Waldbesitzer: Schmuckgrün-Diebe im Bockwinkel werden immer dreister

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Nach Naturkatastrophen leidet der Bockwinkel aktuell vor allem unter„kreativen“ Besuchern. Viele Nadelbäume sterben durch das illegale Abschneiden von Zweigen für Deko-Zwecke.

von Christin Lesker

Stadtlohn

, 06.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Stürme, Dürreperioden und Fichten-Borkenkäfer. Der deutsche Wald muss in letzter Zeit viel mitmachen. Das schwächt den Wald und belastet die Waldbauern. Besonders in der Vorweihnachtszeit ärgert sich Heinrich Bockwinkel, Besitzer des Bockwinkels in Stadtlohn, zudem über ein ganz anderes Problem.

„Besucher klauen wannenweise Tannengrün und Moos aus unserem Wald“, erklärt der Waldbauer. „Das Problem gibt‘s jedes Jahr, aber es wird immer schlimmer“.

„Alle reden übers Waldsterben, trotzdem nehmen sie den Bäumen das Leben“, macht seine Zwillingsschwester Andrea Rabe-Bockwinkel klar. „Wenn ich jemanden erwische und frage, was der Diebstahl soll, dann werde ich meistens angegangen. Man begegnet mir mit Unverständnis und ohne Respekt."

Bäume sterben durch Verstümmelung

Wer mit offenen Augen durch den Wald geht sieht überall verstümmelte Tannen. Vor allem Triebe und Köpfe werden aus den Nadelbäumen geschnitten.

„Wenn ein Baum so verstümmelt wird, ist es mit dem Wachstum vorbei“, macht Heiner Bockwinkel klar.

Der Wald des Stadtlohners ist 56 Hektar groß und komplett mit Wegen durchzogen. Damit ist der gesamte Wald für Besucher zugänglich und von der Zerstörung betroffen. „In der Adventszeit gehen wir selbst nicht mehr im Wald spazieren. Wir ärgern uns nur“, sagt Andrea Rabe-Bockwinkel. Der Bockwinkel ist für die 52-Jährige auch Jagd-Revier.

Andrea Rabe-Bockwinkel macht klar: „Ein Baum braucht seine Zweige und das Grün zum Atmen und Leben. Nimmt man ihm das, stirbt er“.

3700 neue Bäume gepflanzt

Sturm Friederike hinterließ Anfang 2018 600 Festmeter Sturmholz im Bockwinkel. „Durch die Holzflut sind die Holzpreise extrem niedrig. Davon konnten wir nicht einmal die Aufforstung decken“, erklärt Andrea Rabe-Bockwinkel. Damit der Wald wieder „ein Gesicht“ bekommt, wurden rund 3700 neue Bäume, hauptsächlich Douglasien, gepflanzt.

Jeder Baum hat die Familie gut zwei Euro gekostet. Wegen ihrer Größe und der weichen Zweige sind besonders diese neu gepflanzten Jungbäume bei den Schmuckgründieben von Interesse.

Oft ist durch die Beschädigung wie Schnitt oder das Einschlagen von Nägeln die Wirtschaftlichkeit des Baumes nicht mehr gegeben. Wer beim Schneiden erwischt wird, kann deshalb zur Kasse gebeten werden.

Moos hoch im Kurs

„Basteln und Deko selber machen liegt im Trend“, stellt Andrea Rabe-Bockwinkel fest, „alles, was zum kreativen Arbeiten genutzt werden kann, wird aus dem Wald geholt“.

Neben dem Tannengrün, wird auch in großen Massen Moos aus dem Wald geklaut. „Nach trockenen Sommern wie diesem, ist das Moos besonders schön“, weiß Andrea Rabe-Bockwinkel.

Moos ist die Kinderwiege für Sämlinge

„Viele kriechen abseits der Wege in den Dichtungen und Schonungen unter die Tannen, um sich Moos zu besorgen“. Das störe zum einen das Wild , zum anderen, werde dem Wald mit dem Moos eine wichtige Lebensgrundlage genommen.

„Moos beschattet den Boden. In ihm überwintern viele Käfer und andere Bodenlebewesen“, erklärt die Jägerin, „außerdem ist er die Kinderwiege für die Sämlinge, die aus den Tannenzapfen auf den Boden fallen und zu neuen Bäumen heranwachsen“.

Wald für alle?

Der Wald ist Ort der Ruhe und Erholung für alle. Diese Ansicht teilt auch Andrea Rabe-Bockwinkel. „Vor allem aber ist der Wald, Lebensraum für Tiere und Pflanzen“, macht sie klar, „und es ist eben kein Stadtwald, sondern unser. Das wird schnell vergessen“.

Was Heinrich Bockwinkel stört, ist das ungefragte Diebstahl. „Es ist gar kein Problem, wenn Leute mich vorher fragen, dann zeige ich ihnen Stellen, an denen sie etwas schneiden können“, bietet der 52-Jährige wohlwollend an.

Wege gegen das Waldsterben

Regelmäßig veranstaltet Andrea Rabe-Bockwinkel mit Kindern und Kindergärten Waldgänge. Dort erklärt sie, dass der Wald „das Wohnzimmer des Wildes“ ist, dass man sich deshalb leise verhält und auf den Wegen bleibt. Käfer werden in Lupengläsern mit großen Augen begutachtet und danach wieder frei gelassen. „Kinder sind leicht für den Wald zu begeistern. Sie verstehen sehr schnell, wie man sich verhält“. Das lässt die 52-Jährige hoffen. „Ich wünsche mir, dass die Kinder ein Gefühl für den Umgang mit Natur bekommen und später nicht so respektlos mit dem Wald umgehen“.

Allen anderen möchte sie eins mit auf den Weg geben: „Waldschutz fängt vor der eigenen Haustür an“.

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