Trübe Aussichten

Stadtlohn Sprosse um Sprosse steigt Taucher Hartmut Panzenhagen in das Becken hinab, gleitet immer tiefer in die modrige Brühe, bis die trübe Abwasserwelt ihn gänzlich verschlingt.

04.07.2008, 19:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Hartmut Panzenhagen auf Tauchstation.</p>

<p>Hartmut Panzenhagen auf Tauchstation.</p>

Vormittags musste noch das Rührwerk einer Biogasanlage in Schwerin in Gang gebracht werden. Nachmittags stehen Reparaturen in der Stadtlohner Kläranlage für das zweiköpfige Team von eurodiver24 aus dem schleswig-holsteinischen Bendorf auf dem Programm. Nicht nur in Deutschland, auch in Slowenien und Österreich ist die Spezialfirma seit zehn Jahren unterwegs.

Sechs Becken

Kontrolliert haben die Männer die sechs Becken bereits in der vergangenen Woche. Zentimeter für Zentimeter musste sich Hartmut Panzenhagen dafür vorantasten. Denn sehen kann er in der braunen Brühe nichts. Auf seine Fingerfertigkeit kann sich der 30-Jährige hundertprozentig verlassen. "Verlangt er unter Wasser nach einem 17er Schlüssel, ist das auch der benötigte", berichtet Abwassermeister Ewald Rathmer fasziniert. Zum ersten Mal sind die Taucher in der Kläranlage im Einsatz. Der große Vorteil gegenüber herkömmlichen Verfahren: "Wir müssen die Anlage nicht außer Betrieb nehmen und die Becken komplett entleeren, was hohe Kosten verursacht und einen enormen Arbeitsaufwand erfordert", so Rathmer. Große Schäden habe das Team bei seiner Spurensuche nicht gefunden, lediglich zwei Stativhalter der Rührwerke mussten repariert werden.

Jetzt müssen die Teile wieder eingesetzt werden. Bis auf Blubberbläschen ist von dem 30-Jährigen während seines Tauchgangs in den nächsten Minuten nichts zu sehen. Aber einiges zu hören: Quscheeee, quscheee bahnen sich Atemgeräusche aus der Tiefe über Lautsprecher den Wegs ins Freie. "Langsamer runter", dröhnt Panzenhagens Stimme. Und Einsatzleiter Claus Jürgen Voß gehorcht, lässt die Stange vorsichtig tiefer gleiten, damit sein Kollege sie wieder mit Schrauben befestigen kann.

Mulmiges Gefühl

Nach knapp zehn Minuten ist der Spuk vorbei. Kleine Wasserfontänen laufen an Panzenhagen herunter, als er aus der stinkenden Brühe steigt. "Gefährlich ist das schon", sagt er, als er wieder sprechen kann. Das Rührwerk könne angehen, Taucher könnten in ein Loch gezogen werden, beschreibt er die Gefahren, falls die Sicherheitsvorkehrungen nicht stimmten. Panzenhagen weist in Richtung des rund 20 Meter hohen, mit Schlamm gefüllten Faulturms. "Muss man da runter, wird einem schon mulmig. Aber nicht wegen der Tiefe, sondern wegen der dort herrschenden Hitze von knapp 38 Grad." kh

www.eurodiver24.com

<p>Ein eingespieltes Team: Nach dem Tauchgang stützt Einsatzleiter Claus Jürgen Voß seinen Kollegen Hartmut Panzenhagen beim Ausstieg aus dem Klärbecken. MLZ-Fotos (3) Herbers</p>

<p>Ein eingespieltes Team: Nach dem Tauchgang stützt Einsatzleiter Claus Jürgen Voß seinen Kollegen Hartmut Panzenhagen beim Ausstieg aus dem Klärbecken. MLZ-Fotos (3) Herbers</p>

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