Seltene Blütenpracht dauert nur wenige Tage – die grüne Oase bleibt

rnSchöne Gärten

Rasen, Tannenreihe – so sah für viele Jahre der Garten der Familie Hagen aus. Dann verwandelte er sich in ein kleines grünes Paradies. In diesem Jahr gibt es einen seltenen blühenden Höhepunkt.

Stadtlohn

, 28.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Peter Hagen mag es stachelig. „Vielleicht steckt die Liebe zu Kakteen ja in den Genen“, sagt der 75 Jahre alte Stadtlohner lachend. Seine Bauernkakteen hat er vor vielen Jahren von einem Onkel geerbt. Wie lang das her ist, das weiß er nicht mehr. „Die haben wir schon ewig!“ Und doch haben ihn die Echinopsis, so ihr botanischer Name, in diesem Jahr überrascht.

Echinos ist das altgriechische Wort für Igel. Und so sehen Peter Hagens Echinopsis auch das ganze Jahr aus: stachelig, schlicht und abweisend. In einem großen Trog aus Ton wachsen sie dicht an dicht, die größten mit den Ausmaßen einer mächtigen Zucchini, die kleinsten so groß wie eine Faust.

Die Kakteenblüte lockt Schwebfliegen an.

Die Kakteenblüte lockt Schwebfliegen an. © Stefan Grothues

Jetzt aber haben sie zur Blüte angesetzt wie noch nie zuvor. Fast 40 mächtige Trichterblüten bilden einen rosaroten Traum. „Ich kann mich nicht erinnern, dass sie schon jemals so viele Blüten hatte. Meistens gab es nur zwei oder drei Blüten. So schön geblüht haben sie noch nie“, sagt Peter Hagen.

Die Heimat der Bauernkakteen ist Südamerika. Sie mögen es warm, luftig und hell. Vielleicht wirkte ja die beinahe südamerikanische Hitze der vergangenen Sommer vietalisierend auf Peter Hagens Kakteen. Doch die Freude währt nicht lang. Nur wenige Tage dauert die Blütenpracht.

Peter Hagens Kakteen- und Steinesammlung

Peter Hagens Kakteen- und Steinesammlung © Stefan Grothues

Peter Hagen kann es verschmerzen. Er schätzt auch den kargen Reiz von Kakteen, Sukkulenten und schroffen Steinen, die er von Urlauben in ganz Europa zusammengetragen hat. Doch der Garten von Peter und Waltraud Hagen ist das genaue Gegenteil von Kargheit: Eine grüne Oase mit versteckten Nischen. Hier blitzen leuchten orangefarbene Kois im grün umwucherten Teich auf.

Unterm japanischen Ahorn tummeln sich die Kois im Teich.

Unterm japanischen Ahorn tummeln sich die Kois im Teich. © Stefan Grothues

Am Ufer ruhen im Schatten des Farns zwei gusseiserne Nixen am Stamm eines japanischen Ahornbaums. Dort säumt ein weißes Blütenmeer eine Büste der Dichterin Annette von Droste Hülshoff. Nebenan blühen nach dem prächtigen gelben Goldregen jetzt die Hortensien auf.

Annette von Droste Hülshoff im weißen Blütenmeer

Annette von Droste Hülshoff im weißen Blütenmeer © Stefan Grothues

Der Garten der Familie Hagen war nicht immer so eine romantische Oase. 1982 errichteten Peter und Waltraud Hagen ihr Eigenheim an der Platanenstraße. „Vorher grasten hier die Kühe auf der Wiese“, sagt Peter Hagen. Schlicht war auch der Garten für etliche Jahre: eine Tannenreihe und ein Rasenviereck.

Zwei Gänse recken ihre Hälse aus dem Bodendecker.

Zwei Gänse recken ihre Hälse aus dem Bodendecker. © Stefan Grothues

Vor 15 Jahren, einige Jahre bevor Peter Hagen in den Ruhestand ging, wagte er einen gärtnerischen Neuanfang mit fachmännischer Begleitung. Nur eine Blutbuche, die die Hagens schon 1982 in ihren Garten pflanzten, ist geblieben. Sie überragt heute weithin sichtbar alle anderen Gewächse in Hagens Garten.

Nixen am Teichrand im Schatten des Farns

Nixen am Teichrand im Schatten des Farns © Stefan Grothues

Peter Hagen setzt sich auf einen Gartenstuhl unter der Blauregenpergola. Die Glyzinie spendet nicht nur Schatten, sondern verzaubert im Frühjahr auch mit ihrer blauen Blütenfülle. „Hier lässt es sich auch an heißen Tagen gut aushalten“, sagt Peter Hagen. „Aber wir können auch je nach Sonnenstand zu einer zweiten Sitzecke wechseln.“

Die Spiral-Koniferen verlangen beim Schnitt eine sichere Hand.

Die Spiral-Koniferen verlangen beim Schnitt eine sichere Hand. © Stefan Grothues

Aber der Garten ist nicht nur ein Ort der Ruhe. „Er macht auch Arbeit, viel Arbeit“. Die Koniferen sind kunstvoll in Spiralen geschnitten, die Hainbuche als Torbogen. Über die Arbeit beklagt er sich aber nicht. Gerade in Coronazeiten seien er und seine Frau froh gewesen, ihren grünen Rückzugsort zu haben.

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Aber Peter Hagen möchte auch Zeit haben, seinen Garten zu genießen. Und weil er schon 75 ist, lässt er einmal im Jahr den Gärtner kommen, der das kleine Paradies von Grund auf wieder auf Vordermann bringt.

Zwei Gänse recken ihre Hälse aus dem Bodendecker.

Die Hainbuchensäulen sind zum Torbogen geformt. © Stefan Grothues

Und im Herbst kommt dann wieder der Tag, an dem Peter Hagen seine stacheligen Freunde, die Bauernkakteen, zum Überwintern wieder in den Keller schaffen muss – auf dass sie im nächsten Jahr wieder reichlich Blüten ansetzen.

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