Vor den Toren der Stadt richtet das Berkelhochwasser (hier ein Bild aus dem Jahr 2020) keine großen Schäden an. Anders sieht es bei Überflutungen in der Stadt aus. Dagegen kann auch das Hochwasserschutzkonzept keinen 100-prozentigen Schutz bieten. © Stefan Grothues
Hochwasser

Stadtlohns Hochwasserschutzkonzept ist aktuell, hilft aber nicht in allen Fällen

Stadtlohn investiert derzeit Millionen in den Hochwasserschutz. Ist das Konzept im Lichte des Hochwassers an Ahr, Ruhr, Erft überhaupt noch aktuell? Die Stadt antwortet mit einem „Ja, aber...“

Rund 30 Millionen Euro investiert die Stadt Stadtlohn in den kommenden Jahren, um Wohngebiete, Geschäfte und Firmen vor möglichen Berkelüberschwemmungen zu schützen. Das Konzept wurde nach jahrelanger Vorarbeit 2018 genehmigt.

Angesichts der Hochwasserkatastrophe an der Ahr, Rur und Erft hat Dr. Albert Daniels (FDP) das Stadtlohner Konzept hinterfragt und eine Überprüfung gefordert. In der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses hat Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp eine Antwort gegeben, die so zusammengefasst werden kann: Das Hochwasserschutzkonzept ist auf der Höhe der Zeit, aber es bietet keinen hundertprozentigen Schutz.

Überschwemmungsgebietskarten geben den Stadtlohnern Hinweise, wo sie mit Überflutungen bei Berkelhochwasser rechnen müssen
Überschwemmungsgebietskarten geben den Stadtlohnern Hinweise, wo sie mit Überflutungen bei Berkelhochwasser rechnen müssen © Bezirksregierung Münster © Bezirksregierung Münster

Den FDP-Antrag hatte Albert Daniels, der Professor für Rohstoffgewinnung an der Technischen Fachhochschule Georg Agricola in Bochum ist, so begründet: „Die unfassbaren Auswirkungen in Erftstadt habe ich im Rahmen eines Noteinsatzes

in Blessem aus unmittelbarer Nähe inspiziert. Mit einem unserer ferngesteuerten Messboote haben wir von unserem Hochschulinstitut die dort ausgespülten Bereiche zwischen der Erft und dem Kiestagebau vermessen. Vor Ort spricht man von einem Jahrtausendhochwasser, wenn nicht gar von einem 10.000-jährigen Hochwasser.“

Flache Topographie im Münsterland mindert Risiko

Als „erschreckend beeindruckend“ bezeichnete auch Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp die Hochwasserkatastrophe dieses Sommers. Anders als im Ahrtal seien die topografischen Verhältnisse an der Berkel jedoch eher flach, sodass die Fließgeschwindigkeiten der Berkel bei einem vergleichbaren Ereignis nicht so hoch werden würden und nicht so katastrophale Auswirkungen hätten.

Vor Berkelhochwasser schützt die flache Topographie allerdings nicht. Das wissen die Stadtlohner nicht erst seit dem letzten Berkelhochwasser von 2016. Eindeichungen im Stadtgebiet und neue Überflutungsflächen vor den Toren der Stadt sollen künftige Überschwemmungen in der Stadt verhindern helfen. So sieht es das Hochwasserschutzkonzept vor, das zu 80 Prozent vom Land gefördert wird.

Sieben Jahre am Hochwasserschutzkonzept gefeilt

„Das Konzept wurde mit namhaften Büros erarbeitet und orientiert sich an den gültigen Regeln der Technik, den DIN-Normen und den Gesetzen“, erklärte Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp in der jüngsten Umwelt- und Bauausschusssitzung. Nach vielen Abstimmungen und einem langen Genehmigungsprozess von 2011 bis 2018 hätten die Behörden den Entwurf intensiv geprüft und genehmigt.

Pennekamp betonte aber auch, dass das Konzept auf 100-jährige Extreme ausgelegt sei. Diese Jahrhunderthochwässer werden von den Experten HQ100 genannt. Und die Experten der Bezirksregierung und der Stadt Stadtlohn sind sich einig, dass auch das Stadtlohner Hochwasserschutzkonzept für ein derartiges Starkregenereignis wie in diesem Sommer in Rheinland-Pfalz keinen sicheren Schutz bieten könne.

Schutzmaßnahmen müssen bezahlbar bleiben

„Wir können bauliche Schutzmaßnahmen nur auf ein HQ100 auslegen“, so Mathias Pennekamp. „Alles andere wäre viel zu teuer. Und die Bezirksregierung würde die Mehrkosten auch nicht mittragen.“ Die Bezirksregierung Münster empfiehlt der Stadt Stadtlohn, das Hochwasserschutzkonzept wie geplant und genehmigt jetzt umzusetzen.

Wichtig sei es, so Pennekamp, die Stadtlohner darüber hinaus zu informieren, die in Gefahrengebieten bauen wollen oder bereits wohnen. Dafür bieten die Gefahren- und Risikokarten, die auch auf der Webseite der Stadt Stadtlohn zu finden sind, eine gute Grundlage.

Im Umwelt- und Bauausschuss stießen die Ausführungen von Mathias Pennekamp auf breite Zustimmung. Ludger Bergerbusch (FDP) betonte: „Wir wollten mit unserem Antrag das Hochwasserschutzkonzept und den HQ100-Maßstab nicht grundsätzlich anzweifeln. Wir wollen nur sichergehen, dass wir die richtigen Lehren aus der Hochwasserkatastrophe ziehen.“

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