Von der Kiefer zur Eiche

Christina Frost ist neue Revierförsterin

Pointermix Wanda stöbert mit der Nase aufgeregt durch das braune Laub am Boden, Christina Frost lässt ihren Blick zufrieden durch die grünen Wipfel schweifen. Freude herrscht an beiden Enden der Hundeleine: Ein Jahr Innendienst ist endlich vorüber. Christina Frost ist die neue Revierförsterin im Forstbetriebsbezirk Stadtlohn, der auch Vreden und Ahaus umfasst.

STADTLOHN

, 28.08.2017, 18:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die neue Revierförsterin Christina Frost mit ihrer Hündin Wanda

Die neue Revierförsterin Christina Frost mit ihrer Hündin Wanda

Wenn die 28-Jährige die Stationen ihres bisherigen Berufslebens aufzählt, ist hin und wieder noch ein „Ick“ zu erahnen. Das Kennzeichen UM an ihrem roten Kleinwagen verrät warum: Aufgewachsen ist Christina Frost im brandburgischen Landkreis Uckermark. Dort hat sie die Liebe zur Natur entdeckt. „Mein Opa hatte einen kleinen Hof mit Gänsen, Enten und allem was dazu gehört. Und einen Wald.“

Nach dem Abitur absolvierte sie eine Lehre zur Forstwirtin. „Das war mir aber nicht genug. Ich habe schnell gemerkt, dass die Aufgaben des Försters viel spannender und breiter gefächert sind: die Arbeit draußen im Wald, die Entscheidungen, wie sich der Wald in Zukunft weiterentwickeln soll, der Kontakt mit den Waldbesitzern, mit Schulklassen…“

Von Berlin ins Münsterland

Christina Frost studierte Forstwirtschaft in Freiburg inklusive einem Auslandssemester in den Niederlanden. Als Umwelt- und zertifizierte Waldpädagogin folgten erste berufliche Schritte in Berlin und Potsdam, dann der Umzug nach Münster. „Dort hat mein Freund ein Studienplatz bekommen. Es war ein wirklicher Glücksfall, dass ich eine Stelle im Forstamt in Münster bekam. Ich wollte ja gerne wieder in die Nähe niederländische Grenze zurück.“ Ihr erstes Revier im Westmünsterland macht ihr Glück perfekt. Inzwischen liegen Christina Frost die münsterländischen Eichen und Buchen mehr am Herzen als die Kiefernwälder in ihrer Heimat. „Ich bin richtig beeindruckt von der langen Geschichte der Wälder hier im Münsterland. Es gibt hier Bauern, die seit Jahrhunderten einen Wald bewirtschaften. Ich spüre in Gesprächen, dass der Wald den Eigentümern ein Herzensanliegen ist.“

Christina Frost zeigt auf eine 160 Jahre alte Eiche die ein weißes Band trägt, eine Art Prädikat: Der Baum ist besonders gerade gewachsen, hat im unteren Stammbereich kaum Äste. „Der Eichenpreis ist gut, Eichenmöbel liegen gerade voll im Trend. Mit dem Baum lässt sich gutes Geld verdienen.“ Und doch gibt es hier Waldbesitzer, die davor zurückscheuen, einen solchen Baum zu fällen. Frost: „Die Waldbesitzer denken eben nicht nur finanziell. Andere Werte wie Tradition und Naturschutz spielen eine große Rolle.“

Vertrauenssache

Als Försterin will Christina Frost vieles unter einen Hut bringen: „Wir sind vor allem Waldberater. Wir zeigen, was wirtschaftlich ist und wie sich der Wald ökologisch weiter entwickeln kann. Die Entscheidungen trifft am Ende aber der Waldbesitzer.“ Zu denen möchte sie ein gutes Verhältnis pflegen. Ein Förster muss etwas von Bäumen verstehen. „Aber mindestens so wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Menschen“, sagt Christina Frost. Genau das ist der Grund, warum sie ihren Beruf liebt. „Nicht alle Waldbesitzer haben die gleichen Ziele“, sagt sie. Darauf muss ich eingehen. Die Betreuung des Waldes ist eine echte Vertrauenssache.“

Im Moment pendelt Christina Frost noch zwischen ihrem Forstbüro in Münster und der Arbeit im Revier. In der nächsten Woche tauscht sie dafür auch ihren roten Kleinwagen gegen einen standesgemäßen, geländegängigen Dienstwagen ein. „Wir suchen jetzt eine Wohnung mit Platz für ein Büro, die näher am Revier liegt“, sagt sie. Christina Frost würde gerne heimisch im Münsterland werden. Sie mag die Menschen und die Wälder hier. Und sie weiß, dass sie die Früchte ihre Arbeit erst nach Jahrzehnten erkennbar sind: Wenn sich die Wälder gesund und vielfältig entwickelt haben werden. Vielfalt, so Christina Frost, sei die Antwort auf den Klimawandel. So könne das Risiko gestreut werden. Christina Frost blickt wieder in die Wipfel: „So wie hier ist es gut: ein mehrschichtiger Wald mit Eichen, Buchen und anderen Baumarten.“

Waldgenuss im Urlaub

Kann eine Försterin eigentlich in ihrer Freizeit noch einen Waldspaziergang genießen? Christina Frost lacht. „Na klar. Ich war in diesem Jahr mit meinem Freund im Harz wandern, und das war sehr erholsam.“ „Obwohl“, so gesteht sie, „der fachliche Blick nach oben lässt sich nie so ganz abstellen.“ Nur Wanda hat damit kein Problem. Sie steckt die Nase wieder in den weichen Waldboden.

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