstmals unter Wasser zu sein." Die Freude, das Staunen, das Wohlgefühl der Tauchanfänger überträgt sich auch auf den Tauchlehrer. Christian Schroer zitiert ein Motto des Behindertentauchens: "Wir können vielleicht nicht zusammen laufen. Aber wir können zusammen tauchen. Unter Wasser sind wir alle gleich."

Ehrenamtlicher Taucher

Die Faszination dieser Aufgabe ist für Christian Schroer so groß, dass er jedes Wochenende von Stadtlohn nach Duisburg fährt, um dort ehrenamtlich mit Behinderten zu tauchen. Oder mit Unfallopfern. Oder mit einer Schul-AG, in der problematische Jugendliche neue Welten entdecken. Für Christian Schroer ist das auf jeden Fall ein Kontrapunkt zu seinem Beruf im EDV-Bereich.

Dass nun ein Behindertentauchtag im Stadtlohner Hallenbad möglich war, freut Christian Schroer und seine Mitstreiter ganz besonders. Schroer: "Ohne das Entgegenkommen der SV-Bäder GmbH und der Stadt Stadtlohn wäre das gar nicht möglich gewesen."

Hoffnungen geweckt

Der Tag hat aber auch Hoffnungen geweckt bei Teilnehmern und Veranstaltern. "Es wäre schön, wenn wir regelmäßig einmal im Monat Tauchstunden für Menschen mit Behinderung abhalten könnten." Darüber würde sich auch Tochter Jaqueline freuen. Auch die 16-Jährige bereitet sich auf die Ausbildung zur Tauchlehrerin vor.

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