Viele Wege zur Kunst

Facettenreiche Ausstellung

„Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ Hätte Pablo Picasso je Stadtlohn besucht und wäre dort auf die beiden Brüder Wilm und Alex Böing getroffen, wäre davon auszugehen, dass er sich auf die Lebensweg dieser beiden Künstler mit seiner Aussage bezieht.

STADTLOHN

von von Denise Perrevort-Elkemann

, 24.11.2013, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Vielfalt zeigt, wie wichtig den beiden gebürtigen Stadtlohner Brüdern ihre Kunst war, und umso interessanter ist die Tatsache, wie unterschiedlich sie ihre Kunst gelebt haben. Beide hatten schon früh den Drang gespürt, sich künstlerisch auszudrücken. Doch ihr Umfeld stand diesem Ansinnen mehr als konträr gegenüber. Sie entstammten einer Handwerkerfamilie, in der es weder Zeit noch Muße für die „große Kunst“ geben konnte. „Wilms Lehrer in der Volksschule hatte schon früh sein Talent erkannt“, wusste Rolf Wähning in seinen einführenden Worten zu berichten, „doch sein Vater schickte ihn in die Weberei.“ Dann schließlich ließ sich der Vater zu einem Zugeständnis erweichen, Wim durfte eine Lehre bei einem Holzschnitzer machen, besuchte nach dem Krieg eine Kunstschule, gefolgt von einem Studium. Für ihn war klar: Kunst ist mein Lebensweg. Und der Lebensweg glückte, denn er lebte seine Kunst, bekam Auftrage von Kirchen, Klöstern und privaten Auftraggebern, bis er im Jahr 1981 an den Folgen einer schweren Erkrankung starb. Sein Bruder ging einen ganz anderen Weg, die Kunst war bis zu seiner Pensionierung geliebtes Hobby, diente aber nicht dem Broterwerb. „Alex arbeitete als Kaufmann, technischer Zeichner und vieles mehr“, so Wähning, „erst im Ruhestand ab 1986 widmete er sich seiner Leidenschaft ganz und gar.“

Trotz der völlig unterschiedlichen Wege zur Kunst stehen sich die beiden in ihrem Können in nichts nach. Wilms Skulpturen sind ebenso facettenreich wie die Malerei seines Bruders. Beide verfügten über die Gabe, sowohl charakteristische Abbilder ihrer Mitmenschen zu fertigen als auch abstrahierte beziehungsweise stilisierte Bildnisse. Beide widmeten sich den profanen ebenso wie den religiösen Themen. Nicht nur Bürgermeister Helmut Könning betonte, wie froh er sei, diese Werkschau präsentieren zu können. Auch die Vielzahl an Besuchern belegt, wie groß und vor allem berechtigt das Interesse an der Kunst der beiden Brüder ist. 

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