Warum Steinbach in Stadtlohn aus zwei Möbelhäusern eines macht

rnMöbel Steinbach

Rote Fahnen flattern vor den beiden Möbelhäusern Steinbach an Burgstraße und Mühlenstraße und künden vom Räumungsverkauf. Dicht macht das Familienunternehmen aber nicht. Es gibt viele Pläne.

Stadtlohn

, 23.10.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aus 2 Häusern wird 1!: Diese Botschaft ist Möbel Steinbach ein Ausrufezeichen wert. Wenn bald das Haus an der Burgstraße schließt, will sich das Familienunternehmen an der Mühlenstraße, also an ihrem Traditionsstandort, für die Zukunft aufstellen. Für den Standort Burgstraße werden auch schon Pläne entwickelt.

Seit 1999 ist Steinbach an der Mühlenstraße 75-91 und bietet auf vier Ebenen alles rund ums Thema Wohnen an. Demnächst werden die Themen Schlafen und Küche dazukommen. Der Räumungsverkauf läuft. Wie er sich entwickelt, entscheidet, wann das Haus an der Burgstraße endgültig schließt. Sukzessive werden freie Flächen im Haus an der Mühlenstraße umgewandelt.

Alle Mitarbeiter bleiben

Alle Mitarbeiter, und das sind mehr als 40, werden weiter beschäftigt, so Jan-Peter Grewing als geschäftsführender Gesellschafter. Auch die Verwaltung wird an die Mühlenstraße wechseln.

Warum Steinbach in Stadtlohn aus zwei Möbelhäusern eines macht

Der Steinbach-Standort an der Burgstraße wird aufgegeben. © Ronny von Wangenheim

Jahrelang war es richtig, so Grewing, „den Wachstumstreiber zu bedienen.“ Und auch die zwei Standorte seien richtig gewesen. Inzwischen aber, so sagt es Grewing als dritte Generation des Familienbetriebs, wollen Kunden etwas anderes. „Sie wollen keine riesigen Einrichtungszentren und keine Dezentralität, sondern wollen Menschen begegnen, sie wollen das Individuelle spüren.“

Zustimmung dafür hat Jan-Peter Grewing, wie er erzählt, von vielen Stammkunden erhalten, die zu verkaufsoffenen Sonntagen eingeladen wurden.

„Made in Germany“

Einiges wird sich ändern. Ein Beispiel: „Wir werden nicht mehr 40 Küchen zeigen, sondern die, die up to date sind“, sagt Jan-Peter Grewing. Modern und klassisch wird beides zum Zuge kommen.

Bei den Möbeln will Steinbach noch mehr auf das Konzept „Made in Germany“ setzen und neben großen Marken auch kleinere Manufakturen vorstellen. Dazu könnten auch Firmen gehören, die Tiny-House-Konzepte umsetzen.

Warum Steinbach in Stadtlohn aus zwei Möbelhäusern eines macht

Steinbach macht aus zwei Häusern eines und konzentriert jetzt alle Abteilungen im Haus an der Mühlenstraße. © Ronny von Wangenheim

„Wir bleiben weiter Hülsta-Partner“, stellt Jan-Peter Grewing aber auch klar. Und außerdem will man als Einrichtungshaus auch mehr beim Kunden sein, sprich im häuslichen Umfeld das neue Schlafzimmer, die neue Wohnzimmerecke besprechen.

Ikea kann ein Vorbild sein – aber nicht immer

Im Haus an der Mühlenstraße werden „Einrichtungswelten in Studios“ geschaffen, also Blicke erlaubt in mögliche Zimmereinrichtungen. Ikea, so gibt der Stadtlohner lächelnd zu, sei da durchaus ein gutes Vorbild, wie man dem Kunden begegnen solle. Nur bei der Qualität, auch das muss er natürlich loswerden, da hebe man sich von dem schwedischen Einrichtungskonzern ab. Zielgruppe ist weiter der „reifere Erwachsene“.

Ein wichtiges Stichwort für Jan-Peter Grewing ist „Third Place“. Das Möbelhaus soll ein Ort der Begegnung werden. Das fängt mit der Lobby an, wo „Menschen auch einfach mal nur auf einen Kaffee vorbeikommen können“. Allzu viel will er eigentlich nicht von den Plänen verraten. Dann erzählt er doch. Von Whisky- oder Gin-Tasting, Handlettering-Kurs, einem Modeauftritt oder dem Oldtimer mitten zwischen den Möbeln. Und ein paar andere Überraschungen hat er auch noch in petto.

Kein Abriss an der Burgstraße

Und was passiert mit dem Haus an der Burgstraße? Abriss vielleicht? Jan-Peter Grewing reißt entsetzt die Augen auf. Nein, auf keinen Fall. Schließlich wurde erst vor sechs Jahren mit einer großen Investition das Haus erweitert und umgebaut. Damals, so erinnert Grewing, sah das Familienunternehmen noch seine Zukunft an der Burgstraße. Die Anbindung an die Stadt, die Entwicklung des Umfelds – das waren damals alles wichtige Punkte.

Was genau an der Burgstraße entstehen wird, will und kann Jan-Peter Grewing noch nicht sagen. Eins steht für ihn fest: „Es wird keinen Leerstand geben.“ Zurzeit werden viele Gespräche geführt, auch mit dem City-Manager in Stadtlohn. Hier dürfen nur nicht-innenstadtrelevante Waren angeboten werden. Ein Drogeriemarkt ist also ausgeschlossen.

Querdenken ist gefragt

Auf jeden Fall handele es sich um eine Filetlage, die auch für die Innenstadt Synergieeffekte beinhalte. Grewing spricht von einer Herzensangelegenheit. „Innovationskraft entwickelt sich durch Querdenken“, sagt er und wirft gleich mal eine Idee in den Raum. „Ein Möbelmuseum für die Möbelstadt Stadtlohn“. Wie ernst er das meint, lässt sich seiner Miene nicht ablesen. Auf jeden Fall betont er: „Wir sind auch offen für Ideen.“

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