Stadtlohner muss wegen zwei kleiner Diebstähle fünf Monate in Haft

Täter brauchte Geld für Heroin

„Wir können auch ohne Anwalt anfangen. Ich gebe doch alles zu.“ Der 44-jährige Angeklagte aus Stadtlohn, der sich am Dienstag wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten musste, gab sich zum Prozessauftakt routiniert. In Handschellen war er zuvor in den Gerichtssaal geführt worden, weil er zurzeit eine Haftstrafe wegen anderer Delikte verbüßen muss.

STADTLOHN

, 27.09.2016 / Lesedauer: 2 min

Die aktuellen Vorwürfe waren vergleichsweise klein: Am 10. Juni wurde der Stadtlohner beim nächtlichen Versuch ertappt, eine alte Stehlampe aus einem Abstellraum im Parkdeck des Krankenhauses Maria-Hilf zu stehlen. Drei Wochen später fiel der Mann an der Kasse eines K+K-Marktes in Ahaus erneut auf. Er hatte sich eine Flasche Whisky für 19,95 Euro ohne zu bezahlen in den Hosenbund gesteckt.

Die Frage des Richters, was er denn mit dem Whisky machen wollte, offenbarte die ganze Tragödie des Angeklagten: „Ich wollte die Flasche verkaufen, um mir in Enschede Heroin besorgen zu können.“ Die Droge spritze er sich alle zwei bis drei Tage, sagte der 44-Jährige.

Lange Liste an Straftaten

„Wir kennen uns doch schon einige Zeit“, ermahnte der Richter den Stadtlohner, als dieser versuchte, die Umstände der Diebstähle zu beschönigen. Damit spielte der Richter auf die kriminelle Vorgeschichte des Angeklagten an: „Ihr Strafregister ist so lang wie mein Arm.“ Seit 2006 stand der Stadtlohner fast ein dutzend Mal vor Gericht: wegen Körperverletzung, wegen Kokain- und Heroinschmuggel, wegen Diebstahl und wegen der Erschleichung von Leistungen. Auch eine langjährige Methadon-Therapie half bislang nicht, ihn endgültig vom Heroin zu befreien. Seine Ehe ist zerbrochen, seine Frau und seine beiden Kinder haben ihn verlassen. Der Mann lebte bis zu seiner Haft bei seiner pflegebedürftigen Mutter, der Vater verstarb vor wenigen Wochen.

Sein Vorstrafenregister war letztlich auch für den Richter Grund genug, dem Antrag der Staatsanwaltschaft zu folgen: fünf Monate Haft sah er als angemessen für die beiden Diebstähle an. Selbst der Verteidiger hatte angesichts der Vorgeschichte eine viermonatige Haftstrafe für notwendig erachtet. Das Schlusswort des Angeklagten: „Ich habe nichts weiter dazu zu sagen.“

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