Stadtlohner Recyclingunternehmen punktet bei Umweltministerin

Klimaschutz mit Klebefolie

Die Bundesumweltministerin kennt das Problem aus eigener Erfahrung: "Ich packe ein Paket aus und stehe mit einem Ballen aus Klebeband da. Wie wird der nun richtig entsorgt?" Zuhause ist das ein kleines Problem. Im industriellen Maßstab aber geht es um tausende von Tonnen Klebefolien-Reste. Ein Stadtlohner Unternehmen hat die Lösung. Und die Ministerin unterstützt die Idee mit mehr als einer halben Million Euro.

STADTLOHN

, 16.09.2016, 18:26 Uhr / Lesedauer: 1 min

Am Donnerstagabend hat Ministerin Barbara Hendricks den Förderbescheid ihres Ministeriums über 550000 Euro persönlich an Johannes Wissing übergeben.

Wissings Unternehmen Wipa baut seit Jahren Recyclingmaschinen für Kunststoffabfälle, zum Beispiel für Abfälle aus den Gelben Säcken. Dabei entsteht Granulat, das zu neuen Produkten verarbeitet werden kann. Klebefolien allerdings kannten bislang nur einen Entsorgungsweg: die Verbrennung. Der Kleber bereitete bei der Zerkleinerung große Probleme. Bis jetzt. Wissing hat ein Verfahren entwickelt und weltweit zum Patent angemeldet, das ein Klebefolien-Recycling ermöglicht. Wärme, Reibung und Vakuumentgasung in mehr als 20 verschiedenen Prozessschritten sind das Geheimnis.

 200000 Tonnen Stanzreste jährlich

Klebefolien sind allgegenwärtig: auf Shampooflaschen wie auf Schokokeks-Verpackungen. Die Etiketten werden ausgestanzt. Dabei fallen europaweit jedes Jahr über 200000 Tonnen Stanzreste an, erklärt Geschäftsführer Patrick Wissing, der Sohn des Firmengründers. Und die werden mit enormem CO2-Ausstoß verbrannt.

Aber nicht mehr lange. An der Benzstraße ist der Prototyp einer Recylinganlage bereits in Bau. Sie soll 2017 im Drei-Schicht-Betrieb in Stadtlohn jährlich 15000 Tonnen Kunststoff zu Granulat aufarbeiten. Weitere Standorte und Lizenzvergaben in ganz Europa sind bereits in der Planung.

"Pro Tonne recycelter Klebefolie werden acht Tonnen CO2 eingespart", sagt Patrick Wissing. Oder anders ausgedrückt: Die Maschine in Stadtlohn kann im Vollbetrieb jährlich 120000 Tonnen des klimaschädlichen Gases einsparen.

Und was passiert mit dem Granulat? Das wird zum Beispiel in Schweden von der Firma Axjo zu Kabeltrommeln verarbeitet. Viele andere Weiterverwendungen sind denkbar.

Technik vorangetrieben

Axjo-Inhaber Jacob Nilsson hat gemeinsam mit Johannes Wissing 2014 die Tochterfirma NL4P Compounding GmbH gegründet, die die Entwicklung dieser speziellen Technik vorantreibt. Auch er freute sich gestern genauso wie Bürgermeister Helmut Könning über den Besuch der Ministerin - und über die rote Mappe mit dem Förderbescheid. Für Johannes Wissing ist die Fördersumme ein wichtiger Beitrag zum Erfolg, der letzlich aber auf vielen Beinen stehe: "Das Know-how meiner Mitarbeiter ist das Grundkapital."

 

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