Stadtlohner Schulen ziehen am Runden Tisch an einem Strang

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Das hat schon Seltenheitswert: In Stadtlohn funktioniert das klassische dreigliedrige Schulsystem so gut, dass die Stadtlohner Schüler am Ort bleiben und Auswärtige mit dem Schulbus anreisen.

Stadtlohn

, 15.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Welche weiterführende Schule ist die richtige für mein Kind? Diese Frage bereitet vielen Eltern von Viertklässlern einiges Kopfzerbrechen. In Stadtlohn steht diese wichtige Weichenstellung jetzt wieder für 214 Jungen und Mädchen an. Hier fällt die Entscheidung anders als in den meisten anderen Städten noch im klassischen dreigliedrigen Schulsystem zwischen Hauptschule, Realschule und Gymnasium.

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Almuth Heßling hat mit ihrer Familie schon zwei Mal diese Entscheidung treffen müssen. Eines ihrer Kinder besucht jetzt die achte Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, eine anderes die sechste Klasse der Herta-Lebenstein-Realschule. „In beiden Fällen ist das der richtige Weg“, sagt sie. Das dritte Kind besucht noch die zweite Klasse der Gescher-Dyk-Grundschule. Einmal müssen sich die Heßlings also noch entscheiden.

„Keine Einbahnstraßen“

Aber Almuth Heßling bleibt gelassen: „Ich glaube, in Stadtlohn ist der Druck auf die Eltern nicht so groß, weil sie die Wahl zwischen vier sehr guten Schulen haben.“ Mehr noch. „Die vier Schulen arbeiten ausgezeichnet zusammen, sodass die Durchlässigkeit groß ist“, weiß Almuth Heßling. Keine Schule sei eine Einbahnstraße. Als Schulpflegschaftsvorsitzende der Gescher-Dyk-Schule hat sie jetzt an der Sitzung des Runden Tisches der Stadtlohner Schulen teilgenommen.

Schulleiterinnen und Schulleiter der Losbergschule, der Herta-Lebenstein-Realschule, der St.-Anna-Realschule, der Losbergschule sowie der aller Grundschulen aus Stadtlohn, Elternvertreter und Mitarbeiter der Schulverwaltung tauschen sich seit dem Jahr 2014 einmal im Jahr am Runden Tisch aus und gestalten gemeinsam das Informationsverfahren. In diesem Jahr nahmen erstmals auch Schulleitungen und Elternvertreter der Grundschulen aus Südlohn und Oeding am Runden Tisch teil.

Stadtlohner Schulen ziehen am Runden Tisch an einem Strang

Am Runden Tisch der Schulen tauschen sich Schulleitungen und Elternvertreter aus allen Stadtlohner und Südlohner Schulen und Vertreter der Schulverwaltung zum Thema Schulwahl aus. © Stefan Grothues

Wie läuft es mit den Tagen der offenen Tür? Wie koordinieren wir die Elternsprechtage? Wie erreicht die Informationsbroschüre am besten alle Eltern? Welche Erfahrungen sind im vergangenen Jahr beim Übergang der Viertklässler in die weiterführenden Schulen gemacht worden? Alle diese Fragen wurden jetzt ganz praxisnah beim 6. Runden Tisch erörtert. Dazu hatte dieses Mal Schulleiter Stefan Wichmann in die Mensa der Herta-Lebenstein-Realschule eingeladen.

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„Die entscheidende Frage sind nicht die Schülerzahlen, die eine Schule vorweisen kann. Entscheidend ist, an welcher Schule das Kind am besten aufgehoben ist“, sagte Stefan Wichmann. In diesem Sinne stünden die Stadtlohner Schulen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie sehen sich vielmehr als Alternativen, sodass für jedes Kind der individuell richtige Weg gefunden werden könne.

Dreigliedriges Schulsystem ist auch eine Art Gesamtschule

Angesichts der guten Zusammenarbeit der Schulen auf Augenhöhe, der kurzen Dienstwege und der Durchlässigkeit des Systems sagt der Schulleiter der Herta-Lebenstein-Realschule sogar: „Eigentlich haben wir in Stadtlohn nicht nur das dreigliedrige Schulsystem, sondern im guten Sinne auch eine ,Gesamtschule‘, die den Schülerinnen und Schülern individuelle und offene Bildungswege anbietet.“ Und die Stadt als Schulträger leiste ausgezeichnete Unterstützung.

Das sehen offenbar auch die Stadtlohner Eltern so. Bis auf wenige Einzelfälle besuchen alle Stadtlohner Fünftklässler eine Schule in Stadtlohn, obwohl auch Sekundar- und Gesamtschulen in den Nachbarstädten locken. Umgekehrt meldeten im vergangenen Jahr Eltern aus Südlohn, Gescher und Vreden über 100 Kinder in Stadtlohn an. „Das Stadtlohner Schulsystem ist attraktiv“, schließt Klaus-Dieter Weßing, Leiter des Fachbereichs Schule im Stadtlohner Rathaus, aus den „tollen Anmeldezahlen“ der vergangenen Jahre.

Weßing verhehlt aber nicht, dass er mit großer Spannung wieder auf den Februar als Anmeldemonat schaue. „Das ist jedes Mal wieder spannend zu sehen, wie sich die Eltern entscheiden.“ Ihm sei aber nicht bange um die Zukunft des dreigliedrigen Schulsystems in Stadtlohn. Weßing: „Der Runde Tisch und die gemeinsame Informationsveranstaltung aller Schulen ist ein deutliches Signal an die Eltern, dass die Schulen in Stadtlohn zusammenstehen.“

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Aber wer entscheidet am Ende tatsächlich? Sind es die Grundschullehrer, die mit ihren Empfehlungen die Schülerströme lenken? Oder sind es die Eltern, die die bestmögliche Schule wollen? Oder sind es gar die Kinder selber? „Nein, Mama und Papa müssen entscheiden“, sagte Oliver Puthen, Leiter der Gescher-Dyk-Schule. Das sahen auch alle am Runden Tisch so: Viertklässler seien mit einer so weitreichenden Entscheidung einfach überfordert.

Aber, so Puthen weiter, die Eltern sollten die Empfehlungen der Grundschulen ernst nehmen. Nach vier Jahren könnten die Grundschullehrer eine treffsichere Empfehlung abgeben. Stefan Wilsmann, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, lobte am Runden Tisch die Eltern: „Sie setzten sich sehr ernsthaft mit dem Thema auseinander und nutzen die vielen Informationsangebote.“ In weit über 90 Prozent der Fälle folgten sie dann den Empfehlungen der Grundschulen – und in den allermeisten Fällen behielten sie damit auch recht.

„Das hättest du nicht gedacht“

Christa Engelmann, Leiterin der Hilgenbergschule, lobte am Runden Tisch die gute Entwicklung der Hauptschule in Stadtlohn. In vielen anderen Städten war die die Hauptschule das schwächste Glied in der Kette des dreigliedrigen Schulsystems. Christa Engelmann: „Die Losbergschule hat sich mit ausgezeichneter Arbeit einen guten Ruf bei den Eltern erworben.“ Schulleiterkollege Oliver Puthen bestätigte das: „Ich habe gerade Besuch von einem ehemaligen Viertklässer gehabt. Der sagte: ,Herr Puthen, du wirst es nicht glauben: Ich habe in Mathe eine Zwei. Das hättest du nicht gedacht, oder?‘“

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