Sky-Fußball in Stadtlohns Kneipen wird für Wirte immer mehr zum Rechenexempel

rnFußball in Kneipen

Fußball-Übertragungen in Kneipen – für viele Wirte heute eine Investition, die überlegt sein will. Das nächste Ärgernis: Ab 2021 gibt es die Champions League nur noch bei Streamingdiensten.

Stadtlohn

, 25.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fußball als Gemeinschaftserlebnis – das hatte zu Zeiten des Sommermärchens 2006 Hochkonjunktur. Doch gerade an den Orten, an denen dieses Gefühl abseits der Stadien gelebt werden kann, ist das Angebot nicht mehr so groß wie noch vor Jahren: in Gaststätten. Rudelgucken wird immer mehr zur Ausnahme.

Dafür gibt es Gründe – und schon folgt die nächste Hürde: Ab der Saison 2021/22 läuft die Champions League nicht mehr auf Sky, stattdessen bei den Streamingdiensten wie DAZN und Amazon Prime. Womöglich gilt es künftig, (noch) mehr Abos für das gleiche Angebot abzuschließen. Und womöglich müssen die Wirte (noch) tiefer in die Tasche greifen. Für diese wird Live-Fußball immer mehr zum Rechenexempel. Eine kleine Umfrage - mit geteiltem Echo.

„Stammgäste erwarten Fußball-Übertragungen"

Seit Beginn der Pay-TV-Entwicklung im Fußball dabei ist die „Alte Krone“ in Stadtlohn. Für den Wirt Jürgen Heming sind die Fußball-Übertragungen vor allem ein Angebot zur Kundenbindung. „Arena, Premiere, Sky: Wir sind seit dem Start dabei. Wir erfüllen damit auch die Erwartungshaltung unserer Stammgäste“, erklärt Heming. Die Rechnung klingt plausibel: „Wir reduzieren die Investition nicht auf die zwei Stunden am Samstagnachmittag. Wer dann zufrieden ist, der kommt auch unter der Woche wieder. Und sind die Kunden zufrieden, so ist es auch der Wirt mit seinem Team.“

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Gebucht hat er das kleine Paket – inklusive DAZN und Eurosport – da kommen rund 500 Euro pro Monat zusammen. Eine stattliche Summe. „Das rechnet sich natürlich als Einzelinvestition nicht immer. Aber man muss das Gesamtpaket im Blick haben und am Ende des Jahres einen Strich drunter machen“, so Heming. Natürlich müssen die entsprechenden Umsätze dagegen stehen.

Dass es durch die neue Rechtevergabe künftig noch komplizierter werden kann, daran denkt Jürgen Heming nicht. „Wir werden den Weg weiter mitgehen. Zufriedenheit ist schließlich das höchste Gut.“

Sky-Fußball in Stadtlohns Kneipen wird für Wirte immer mehr zum Rechenexempel

Das Schild deutet es an: Für das Team vom Forum gehören Fußball-Übertragungen zur Kneipenkultur dazu. © Markus Gehring

Buchstäblich am Ball bleiben wird man auch in der Nachbarschaft im Forum. „Wir können gar nicht auf die Fußball-Übertragungen verzichten. Viele Gäste kommen genau deshalb“, berichtet André Menke. Gerade der Zuspruch bei den Bundesliga-Konferenzen und bei den Topspielen sei konstant gut. „Das rechnet sich auch übers Jahr gesehen, deshalb sind wir schon so lange dabei“, so Menke. Neben Livekonzerten gehöre Fußball auch zur Kultur im Café Forum. Hinsichtlich der kommenden Veränderungen gerade in Sachen Champions League bleibt er gelassen: „Das muss man mal abwarten.“

In der Rustybar wird Sky „wiederbelebt"

Wiederbelebt haben den Kneipenfußball die neuen Pächter des Kettelerhauses. Farah Weddeling und Thomas Terschluse haben in der Rustybar wieder Sky eingeführt. Nicht ganz ohne Eigennutz: „Fußball ist einfach geil. Bei uns in der Familie sind alle fußballbegeistert“, berichtet Farah Weddeling. Und somit wurde mit Übernahme zum Januar umgehend ein Vertrag zur Übertragung von Bundesliga oder auch Champions League abgeschlossen.

Die Kosten für das Sky- und DAZN-Paket seien dabei „gar nicht einmal so hoch gewesen wie gedacht“, ergänzt sie. Die Entwicklung bezüglich der künftigen Rechtevergabe ab 2021 hält sie schon im Auge. Dann müsste man gegebenenfalls abwägen, was der Kunde primär wünscht. Sprich Bundesliga oder internationaler Fußball. „Dann ist es irgendwann womöglich doch eine Kostenfrage“, so Weddeling.

Sky-Fußball in Stadtlohns Kneipen wird für Wirte immer mehr zum Rechenexempel

Mit Übernahme durch die neuen Pächter gibt es in der Rustybar (Kettelerhaus) wieder Live-Fußball auf dem Bildschirm aus Bundesliga oder auch Champions League. © Michael Schley

Nicht alle „klassischen Schank-Lokale“ im Stadtgebiet gehen diesen Weg mit. Die Bremse gezogen hat man zum Beispiel in der Lobbe. Seit sicher fünf Jahren wird dort auf Sky-Übertragungen verzichtet: „Das lohnte sich einfach nicht mehr“, weiß Helmut Könning aus Erfahrung zu berichten. Zum Schluss habe man Gebühren von rund 7000 Euro im Jahr verlangt: „Das stand in keinem Verhältnis mehr.“

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Auch im Töpferkrug ist Sky aktuell kein Thema. „Unsere Gäste wissen das und kommen auch so gerne. Sky ist einfach zu teuer geworden. Punkt.“ Wirtin Jessica Behler setzt alternativ auf die gute und bewährte WDR2-Radioübertragung. Und die „komme immer noch an". In die gleiche Kerbe stößt Anne Lensker im Café Extraschicht: „Das kann kein Mensch mehr bezahlen. Gerade bei unserer Größe.“ Den „überdrehten Hype“ im Fußball müsse man nicht mitmachen, auch im Anbieter-Dschungel blicke bald keiner mehr durch: „Fußball ist sicher ein toller Sport. Aber dann lieber in der Sportschau wie früher.“ Sicher auch spielt es eine Rolle, dass sich das Freizeitverhalten gerader junger Menschen gewandelt.

Preispolitik ist ein Ärgernis

Beim Thema Preise ärgert Jürgen Heming die Politik von Sky doch: „Wir müssen natürlich auch zahlen, wenn Spielpause ist. Das kann man noch nachvollziehen. Aber: Sky gibt immer mehr Spiele ab, an den Preisen ändert dies allerdings nichts. Zumindest nicht zum Vorteil des Kunden.“

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Bei den Internet-Streamingdiensten wie DAZN und Amazon Prime, die verstärkt auf den Markt drängen, ist es zudem wichtig, dass die Qualität stimmt. So lange zum Beispiel DAZN noch über den Sky-Receiver läuft, sollte es keine Probleme geben. Das bestätigt unter anderem auch André Menke für das Forum: „Das ist deutlich besser geworden.“ Doch könnten schon bald gute Internetverbindungen wichtig werden. Auch das würde in die Überlegungen der Gastronomen einfließen, weitere Investitionen auch in die Infrastruktur könnten notwendig werden.

Gebühren staffeln sich

  • Wer im Besitz eines Gewerbes – etwa einer Gaststätte, einer Bar, eines Restaurants, einer Kneipe oder eines Sportvereins ist –, der wird von Sky als Business-Kunde behandelt und benötigt einen gesonderten Vertrag, um im Ladenlokal Sky für seine Besucher anbieten zu dürfen.
  • Wie teuer das Sky-Abo letztendlich ist, hängt dabei in erster Linie von der Größe des Ladenlokals ab: So nennt Sky als Beispiel für eine 35 Quadratmeter große Bar einen Preis von 135 Euro monatlich, während für ein größeres Lokal mit 60 Quadratmetern bereits 531 Euro monatlich und für eine große Sportsbar mit 170 Quadratmeter in einer Großstadt sogar knapp 1.200 Euro pro Monat anfallen können.
  • Neben der Größe der Einrichtung ist für die Gebührenhöhe auch die sogenannte Sportaffinität am Ort entscheidend – sprich in Ballungszentren wie dem Ruhrgebiet mit großen Fußballvereinen sind sie höher als in ländlichen Regionen.
  • Seit der laufenden Saison kooperiert Sky für seine Businesskunden mit dem Streaminganbieter DAZN.
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