Todesdrohung mit Pistole konnte nicht nachgewiesen werden

Strafprozess

Ein echter Stadtlohner Wirtschaftskrimi: Schwarzarbeit, Werkzeugdiebstahl und die Todesdrohung mit Pistole. Was allerdings erfunden und was wahr ist, das blieb im Strafprozess offen.

Stadtlohn

, 26.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 56 Jahre alter Mann soll am 2. Juni 2018 in Stadtlohn den Bruder seines Ex-Chefs mit einer Pistole bedroht haben. Dafür musste sich der 56-Jährige am Montag vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten. Am Ende des Prozesses ließen der Vertreter der Staatsanwaltschaft und die Richterin den Rechtsgrundsatz „In dubio pro reo („Im Zweifel für den Angeklagten“) gelten. Für den Angeklagten gab es einen Freispruch.

Zeuge schildert dramatische Sekunden

Das vermeintliche 49 Jahre alte Opfer schilderte im Prozess als Zeuge die entscheidenden Sekunden nach einem Streit so: „Er holte aus der Mittelkonsole seines Autos eine Pistole und sagte: ‚Ich kann auch anders‘. Er war so erregt, dass ich mit allem gerechnet habe.“ Er habe diesen Satz durchaus als Todesdrohung empfunden. Dann aber habe der Angeklagte die Pistole wieder im Auto verstaut.

Der 56-jährige Angeklagte widersprach dieser Darstellung. Er besitze gar keine Pistole. Und er habe den 49-Jährigen auch nicht bedroht. Er bestätigte aber, dass es am Rande einer Baustelle zu einem heftigen Streit gekommen sei. Über 17 Jahre arbeitete der Angeklagte in dem Familienunternehmen, dass der Bruder des 49-Jährigen führt. „Der Vater der beiden war der beste Chef der Welt. Er war fast wie mein Vater“, so der Angeklagte. Das Verhältnis zu nächsten Generation war aber offenbar nicht so gut. Der Angeklagte verlor seine Arbeit, weil er angeblich Werkzeug gestohlen haben soll.

Anwalt hält Angeklagten für das Opfer

Sein Anwalt behauptete aber, der 56-Jährige sollte „outgesourct“ werden.

Die Diebstahlsvorwürfe seien hanebüchen. Der Angeklagte sei das eigentliche Opfer. Er habe ihm zustehendes Geld nicht bekommen und habe seine Ansprüche gerichtlich geltend gemacht. Wohl als Retourkutsche und aus Rachsucht habe der Bruder des Chefs seinen Mandanten auf der Baustelle, wo er für einen neuen Arbeitgeber tätig war, aufgesucht. Dort habe der 49-Jährige zu dem Angeklagten gesagt: „Ich mach dich fertig! Ich mach dir das Leben zur Hölle!“

Als Zeuge schilderte der 49-Jährige seinen Anlass für den Baustellenbesuch ganz anders. Er sei auf der Suche nach gestohlenem Werkzeug im Wert von 15 bis 20.000 Euro gewesen. Er unterstellte dem Angeklagten auch, immer wieder als Schwarzarbeiter tätig gewesen zu sein. Der Anwalt des Angeklagten warf seinerseits der Firma vor, es mit der Steuer nicht so genau zu nehmen.

Hausdurchsuchung ohne Ergebnis

Die steuerlichen Aspekte indes waren nicht Thema des Strafprozesses. Da ging es nur um die vermeintliche Drohung mit der Pistole. Nachdem der 49-Jährige die zur Anzeige gebracht hatte, fand eine Hausdurchsuchung bei dem 56-Jährigen statt. Eine Pistole allerdings wurde nicht gefunden. Nach den widersprüchlichen Aussagen im Prozess forderte selbst der Vertreter der Staatsanwaltschaft einen Freispruch. Dem kam die Richterin nach: „Ich gehe davon aus, dass die Waffe nicht vorhanden war – im Zweifel für den Angeklagten.“

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