Trotz Präsident Donald Trump Ruhe bewahren

Unternehmen im Westmünsterland

Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA beschäftigt natürlich auch die Menschen in der Region. Insbesondere Unternehmen, die Handelsbeziehungen zu den USA pflegen, werden die Geschehnisse intensiv verfolgen. Unser Mitarbeiter Michael Schley sprach dazu mit Andreas Brill, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes AIW.

STADTLOHN/KREIS

, 09.11.2016, 17:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herr Brill, haben Sie eine unruhige Nacht verlebt?

Keineswegs. Ich habe sehr gut geschlafen. Warum? Ich habe mit der Wahl Trumps gerechnet, sie befürchtet. Schon bei der Abstimmung zum Brexit sind die Vorhersagen nicht eingetroffen. Da habe ich Parallelen gezogen. Man überschätzt die Macht der Menschen in den Zentren. Dort tickt die Welt anders. Das hat London gezeigt, das zeigte nun unter anderem auch New York. Letztlich sind aber die vielen Stimmen im ländlichen Bereich ausschlaggebend gewesen.

Die Finanzmärkte haben umgehend negativ reagiert, die Verunsicherung scheint greifbar.

Nach den Einbrüchen in Mexiko oder auch Japan habe ich mit deutlich mehr Verlust beim DAX gerechnet. Der Abschlag ist aktuell mit weniger als einem Prozent nicht ungewöhnlich, sehr moderat. Womöglich lag es daran, dass zwischen Wahlergebnis und Börsenstart genug Zeit lag, die Informationen sacken zu lassen und zu überdenken.

Setzt Trump seine vielfach radikalen Wahlversprechen um, dann wird auch Deutschland Auswirkungen spüren. Die USA sind mittlerweile wichtigster Handelspartner mit großem Exportüberschuss…

Ganz sicher. Aber: Ich gehe davon aus, dass auch in diesem Fall nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Viele der ersten Aussagen sind sicher dem Wahlkampf geschuldet. Dennoch: Es gibt auch im Senat viele Mitglieder mit radikalen Ansichten. Und: Trump wird seine Wähler zufriedenstellen müssen. Vor allem die vielen frustrierten.

Der künftige Präsident hat angekündigt, dass er die USA nach außen in Teilen abschotten will, um die heimische Wirtschaft zu stärken. Insbesondere formulierte er Zölle in Richtung China. Wird auch TTIP nicht umsetzbar sein?

TTIP war vorher schon tot und wird nun wohl noch eher auf Eis gelegt werden. Das wird natürlich Europa mehr schmerzen als Amerika. Was die Restriktion von Handelsbeziehungen angeht, so denke ich, dass eine gewisse Abschottung zugunsten der mittleren USA - Stichwort Stahl- und Autoindustrie - kommen kann. Ob man sich das gegenüber weiteren starken Wirtschaftspartnern erlauben kann, bezweifle ich. Dafür denken und handeln auch die amerikanischen Großunternehmen zu global. Wir leben in einer vernetzten Welt mit gegenseitigen Abhängigkeiten. Auch in den USA gibt es eine funktionierende Demokratie, die Wirtschaft benötigt den Freihandel und wird weiter auf offene Märkte setzen.

Dennoch rechnen viele damit, dass das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren weniger stark ausfallen wird. Viele bringen sogar eine mögliche Rezession zeitnah ins Spiel. Halten Sie das für möglich?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es nicht immer nur in eine Richtung geht. Gewisse Konjunkturverläufe wiederholen sich und sind auch von anderen Faktoren beeinflusst. Das sehe ich gelassen. Aber eine Gefahr besteht sicher dann, wenn Trump tatsächlich 70 Prozent oder mehr seiner Versprechen umsetzt. Dann wird es auch Deutschland teuer zu stehen kommen.

Sie stehen als Vertreter der heimischen Unternehmerschaft in engem Kontakt mit den Unternehmen, die vielfach auch Wirtschaftsbeziehungen in die USA pflegen. Wie ist das Feedback?

Heute Morgen habe ich schon zwei Kontakte gehabt. Das Thema USA-Wahl kam dabei nicht zur Sprache. Auch im Vorfeld wurde kein dramatisches Szenario ausgemalt. Die Auslastung unserer Unternehmen ist aktuell gut. Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern, werden sich die Unternehmen diesen anpassen und optimierte Lösungen finden. Dafür sind sie flexibel genug. Unsere Unternehmen gehen diesbezüglich immer den pragmatischen Weg. Aber wie gesagt: Wir sollten die Ruhe bewahren und die weitere Entwicklung erst einmal abwarten. Für eine endgültige Beurteilung ist es noch viel zu früh.

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