Stadtlohner mit 95 Gramm Marihuana erwischt: „Wollten auf ein Festival“

rnAmtsgericht Ahaus

Zwei Stadtlohner wurden im März mit einer großen Menge Marihuana erwischt. Die Polizei ging davon aus, dass sie damit dealen wollten. Die jungen Männer präsentierten eine andere Version.

Stadtlohn

, 10.11.2020, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch am Ende der gut einstündigen Verhandlung war sich der Richter des Ahauser Amtsgerichts nicht ganz sicher: Hatte er es am Montagmorgen in der Verhandlung mit zwei naiven oder aber besonders dreisten jungen Männern aus Stadtlohn zu tun? Am Ende entschied er, trotz „einiger Zweifel“, der Geschichte der beiden Stadtlohner Glauben zu schenken. „Denn das Gegenteil beweisen, kann ich nicht.“

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Was war passiert? Am 2. Februar dieses Jahres hielten zwei Polizisten im Rahmen ihrer üblichen Streifenkontrolle ein Fahrzeug an, in dem ein 21-jähriger und ein 23-jähriger Stadtlohner saßen. Im Fußraum des Autos entdeckten die Beamten zahlreiche Klemmverschlusstütchen und eine Plastikdose. Der Inhalt: knapp 100 Gramm Marihuana. Für die Polizei war die Sache klar: Hier waren zwei Dealer am Werk, die die Drogen gewinnbringend weiterverkaufen wollten.

Angeklagter: „Es war eine dumme Idee.“

Die Angeklagten stritten das in der Verhandlung vor dem Schöffengericht allerdings vehement ab. Es handle sich um eine Verkettung unglücklicher Zufälle. Der 21-Jährige erklärte: „Wir wollten im Frühjahr mit insgesamt zehn Freunden auf ein Festival. Eine Kollege hatte uns erzählt, dass man dort gut Marihuana rauchen kann. Daher haben wir gemeinsam entschieden, es einmal auszuprobieren. Es war eine sehr dumme Idee.“

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Er selbst habe vorher gar keinen Kontakt zu Drogen gehabt und daher auch keine Ahnung von Menge, Wirkung und Preis. „Wir haben damals unter uns Freunden ausgelost, wer das Zeug besorgen muss.“ Den Kürzeren zogen dabei offenbar die beiden Stadtlohner. Nach dem Tipp eines Kollegen fuhren sie gegen 20 Uhr zum Netto-Parkplatz nach Südlohn. Dort sei in den Abendstunden immer ein Dealer unterwegs.

„Wir haben ihn gefragt, wie viel wir für eine Gruppe von zehn Personen brauchen, wenn wir drei Tage auf dem Festival sind. Er hat uns gesagt, dass wir mit 600 Euro hinkommen“, so der 21-Jährige. Eine Woche später habe er gemeinsam mit dem anderen Angeklagten die Ware abgeholt und das Geld übergeben. „Noch bevor wir uns das Marihuana überhaupt selbst ausgepackt hatten, hat uns die Polizei erwischt. Wir wussten wirklich nicht, was drin ist.“

Skepsis beim Richter bleibt bestehen

Auf Nachfrage des Richters, ob er die Namen seiner Freunde nennen können, um die Aussage zu überprüfen, erklärte der Stadtlohner: „Wir müssen nicht andere mit reinziehen, wenn wir Mist gebaut haben.“ Der Anwalt des 23-Jährigen versicherte dem Vorsitzenden aber, die Namen der Beteiligten zu kennen und überprüft zu haben. Das reichte allerdings nicht aus, um die Skepsis zu beseitigen.

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Der Richter erklärte: „Wenn ich etwas ausprobieren will, dann kaufe ich erst mal ein Gramm und nicht gleich 100. Außerdem ist es mir neu, dass Dealer bei so großen Mengen die Ware in Klemmverschlusstütchen verpacken.“ Da die beiden Stadtlohner aber so gar nicht dem üblichen Täterprofil entsprachen – beide haben einen sicheren Arbeitsplatz und waren bisher nicht straffällig in Erscheinung getreten – ließ das Gericht am Ende noch einmal Milde walten.

Die von der Staatsanwaltschaft geforderten 150 Tagessätze reduzierte der Vorsitzende auf 120. Damit bewerteten er und die zwei Schöffen das Verbrechen als minderschweren Fall und auch den gewerbsmäßigen Handel strichen sie aus dem Urteil. Die Begründung: „Sie sind zwei ungeschrieben Blätter. Trotzdem bleiben ein paar Zweifel was Ihre Einlassung betrifft. Aber es fehlen die Beweismittel, Ihre Version zu widerlegen.“

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