Stehen bald zwei Seniorenheime in direkter Nachbarschaft an der Burgstraße?

rnAltes Berkelstadion

Gleich zwei Seniorenheime könnten nebeneinander an der Burgstraße entstehen. Neben dem alten Berkelstadion gibt es noch ein zweites Grundstück, das in Frage kommt. Eine echte Überraschung.

Stadtlohn

, 29.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Und plötzlich gibt es die Möglichkeit, dass in Stadtlohn gleich zwei neue Seniorenwohn- und Pflegeheime entstehen. In der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwochabend haben das Klinikum Westmünsterland und der Architekt Paul Roosmann aus Lingen ihre Ideen für das alte Berkelstadion vorgestellt. Beide wollen dort ein Seniorenheim samt Tagespflege bauen.

Die Überraschung: Der Lingener Interessent hat neben dem alten Berkelstadion noch ein zweites Eisen im Feuer: die Grundstücke zwischen der Sporthalle an der Burgstraße und Möbel Steinbach.

Zwei Interessenten stellen ihre Planungen vor

Aber der Reihe nach: Zunächst stellte das Klinikum Westmünsterland seine Planungen vor. Damit hatten sie sich bereits im Februar bei der Stadt um das Grundstück beworben. Nun also die öffentliche Vorstellung. Das Klinikum plant ein Wohn- und Pflegeheim für rund 80 Senioren in sechs Wohngruppen zu je 13 oder 14 Personen. Dazu sollen 15 Kurzzeitpflegeplätze entstehen. Zur Gestaltung verwies Holger Winter, der im Klinikverbund das Pflegenetz Westmünsterland und damit den Altenpflegebereich verantwortet, auf das Seniorenwohnheim St. Ludger in Vreden. In Stadtlohn solle das geplante Seniorenheim fast baugleich umgesetzt werden. „Das Pflegeheim in Vreden ist die zweite Version unserer Pflegeheime“, erklärte er. Dort sei die jahrelange Erfahrung aus den anderen Standorten umgesetzt worden. „Das würde auch eins zu eins nach Stadtlohn passen“, so Holger Winter weiter. Als großer Verbund könne das Klinikum Westmünsterland außerdem mit einer starken Mitarbeiterstruktur und viel Erfahrung punkten. „Als größter Arbeitgeber in der Region spüren wir den Fachkräftemangel noch nicht“, so Winter. Entsprechend gut sei die Versorgung in den Einrichtungen.

Es ist aktuell schwierig, überhaupt ein neues Seniorenheim zu bauen

Im Moment sei es tatsächlich schwierig, neue Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen zu bauen. Die Refinanzierung werde durch die vorgeschriebene Abschreibungsquoten auf 50 Jahre festgezurrt. Ein Darlehen mit so langer Laufzeit zu bekommen, sei aber fast unmöglich. Er blickte auf eine mögliche Gesetzesänderung. „Sobald die Abschreibungsquote angepasst ist, stehen wir parat“, sagte er. Frühestens sei 2020 mit einem Fortschritt zu rechnen.

Stehen bald zwei Seniorenheime in direkter Nachbarschaft an der Burgstraße?

Im alten Berkelstadion können sich sowohl der Investor aus Lingen als auch das Klinikum Westmünsterland vorstellen, ein Seniorenheim zu bauen. © Stephan Teine

Paul Roosmann vom Projektentwickler IPS aus Lingen war als Zweiter mit der Vorstellung seines Konzepts an der Reihe. Den Ursprungsentwurf kannten die Ausschussmitglieder bereits aus einer Sitzung im vergangenen Jahr. Auch Roosmann plant eine Mischung aus stationärer und Tagespflege: Vorgesehen sind 65 Plätze in stationärer Pflege sowie 15 Tagespflege-Plätze. Zusätzlich will er auch zwölf sogenannte Servicewohnungen anbieten.

Überraschung über alternativen Standort neben dem Stadion

Die eigentliche Überraschung folgte dann: Paul Roosmann plant für sein Projekt auch mit dem Nachbargrundstück der Sporthalle an der Burgstraße, auf dem die Verwaltung von Möbel Steinbach ihren Sitz hat. Karl Herbstmann (UWG) wollte daher auch wissen, warum Paul Roosmann für das alte Berkelstadion denn einen Rückzieher mache.

Das tue er gar nicht, erklärte Roosmann. „Die Eigentümer des anderen Grundstücks sind auf mich zugekommen und haben es mir angeboten“, sagte er. Erste Flächen dort habe er sich bereits gesichert. „Aktuell führe ich noch Gespräche mit einer Erbengemeinschaft über ein weiteres Teilstück“, sagte er. Auch da sei er aber guter Dinge. Besonders sympathisch sei ihm die alternative Lösung, weil er dort auf umfangreiche Bebauungsplanverfahren verzichten könne. „Wir könnten dort über ein Jahr schneller als im Berkelstadion bauen“, sagte er. Die Option im Berkelstadion wolle er aber dennoch noch nicht aufgeben. Bis nach den Sommerferien möchte er Klarheit über den alternativen Standort haben. Dann wird auch die politische Beratung zu dem Thema weitergehen.

Was die alternative Planung für das Klinikum Westmünsterland bedeutet, kommentierte gegenüber unserer Redaktion niemand. Sowohl die Frage, ob sich das Klinikum eine Zusammenarbeit mit dem Planer aus Lingen vorstellen könne oder ob das Klinikum auch bauen würde, wenn in direkter Nachbarschaft ein anderes Pflegeheim entstehen würde, blieben unbeantwortet. „Dazu möchten wir uns im Moment nicht äußern“, erklärte Tobias Rodig, Pressesprecher des Klinikums Westmünsterland auf Nachfrage.

Keine Diskussion über die Konzepte

Mehrfach wollten die Politiker schon in der Sitzung am Mittwoch in die Diskussion über Details einsteigen. Das stoppte jedoch Helmut Stowermann (CDU) als stellvertretender Ausschussvorsitzender. „Es geht heute nur um die Vorstellung der Konzepte“, sagte er. Alles andere führe an diesem Tag zu weit und werde in einer späteren Sitzung diskutiert. Während das Klinikum Westmünsterland auch zur Arbeit in der geplanten Einrichtung etwas sagte, sparte der Investor aus Lingen diesen Bereich ausdrücklich aus.

„Ich möchte zunächst die Standortfrage klären, bevor ich Ihnen ein Betreiberkonzept vorstelle“, sagte er den Politikern im Ausschuss. Klar sei für ihn nur, dass er mit einem lokalen Anbieter zusammenarbeiten wolle. Erste Anfragen habe es bereits gegeben. Außerdem sei für ihn klar, dass er nur im Einvernehmen mit der Stadt bauen wolle.

Bereits im Juni 2018 hatte Paul Roosmann seine ersten Ideen für ein Seniorenwohnheim im alten Berkelstadion in Stadtlohn vorgestellt. Danach war eine Diskussion in Stadtlohn entbrannt, ob man nicht besser den Busbahnhof ins alte Stadion verlagern solle. Erst im vergangenen Mai hatte die Stadtlohner Politik dieser Idee endgültig einen Riegel vorgeschoben.

Lesen Sie jetzt