Spielerisch erleben lernen

Stadtlohn "Im sechsten Schwangerschaftsmonat war das schon abzusehen, dass unser Sohn Paul in der Entwicklung zurück ist", erinnert sich Ursula Schwarzer an ihre dritte Schwangerschaft. "Das war wie bei seinem heute neunjährigen Bruder Marko damals". Deshalb braucht jetzt auch der einjährige Paul die heilpädagogische Frühförderung der Bischöflichen Stiftung Haus Hall.

30.05.2008, 18:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Zugreifen und Ausprobieren - Annette Hüning, Fachkraft für Frühförderung im Haus Hall, gibt dem kleinen Paul viele Anreize. So kommt er auf spielerische Art und Weise in seiner Entwicklung weiter, beobachtet auch seine Mutter (Mitte).  Kempkes</p>

<p>Zugreifen und Ausprobieren - Annette Hüning, Fachkraft für Frühförderung im Haus Hall, gibt dem kleinen Paul viele Anreize. So kommt er auf spielerische Art und Weise in seiner Entwicklung weiter, beobachtet auch seine Mutter (Mitte). Kempkes</p>

"Mikro cephalus" war die Diagnose, die die Ärzte den Söhnen von Ursula Schwarzer stellten. "Dabei wächst der Kopf des Kindes im Mutterleib nicht so mit, wie er sollte", erklärt Annette Hüning, Fachkraft für Frühförderung im Haus Hall und Betreuerin von Paul, und Pauls Mutter ergänzt: "Das können minimale Veränderungen der Chromosomen sein. Unsere dreijährige Tochter Johanna hat das nicht. Sie ist völlig gesund."

"Nicht behindert"

Für die Ärzte ist Pauls vermindertes Kopfwachstum eine weitgehend unerforschte Störung, mit dem die Kinder und ihre Eltern einfach leben müssen. "Wir nehmen das Kind so wie es ist und damit die Stärken und Schwächen, die es hat. Für mich ist Paul kein Patient, sondern ein Kind, das ich aktiv fördere", stellt Hüning klar und hält nicht viel von der Bezeichnung 'behindert': "Das ist Paul nicht. Er ist in seiner Entwicklung verzögert."

Einmal pro Woche

Seitdem er vier Monate alt ist, begleitet und fördert sie ihn deshalb intensiv. Einmal pro Woche, jeden Montagmorgen um 10.30 Uhr, kommt sie für eine Stunde zu den Schwarzers nach Hause. Um in gewohnter Umgebung Paul, aber auch den besorgten Eltern zu helfen. "Man hat ja auch Ängste, eben weil die Diagnose der Ärzte damals so schlecht war. Und man hat Fragen und Sorgen und braucht einen Ansprechpartner mit Verständnis", erklärt Ursula Schwarzer, was ihr der Besuch von Annette Hüning bedeutet.

Annette Hüning geht es darum, dass Paul seinen Körper kennen lernt - mit Erfolg. "Früher wollte Paul gar nicht in einen Cremetopf hineingreifen oder einen kalten Apfel ergreifen. Jetzt zögert er höchstens noch, packt dann aber zu", berichtet Hüning über deutliche Fortschritte. "Mit dem Ertasten und Greifen begreifen die Kinder." Deshalb sei die Sinnesentwicklung so wichtig.

"Fröhlich und motiviert"

Und Hüning lässt Paul das Tempo seiner eigenen Entwicklung bestimmen. "Paul ist immer fröhlich, immer gut gelaunt. Der ist motiviert und hat Lust zu lernen", ist seine Betreuerin voll des Lobes. "Gerade hat er die Bewegung für sich entdeckt und robbt herum." Und das auf unterschiedlich hohen und geformten Matten. Dabei soll er vom Robben in den Viertfüßlerstand wechseln, so die Aufgabe, die Paul spielerisch meistern lernt.

Erfahrungen machen

Vor allem soll er sich auch einmal stoßen dürfen, um die Erfahrung zu machen. Denn die Gefahr allzu sehr von den Eltern behütet zu werden, sei auch gegeben. "In Pauls Fall ist das aber nicht der Fall", lobt Hüning die Schwarzers.

"Wir stellen ab und an fest, dass Familien gar nicht von unserem Angebot wissen", ist Michel Hülskemper, Öffentlichkeitsreferent vom Haus Hall, aufgefallen. Dabei besteht die Förderung seit über 30 Jahren und ist für die betroffenen Familien kostenlos, da der Kreis die Finanzierung übernimmt. tke

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