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Stadtlohner Eltern setzten bei der Namenswahl auf Klassiker

Bundesweite Favoriten kaum vertreten

Emma und Ben waren 2017 die beliebtesten Namen in Stadtlohn. Die bundesweiten Favoriten Marie und Paul landeten hier nicht unter den Top 5. Rote Karten bei der Namenswahl gab es in Stadtlohn nicht – anderswo schon.

STADTLOHN

, 04.01.2018 / Lesedauer: 4 min
Stadtlohner Eltern setzten bei der Namenswahl auf Klassiker

Unter den Neugeborenen in Stadtlohn fanden sich 2017 viele Emmas und Bens. © picture alliance / dpa

Monatelang dauert es oft, bis werdende Eltern sich auf den Namen für ihren Nachwuchs einigen. Sie blättern in Ratgebern, streiten sich beim Frühstück und wecken sich nachts abwechselnd gegenseitig auf, um die ultimative Idee nicht am nächsten Morgen vergessen zu haben.

Erstaunlich oft kamen dabei im Jahr 2017 offenbar zwei Namen heraus: Marie und Paul. Diese beiden sind nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) wohl die beliebtesten Vornamen des Jahres 2017. In einer Stichprobe werteten die Sprachforscher für ihre Prognose über ganz Deutschland verteilt die Daten von elf Standesämtern aus. Erst- und Folgenamen wurden dabei gleichwertig erfasst.

In Stadtlohn gehören nach Angaben der Standesbeamtin Angela Ekrod bei den Mädchen Emma, Johanna und Mia zu den beliebtesten Vornamen. 2016 hatte hier noch Marie an der Spitze gestanden. Bei den Jungennamen verteidigte Ben seine Spitzenstellung, gefolgt von Theo und Leo.

Mit Vornamen sei es wie mit Mode und Musik, sagt die Sprachwissenschaftlerin Frauke Rüdebusch – alle zehn Jahre schlägt sich der Zeitgeist auch in der Wahl des Vornamens nieder. Seit 1977 gibt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) jährlich eine Liste der beliebtesten Vornamen heraus. Damals ganz oben: Stefanie und Christian. Es gibt auch Namen, die jeder Mode trotzen: Seit Jahren konstant beliebt ist etwa der Vorname Maria bei Mädchen und Alexander bei Jungen.

Klang vor Bedeutung



Bei der Namenswahl – so beobachten es die Sprachforscher aus Wiesbaden – achten Eltern vermehrt auf ästhetische Gesichtspunkte: Klingt der Name schön, lässt er sich gut aussprechen, passt er zum Nachnamen? „Die Bedeutung eines Namens spielt bei der Wahl nur noch eine untergeordnete Rolle“, sagt Rüdebusch, die auch GfdS-Vornamenberaterin ist.

Als wohlklingend empfinden Eltern heutzutage offenbar Namen, die mit dem Buchstaben „E“ beginnen: So seien beispielsweise bei den Mädchen Vornamen wie Emma, Ella und Elisabeth im Kommen – und Emma in Stadtlohn. Erstmals unter die bundesweite Top Ten könnte es im Jahr 2017 Charlotte schaffen.

Bei den Jungen zeichnet sich ein Retro-Trend ab: So werden ältere Namen wie Jakob, Emil und Felix wieder beliebter. Heiß begehrt waren 2017 auch Karl, Anton und Oskar. Den Trend zu traditionellen Namen sieht auch Stadtlohns Standesbeamtin Angela Ekrod. Ihre Beobachtung: „Eltern, die selbst moderne Vornamen haben, greifen gerne auf traditionelle Namen zurück.“

Auch regionale Vorlieben gibt es: „Während in Norddeutschland nordische Namen sehr beliebt sind, ist Süddeutschland durch die katholischen Klassiker geprägt“, sagt Frauke Rüdebusch.

Und was sagen die Betroffenen selbst, diejenigen die mit der Namenswahl der Eltern leben müssen? Auch dazu hat die Gesellschaft für deutsche Sprache eine Umfrage gemacht. Drei von vier Befragten gaben an, dass sie mit ihrem Vornamen sehr zufrieden sind.

Und wenn nicht? Eine spätere Änderung des Vornamens ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich: Der Gesetzgeber sieht vor, dass dafür ein „wichtiger Grund“ vorliegen muss. Dazu zählen beispielsweise permanente Hänseleien in der Schule, im Beruf oder im Privatleben, die psychisch belastend sind. Das muss dann aber durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden.

Exotische Namenswünsche



Bei exotischen Namenswünschen der Eltern können die Standesämter ein Gutachten der GfdS-Sprachforscher anfordern. Grünes Licht gaben die Experten 2017 unter anderem für Mecky, Lovely, Eleyson, Libelle und Zabel. Abgelehnt haben sie etwa Lucifer, Ohlove, vom Meer, Batman oder Motte. „Für Mecky als Vornamen gibt es Belege in Büchern und Datenbanken“, sagt Rüdebusch. Zabel sei eine Ableitung von Sabel, einem althergebrachten Namen. Das letzte Wort haben im Streitfall die Gerichte.

Soweit ist es in Stadtlohn aber nicht gekommen. „Wir hatten 2017 keine Namenswahl, die wir hätten überprüfen müssen.“ Das war in der Vergangenheit auch schon anders. „Früher haben wir in Zweifelsfällen schon mal die Universität Leipzig oder die Gesellschaft für deutsche Sprache um Rat gebeten.“

Die endgültigen Listen über die beliebtesten Vornamen im Jahr 2017 – dafür werden die Daten von rund 800 Standesämtern abgefragt – stellt die GfdS im Frühjahr 2018 vor. Bei der kompletten Auswertung für 2016 hatten es Marie und Elias ganz nach vorn geschafft – gefolgt von Sophie und Sophia sowie Alexander und Maximilian. Im Jahr 2016 – mit rund 700.000 Geburten – seien über eine Million Erst- und Folgenamen in die Statistik eingeflossen, sagt Rüdebusch. Darunter seien etwa 60.000 verschiedene Namen gewesen – rund 40.000 davon wurden jeweils nur einmal vergeben.

Namenslisten seit 1890



Die Liste der Wiesbadener Sprachforscher ist nicht die einzige Rangliste: Auch der Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld gibt auf seiner Internetseite www.beliebte-vornamen.de regelmäßig Namenslisten heraus. Nach seinen Angaben erfasst er dazu die Namen von rund einem Viertel der geborenen Babys. Auch ein Blick in die Liste Bielefelds könnte so manchen Namensstreit am Frühstückstisch verhindern: Wer sich einen kompletten Überblick verschaffen will, kann hier nämlich die beliebtesten Vornamen von 1890 bis heute studieren. Da bleibt für Streit beim Frühstück kaum noch Zeit.

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