Teilchen, Trompete und Schnatz: Exzellenter Physiker spielt auch Quidditch

rnWissenschaftler aus Stadtlohn

Michael te Vrugt (24) aus Stadtlohn macht sich gerade einen Namen als Physiker. Er findet Formeln für das komplexe Zusammenspiel kleiner Teilchen. Trompete und Schnatz sind ein Ausgleich.

Stadtlohn

, 15.09.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Masterarbeit schreiben viele. Michael te Vrugts Masterarbeit aber ist etwas Besonderes. Die Forschungsergebnisse des 24-Jährigen wurden bereits in drei renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. Und Physikerkollegen aus aller Welt lauschten dem Vortrag des Nachwuchswissenschaftlers auf einem Kongress in Argentinien. Die StatPhys in Buenos Aires gilt als die weltweit wichtigste Konferenz für statistische Physik.

Michael te Vrugt in Buenos Aires, wo er seine Arbeit 2019 auf einer Physiker-Konferenz vorstellte.

Michael te Vrugt in Buenos Aires, wo er seine Arbeit 2019 auf einer Physiker-Konferenz vorstellte. © privat Michael te Vrugt

Nun hat Michael te Vrugt für seine herausragende Masterarbeit zur statistischen Physik von Nichtgleichgewichtssystemen den mit 1500 Euro dotierten „Infineon-Master-Award“ erhalten. Verliehen wird der Preis vom Fachbereich Physik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) mit der Infineon Technologies AG.

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“

„Etwas poetisch ausgedrückt geht es in der nichtlinearen Physik darum: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, so versucht es Michael te Vrugt dem Laien zu erklären. Das Thema seiner Arbeit ist eine spezielle Methode der statistischen Physik, der sogenannte Mori-Zwanzig-Formalismus. „Die statistische Physik untersucht Systeme aus sehr vielen Teilchen, basierend auf deren mikroskopischen Eigenschaften“, erläutert Michael te Vrugt.

„Die Arbeit ist eine exzellente wissenschaftliche Leistung“, lobt Prof. Dr. Raphael Wittkowski vom Institut für Theoretische Physik, in dessen Arbeitsgruppe die Masterarbeit angefertigt wurde. „In Umfang, Qualität und Erkenntnisgewinn ähnelt sie einer Doktorarbeit.“ Michael te Vrugt verwendet den neuen Formalismus zur Herleitung einer Feldtheorie für aktive Flüssigkristalle. Seine Methodik hilft, Eigenschaften von unterschiedlichen Systemen wie zum Beispiel Handydisplays und Supraleitern in einem einheitlichen mathematischen Rahmen zu beschreiben.

Einser-Abitur an der Canisiusschule

Michael te Vrugt hat sein Abi im Jahr 2014 als Jahrgangsbester mit einem Schnitt von 1,0 an der Canisiusschule in Stadtlohn abgelegt. Für ihn stand damals schon fest, dass seine Leidenschaft der Physik gehört. „Formeln aufzustellen, das war schon im Physikunterricht bei Hans-Helmut Holtgrave mein Ding.“ Michael te Vrugt entschied sich für ein Physikstudium an der Westfälischen-Wilhelms-Universität in Münster. „Die ist in der Teilchenphysik und Nanophysik gut aufgestellt.“

Bei den Stadtlohner Husaren spielt Michael te Vrugt Trompete.

Bei den Stadtlohner Husaren spielt Michael te Vrugt Trompete. © privat Michael te Vrugt

Ist der 24-Jährige möglicherweise ein typischer Physik-Nerd, der nur die Wissenschaft kennt? Michael te Vrugt lacht, als er im Telefoninterview diese Frage hört. „Nein, es gibt auch ein Leben neben dem Formalismus.“ Bei den Stadtlohner Husaren spielt er Trompete, dem Wendfelder Schützenverein bleibt er auch treu. Auch die Philosophie und Hochschulpolitik liegen ihm am Herzen.

Auf der Jagd nach Quaffel, Schnatz und Klatscher

Und als Muggel betreibt einen zauberhaften Sport, den alle Harry-Potter-Fans kennen: Quidditch. Mit den Münster Marauders geht Michael te Vrugt auf die Jagd nach Teilchen der besonderen Art: Schnatz, Quaffel und Klatscher. „Das ist mittlerweile eine richtige Sportart mit NRW-Liga und Deutscher Meisterschaft“, betont Michael te Vrugt.

Michael te Vrugt hat den Schnatz beim Quidditch-Spiel gefangen.

Michael te Vrugt hat den Schnatz beim Quidditch-Spiel gefangen. © privat Michael te Vrugt

Als Physiker setzt der Stadtlohner seine wissenschaftliche Laufbahn zurzeit mit einer Promotion am Institut für Theoretische Physik der WWU in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Raphael Wittkowski fort. Aktuell forscht er dort unter anderem zur Ausbreitung von Corona. Und auch das erfolgreich: In wenigen Wochen wird eine Fachzeitschrift Michael te Vrugts neue Forschungsergebnisse veröffentlichen.

„Vorher darf ich nichts verraten“, sagt der junge Physiker. Nur soviel kann Michael te Vrugt jetzt schon sagen: „Die Idee ist, die Menschen als Teilchenmenge zu betrachten, um die Wechselwirkung von Social Distancing, Schutzmasken und der Ausbreitung des Virus theoretisch beschreiben zu können. Die Ableitungen sind aber noch bis zu Veröffentlichung geheim.“

Lesen Sie jetzt