Stadtlohner Bauern erklären die Landwirtschaft

Melkroboter statt Museum

Die Stadtlohner Landwirte wollen Schul- und Kita-Kinder über die Landwirtschaft aufklären – und räumen mit manch romantischer Vorstellung auf.

Stadtlohn

, 20.02.2018, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Organisatoren und Sponsoren übergaben die Bücher an die Schulen und Kindergärten.

Organisatoren und Sponsoren übergaben die Bücher an die Schulen und Kindergärten.

Roboter? Als Ortslandwirt Frank Robert seinen Melkroboter erwähnt, leuchten die Kinderaugen auf. Der Landfrauenverband, der landwirtschaftliche Ortsverband und die Landjugend hatten die Erzieher und Lehrer der Stadtlohner Kindergärten und Grundschulen eingeladen, den Hof des Ortslandwirts in Hengeler zu besichtigen – und die hatten ein paar Kinder mitgebracht.

Die Besichtigung wollen die Landwirte vor allem zur Imagepflege nutzen. „Wir sehen die Lehrer und Erzieher als Multiplikatoren, die die Verbraucher von morgen über die moderne Landwirtschaft aufklären sollen“, erklärt Regina Schulze-Icking vom Landfrauenverband. „Die Darstellung der Landwirtschaft in vielen Büchern hat noch einen Bullerbü-Touch und zeigt eine Welt wie im Bauernhof-Museum“.

Bücher verteilt

„Wir wollen zeigen, wie es wirklich ist“, ergänzt Dirk Große Damhus, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbands. Denn die Landwirtschaft sei inzwischen vielen fremd geworden.

Und damit die Aufklärung auch in den Kitas und Klassenzimmern ankommt, verteilen die Landwirte 47 Bücher kostenlos an die Vertreter der Stadtlohner Einrichtungen. „Wir Kinder vom Hof. Entdeckt mit uns die Landwirtschaft“, heißt das Buch, das der Landwirtschaftsverlag herausgegeben hat. „Darin wird kindgerecht erklärt, wie es heute auf dem Bauernhof abläuft“, so Große Damhues. Frank Robert führt die Besucher zu seinem Melkroboter. Vollautomatisch läuft der 23 Stunden am Tag, eine Stunde ist für die Reinigung vorgesehen. „Eine riesige Arbeitserleichterung“, sagt der Landwirt.

Die Kühe entscheiden selbst, wann sie hineingehen. Sie stehen dafür sogar Schlange. „Sie können öfter kommen. Jede hat ihren eigenen Rhythmus.“ Im Schnitt verbringen die 68 melkbereiten Kühe in seinem Stall sieben Minuten im Melkroboter. 30 Liter liefern sie dabei durchschnittlich pro Tag. Der Computer erfasst diese Daten für jedes Tier. Für den sind die Kühe Nummern. Auf Kuh 53 folgt Kuh 47. Eine etwas persönlichere Beziehung zu ihren Tieren haben ihre Eigentümer. „Unsere 80 Kühe haben alle Namen“, sagt Silke Robert. „Aber seit unsere Tochter die vergibt, kann ich mir sie nicht alle merken“, lacht Ehemann Frank Robert.

Klassen sollen kommen

Der achtjährige Jakob beobachtet fasziniert, wie die Maschine die Zitzen automatisch ansaugt. Er selbst kommt von einem Bauernhof, aber in seiner Schule war die Landwirtschaft noch kein Thema.

Vielleicht ändert sich das im Zuge der neuen Kommunikations-Initiative der Landwirte. „Schulklassen können sich gerne an uns wenden, um Höfe zu besichtigen“, sagt Regina Schulze-Icking. Oliver Puthen, Schulleiter der Gescher-Dyk-Schule hält dies für eine gute Idee: „Das machen wir schon ab und zu, denn wir haben viele Kinder vom Land. Unsere Kinder wissen schon, dass Kühe nicht lila sind.“

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