Stadtlohner Händler bekommen in der Corona-Krise einen eigenen Lieferdienst

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Die Geschäfte geschlossen, Kontakt verboten: Kein Mensch verirrt sich momentan in die Stadtlohner Innenstadt. Einkaufen soll aber weiter möglich sein. Per Lieferdienst.

Südlohn

, 26.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Idee ist eigentlich ganz simpel: Stadtlohner kaufen trotz Kontaktverbot und Corona-Krise in den Stadtlohner Geschäften ein und unterstützen so den Einzelhandel in der Stadt. Doch wegen der aktuellen Situation ist das nur über einen kleinen Umweg möglich. Dafür sollen die Bestellungen direkt nach Hause geliefert werden. Ganz wichtig: Der Lieferdienst ist kostenlos und ruht zu einem großen Teil auf ehrenamtlichen Schultern.

Die Idee haben Thomas und Maik Veldscholten zusammen mit Jan Vos, Citymanager Giampietro Salerno, Günter Wewers von der Stadt Stadtlohn und Cora Belker, Sprecherin des Jugendkomitees der Stadt, entwickelt.

Cora Belker, Sprecherin des Jugendkomitees Stadtlohn, ist demnächst als Fahrerin des Lieferwagens in Stadtlohn unterwegs.

Cora Belker, Sprecherin des Jugendkomitees Stadtlohn, ist demnächst als Fahrerin des Lieferwagens in Stadtlohn unterwegs. © Stephan Teine

Die beiden Brüder Veldscholten hatten zunächst mit einer Initiative auf Facebook begonnen. In der Gruppe „Corona Hilfe Stadtlohn“ wollen sie Hilfsgesuche und -angebote zusammenfassen. Das ist schon gut angelaufen.

Unterstützung auch für Einzelhändler

Dabei kam die Frage auf, wie solche Hilfsangebote auch für die Stadtlohner Einzelhändler eingebunden werden könnten. Die Idee für einen Lieferdienst entwickelte sich. „Das hat es in Stadtlohn ja schon einmal gegeben“, sagt Citymanager Giampietro Salerno. Wegen mangelnder Nachfrage sei das Angebot aber wieder eingeschlafen.

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In der aktuellen Situation bekommt die Idee aber ganz neuen Antrieb. „Es hat ja in ganz kurzer Zeit ein Umdenken gegeben“, erklärt Giampietro Salerno. „So steckt vielleicht sogar in dieser Krise eine neue Chance.“

Lieferwagen vom Jugendwerk wird genutzt

Der Lieferwagen wird eigentlich vom Jugendwerk genutzt. Dort steht er aber aktuell nur herum. So entstand die Zusammenarbeit. Cora Belker macht beim Jugendwerk gerade ihr Anerkennungsjahr und ist Sprecherin des Jugendkomitees in Stadtlohn. Sofort war für sie klar, dass sie sich als Fahrerin zur Verfügung stellen würde. „So kann man schon mit kleinen Dingen etwas ändern und viel helfen“, sagt sie.

Am Mittwoch haben sie die Pläne im Stadtlohner Rathaus – natürlich mit gebührendem Abstand – vorgestellt. „Wir sind jetzt gerade dabei, alle Stadtlohner Händler anzusprechen und zu erfassen.

Geschlossene Geschäfte und gähnende Leere in der Innenstadt: Mit dem Lieferdienst sollen in Stadtlohn die schlimmsten Folgen der Corona-Krise abgemildert werden.

Geschlossene Geschäfte und gähnende Leere in der Innenstadt: Mit dem Lieferdienst sollen in Stadtlohn die schlimmsten Folgen der Corona-Krise abgemildert werden. © Stephan Teine

15 bis 20 haben sich schon gemeldet. Über 60 wurden angeschrieben. „Das wird jetzt sukzessive ausgebaut“, sagt auch Jan Vos, der die Schnittstelle zwischen Einzelhändlern und Lieferwagen programmiert hat.

Günter Wewers schränkt ein: „Damit ist natürlich nicht der übliche Pizzaservice gemeint, der ohnehin schon eigene Lieferwagen betreibt.“ Nein, es geht um die Händler, die eben keinen eigenen Lieferdienst betreiben können.

Plattform soll möglichst einfach sein

Und wie funktioniert das Ganze in der Praxis? Auf dem Portal „stadtlohn-corona“ werden alle teilnehmenden Händler gelistet. Die, die keinen eigenen Lieferdienst anbieten können, können sich für den Lieferwagen registrieren. „Die Plattform soll so einfach und unkompliziert wie möglich sein“, sagt Jan Vos.

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Die kaufmännische Abwicklung, also die Bezahlung, liegt deswegen noch bei den Einzelhändlern. „Die können angeben, welche Zahlungsarten sie anbieten“, erklärt Jan Vos. Es wäre auch möglich, das alles noch mit über das Portal zu regeln. „Das kommt aber in einem zweiten Schritt“, sagt er. Erst einmal soll das System jetzt so schnell wie möglich starten, um die Hilfe anbieten zu können.

Kunden bestellen direkt im Geschäft, Lieferung folgt

Kunden geben die Bestellungen direkt bei den Händlern ab. Diese wiederum geben die einzelnen Aufträge dann an die Fahrerin Cora Belker weiter. Alle Bestellungen, die bis 12.30 Uhr bei ihr eingehen, sollen noch am selben Tag ausgeliefert werden. „Damit wären die Einzelhändler in Stadtlohn sogar schneller als Amazon“, sagt Thomas Veldscholten lachend. Die gute Laune will er sich auch von der aktuellen Krise nicht nehmen lassen.

Hinter der Idee steckt für ihn mehr Potenzial: Wenn das Coronavirus einmal Geschichte ist, soll die Plattform weiterlaufen. Als Basis für die Stadtlohner Händler. Dann hätten sich die Kunden daran gewöhnt und würden den Service weiter nutzen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Über 60 Freiwillige stehen in Stadtlohn für Hilfe parat

  • Die Facebook-Gruppe „Corona Hilfe Stadtlohn“ soll Hilfsangebote und -gesuche in der Stadt zueinander bringen. Wie die Stadt Stadtlohn am Mittwochnachmittag mitgeteilt hat, haben sich schon über 60 Menschen als Spontanhelfer registriert. „Eine tolle Resonanz und beeindruckend, wie stark die Solidarität unter den Stadtlohnern gelebt wird“, sagt Thomas Gausling, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung im Rathaus.
  • Personen, die wegen der aktuellen Situation Schwierigkeiten im häuslichen Alltag bekommen, können sich während der Dienstzeiten des Bürgerbüros telefonisch unter 02563/87-87 melden, außerhalb dieser Zeiten auch über die Hotline der Facebook-Gruppe 02563/2087947.
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