Verfahren gegen Norbert Sass wegen umstrittener Krebstherapie liegt wegen Corona auf Eis

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Corona macht in vielen Fällen auch Justitia einen Strich durch die Rechnung. So ruht in Heilbronn der Prozess gegen Norbert Sass wegen einer umstrittenen Tumor-Therapie. Und nicht nur das.

Stadtlohn

, 23.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gehe zurück auf Los! So in etwa könnte man den aktuellen Stand des Verfahrens gegen Norbert Sass wegen Betrugs und anderer Tatvorwürfe beschreiben. Warum das so ist? Eigentlich sollte das Hauptverfahren vor dem Heilbronner Amtsgericht am Mittwoch dieser Woche in die entscheidende Phase gehen.

Richter hebt Termin auf

An diesem Tag sollten die Beweisanträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung zum Tragen kommen, also wichtige Zeugen gehört werden. Angesichts der zunehmenden Verschärfung der Corona-Krise aber wurde der Termin am Montagmittag aufgehoben. So kurzfristig, dass vom Verhandlungsort weit entfernt wohnenden Zeugen die „Abladung“ am Montagabend durch die örtliche Polizei zugestellt wurde.

Anders als sonst üblich, kann in diesem Fall aber nicht nach einem Alternativtermin in naher Zukunft gesucht werden. Schließlich ist auch für 7. April noch ein Fortsetzungstermin festgelegt. Zum jetzigen Zeitpunkt aber ist völlig unklar, wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt. Die Staatsanwaltschaft geht daher davon aus, dass Norbert Sass erst im Herbst wieder im Heilbronner Gericht erscheinen muss.

Alles wieder von vorne

Die Konsequenz wäre allerdings schwerwiegend: Nach dem aktuell gültigen Stand müsste dann nämlich die Hauptverhandlung wieder von vorne beginnen. Sollte es nicht zu einer Gesetzesänderung kommen. Das Bundesjustizministerin bereitet nämlich angesichts der Corona-Pandemie gerade eine Änderung der Strafprozessordnung vor, die Gerichten eine Unterbrechung der Hauptverhandlung im Strafverfahren für maximal drei Monate und zehn Tage erlauben soll.

Zeugen sollen Klarheit bringen

Wie berichtet soll in dem Verfahren geklärt werden, ob Norbert Sass, der für sich einen Doktortitel beansprucht, aber dafür noch keine Belege vorbringen konnte, beim Einsatz einer nicht zugelassenen Tumortherapie gegen geltendes Recht verstoßen hat. Ihm wird zu Last gelegt, schwerst an Krebs erkrankten Patienten die Heilung durch Exosome (Stammzellen) versprochen und sie gegen die Zahlung eines hohen 5-stelligen Honorars auch angewandt zu haben. Drei der Behandelten sind verstorben.

Die Verteidigung dagegen will das Gericht von der Wirksamkeit der Sass-Methode überzeugen. So haben Zeugen sich positiv geäußert und Norbert Sass als ihren Retter gelobt. Zudem wollte die Verteidigung per Beweisantrag einen Sachverständigen als wissenschaftlichen Zeugen für die Seriosität der Exosomen-Therapie hören.

Sechs Monate hatte Norbert Sass in Untersuchungshaft verbracht. Mit Blick auf seine angeschlagenen Gesundheit ist der Haftbefehl aber ausgesetzt.

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