Vom Eismann bis zum Radfahrer: So unterschiedlich bewerten Stadtlohner das heiße Wetter

rnHitze in Stadtlohn

Heiße Temperaturen polarisieren. Die einen lieben es, wenn die 30-Grad-Marke geknackt wird, die anderen verfluchen es. Wir haben uns in Stadtlohn umgehört.

Stadtlohn

, 18.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Bereits um 11 Uhr kratzte am Dienstag in Stadtlohn das Thermometer an der ominösen 30-Grad-Grenze. Und es war wie in jedem Jahr. Während die einen das Wetter verfluchten, konnten die anderen von der Sonne gar nicht genug bekommen. „Für mich hört der Spaß mit 25 Grad auf. Ich verstehe nicht, wie man es genießen kann, zu schwitzen, sobald man einen Fuß vor die Tür setzt“, sagt Rupert Kruse, während er sich mit einem Stofftaschentuch die Schweißperlen von der Stirn wischt.

Er ist einer der wenigen Stadtlohner, die an diesem Mittag in der Stadtlohner Innenstadt unterwegs sind. Die meisten wirken gehetzt. „Ich bin einfach kein Warm-Wetter-Typ“, sagt ein junger rothaariger Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, im Vorbeigehen.

Männer-Truppe genießt die Sonne

Richard Veldscholten kann darüber nur schmunzeln. Er sitzt gemütlich auf einer Bank vor der St.-Otger-Kirche, dreht sich eine Zigarette, und wendet sein Gesicht in Richtung Sonne. Neben seinem E-Bike sitzend, wartet er auf seine fünf Kollegen. „Wir treffen uns jeden Dienstag um 13 Uhr für eine Fahrradtour“, erklärt er. Und tatsächlich. Nach und nach trifft der Rest der Truppe ein.

Vom Eismann bis zum Radfahrer: So unterschiedlich bewerten Stadtlohner das heiße Wetter

Die Männer-Gruppe trifft sich jeden Dienstag auf dem Marktplatz, um von dort aus eine Fahrradtour zu starten. © Johannes Schmittmann

Um kurz vor 13 Uhr ist man vollzählig. Pünktlichkeit ist hier ein hohes Gut. Und wohin geht‘s? „Meistens nach Holland. Oder muss man mittlerweile sagen ‚Niederlande‘?“, sagt Alfred Horstmöller und lacht. 60 Kilometer sollen es trotz der hohen Temperaturen auch an diesem Tag werden. „Das hat sich so eingependelt. Das Wetter ist klasse. Aber außer bei strömendem Regen fahren wir sowieso immer“, erklärt Veldscholten. Dann schwingen sich die sechs Männer auch schon auf ihre motorisierten Fahrräder.

Gute Laune und voll besetzte Tische beim Café Auszeit

Ähnlich gute Laune wie bei der Herren-Gruppe herrscht auch im Café Auszeit. Die Tische im Außenbereich sind fast voll besetzt. Einige nehmen sich hier ihre Mittagspause, eine Gruppe Radfahrer genießt im Schatten ihr Pausen-Bier. Inhaber Chrysovalantis Manoloudas sieht man die gute Laune trotz des laufenden Betriebes an: „Klar, das gute Wetter wirkt sich gut auf das Geschäft aus. Schon das Wochenende war top.“

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Das Café Auszeit war am Dienstagmittag gut besucht. © Johannes Schmittmann

Mit etwas gemischten Gefühlen blickt Luca Beer zum Himmel. Der Besitzer der Eiscafés Pinocchio erklärt: „Bis 27 Grad ist das Wetter gut für Eisdielen. Danach gehen die Leute eher ins Schwimmbad.“ Dennoch kann auch er an diesem Tag nicht über fehlende Kundschaft klagen. Vor allem eine Eissorte ist an diesen Tagen besonders gefragt: Spaghetto. Der Klassiker „Spaghettieis“ wird hier zur Kugel geformt. „Es enthält die gleichen Zutaten: Erdbeerpüree, Vanilleeis und Streusel“, so Luca Beer.

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Luca Beer, Inhaber des Eiscafés Pinocchio, hatte am Dienstag gut zu tun. © Johannes Schmittmann

Er weiß, dass es trotz des aktuellen Hochs schwierig wird, das Ergebnis des Vorjahres zu toppen: „2018 hatten wir im März und April sehr starke Monate. Das fehlt dieses Jahr.“ Grund zum Verzagen sieht er aber nicht. „Wir sind seit über 30 Jahren in Stadtlohn und irgendwann kam der Sommer immer. Man hat gelernt, mit den Launen des Wetters zu leben.“

Andrang im Schwimmbad noch verhalten

Nach Luca Beers Theorie müsste das Stadtlohner Freibad am Dienstag aus allen Nähten platzen. Doch am Mittag ist der Andrang noch verhalten. „Hier zieht es sich auch ein bisschen zu. Vielleicht schreckt das die Leute ab“, erklärt Schwimmmeister Christian Terhechte am Telefon. „Am Wochenende war es aber sehr, sehr voll.“ Er beobachte allgemein, dass die Stadtlohner das neue Freibad deutlich besser annähmen, als das alte. Wie zum Beweis füllt sich das Schwimmbad am Nachmittag minütlich.

Vor einem Jahr mussten die SVS-Versorgungsbetriebe an die Bürger appellieren, nach anhaltender Dürre auf das Rasensprengen zu verzichten. So weit ist es aktuell noch nicht. „Die Grundwasserstände sind nicht so hoch, aber für Gärten sehe ich derzeit kein Problem. Es sollte dennoch immer daran gedacht werden, dass Wasser ein Lebensmittel ist. Und mit Lebensmitteln sollte man nie verschwenderisch umgehen“, so Thomas Spieß, Geschäftsführer der SVS-Versorgungsbetriebe. Ganz Profi blickt er auch schon auf den Donnerstag: „Da sind ja schon wieder Regen und Gewitter angesagt.“

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