Warum ein goldenes Urinal auf dem Stadtlohner Marktplatz Kunst ist

rnKunststation Stadtlohn

Für die Kunststation Stadtlohn hat Thomas Klegin ein goldenes Urinal gestaltet. Damit will er nicht nur irritieren. Bei der Brunnenplastik hat sich der Künstler durchaus was gedacht.

Stadtlohn

, 21.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein goldenes Urinal steht auf dem Stadtlohner Marktplatz, direkt neben den Tischen, an denen Kuchen und Abendessen serviert wird. „Das wirkt vielleicht befremdlich, aber ich habe mir durchaus etwas dabei gedacht“, sagt Künstler Thomas Klegin. Er hat die Brunnenplastik mit dem Namen „Fontaine Stadtlohn“ für die Kunststation Stadtlohn kreiert.

Die Idee dazu kam dem Künstler aus Schwerte bei einem Rundgang durch Stadtlohn. Dabei ist ihm aufgefallen, dass es viele Brunnen im Stadtgebiet gibt. „Früher hatten Brunnen die Funktion, Wasser zu spenden. Heute sind sie Kunstobjekte. Das fand ich beinahe irritierend, aber auch spannend“, so Klegin.

Warum ein goldenes Urinal auf dem Stadtlohner Marktplatz Kunst ist

Künstler Thomas Klegin hat sich bei dem Kunstwerk durchaus was gedacht. © Privat

Der zweite Teil der Idee entstand, als Thomas Klegin auf der Suche nach einer öffentlichen Toilette war. Er fand sie am Rathaus. „Aber die waren alles andere als... naja, Sie wissen schon.“ Auch dieses Stadtlohner Thema wollte er in seinem Kunstwerk aufgreifen.

Berühmte Vorbilder für Urinal-Kunstwerk

Bei seinen Recherchen stieß Thomas Klegin auf das Werk „Fontaine“ von Marcel Duchamp. Dabei handelt es sich um ein liegendes Urinal. Durch diese Ausrichtung wird es seiner eigentlichen Funktion beraubt. Weitere Recherchen betrieb Thomas Klegin zum Thema Brunnen. Unter anderem der Trevi-Brunnen in Rom mit seiner Funktion als Wunschbrunnen faszinierte ihn.

Zur Person

  • Thomas Klegin ist 1961 in Bochum geboren und wohnt und arbeitet jetzt in Schwerte.
  • Er hat seine Werke schon in der Villa Aurora in Los Angeles, in der Galerie Voss in Dortmund oder im Schloss Ringenberg in Hamminkeln ausgestellt.
  • 1994 hat er das Graduiertenstipendium des Landes NRW bekommen, 1997 den ORDO-Förderpreis für bildende Kunst und 1998 den Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstler.

Also besorgte er sich ein Urinal aus Bad Bentheim und ließ es mit einem Speziallack goldfarben lackieren. Dann beraubte er die Toilette ihrer Funktion, indem er die Öffnungen verschloss. Stattdessen befinden sich dort nun Münzeinwurfschlitze.

Gesammeltes Geld geht an karitative Einrichtungen

Auf das Urinal setzte er eine Art Teller mit einer magnetischen Säule. „Die Betrachter können Münzen hochwerfen. Ein- und Zwei-Euro-Münzen bleiben an der Säule hängen, der Rest fällt in die Schale“, erklärt Thomas Klegin das Prinzip. Das Geld, das in oder an der Skulptur landet, will der Künstler nach Abschluss der Aktion an karitative Einrichtungen in Stadtlohn übergeben.

Warum ein goldenes Urinal auf dem Stadtlohner Marktplatz Kunst ist

In die Schale auf dem Urinal können die Betrachter Geldmünzen werfen. © Privat

Das setzt aber voraus, dass die Brunnenplastik nicht ein weiteres Mal aufgebrochen wird. Zweimal kam es laut Thomas Klegin schon zu Vandalismus an dem Kunstwerk, dabei „wurde auch etwas entwendet“. Er hat Anzeige erstattet, genau wie die Stadt Stadtlohn.

Kritische Stimmen, aber auch positive Reaktionen

Dass sein Kunstwerk durchaus für kritische Stimmen sorgt, findet er nicht schlimm. Mit einem Aufschrei hat er durchaus gerechnet. „Ich will mich ja nicht blamieren, ich habe durchaus einen Ruf zu verlieren. Sicherlich wird das diskutiert, aber ich habe beim Aufbau auch viele positive Reaktionen bekommen“, sagt Thomas Klegin.

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