Wechseljahre einer Bücherei

Serie 150 Jahre

Die Stadtlohner Bücherei hat in den 150 Jahren ihres Bestehens einige Höhen und Tiefen erlebt. Heute bietet sie Bücher und digitale Medien am nunmehr siebten dokumentierten Standort an. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bücherei zerstört und der Bestand vollständig vernichtet. Doch der Reihe nach.

STADTLOHN

, 19.07.2015, 21:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als offizielles Gründungsjahr der Katholischen Pfarrbücherei gilt das Jahr 1865. Dies bestätigt ein Schreiben von der Zentralstelle des Borromäusvereins in Bonn aus dem Jahr 1949. Wo sich in den ersten Jahren die Räume befunden haben, ist nicht dokumentiert. 1893 war die Bücherei im alten Reckerschen Haus - später Haus Bockhoff -in der Mühlenstraße untergebracht. Aus dieser Zeit gibt es nur wenig Dokumente, die über den Bestand oder Mitglieder Auskunft geben.

Im Jahr 1911 zog die Bücherei in die alte Schule hinter der Kirche, bis schließlich 1945 das Schulgebäude einschließlich Bücherei zerstört wurde. Zuvor hatten die Nazis im Jahr 1940 bereits einen großen Teil des Bestandes entfernen lassen. Nur Bücher mit religiösen Schriften oder von katholischen Schriftstellern durften im Bestand bleiben.

1948 startete die Bücherei schließlich mit einem geringen Bestand an Büchern zunächst auf dem Dachboden der Hilgenbergschule und zog noch im gleichen Jahr in den Bühnenkeller der damaligen Turn- und Schützenhalle, der heutigen Stadthalle. Da Bücher nach dem Krieg das Dreifache kosteten, war es nur langsam möglich, den Bestand an Schöner Literatur - Romane, Reiseberichte, Kriminal- und Abenteuergeschichten - und rein belehrenden Bänden sowie eine Jugendbücherei wieder aufzubauen.

Eigenes Gebäude

Kurze Zeit später folgte 1950 der Umzug an die Dufkampstraße ins Haus Wolters. Dort mussten die Ausleiher sich noch mit dem Büchereipersonal beraten, was denn die richtige Lektüre für sie sei, denn zu damaliger Zeit war es noch nicht üblich, dass der Leser selbst durch die Bücherregale gehen durfte. Man bekam sein Buch über die Theke.

Das änderte sich grundlegend im Jahr 1959. Erstmals gab es ein eigenes Büchereigebäude am Kirchplatz 2 (heute Markt 2a), das vom Architekten Heinrich Frericks entworfen wurde. Hier konnten die Besucher erstmals in der sogenannten Freihandaufstellung durch die Regalreihen gehen und sich selbst das passende Buch aussuchen.

Einmalige Zusammenarbeit

1976 schlossen die Kirchengemeinden St. Otger und St. Joseph einen Büchereivertrag mit der Stadt Stadtlohn und aus der Borromäusbücherei wurde bis heute die Öffentliche Bücherei St. Otger. Sie erhielt mit Ursula Flück die erste hautptamtliche Leiterin. 1980 wurde der Vertrag mit der Kirchengemeinde Südlohn-Oeding und der Gemeinde Südlohn erweitert - bis heute einmalig im Bistum Münster, dass drei Kirchengemeinden und zwei politische Gemeinden eine Bücherei gemeinsam betreiben.

Umzug in Kindergarten

1981 folgte schließlich der Umzug in das heutige Gebäude an der Dufkampstraße, dem ehemaligen Kindergarten St. Otger II. Gleichzeitig kam Rita Berger als zweite hauptamtliche Kraft hinzu. 1988 erfolgte die Erweiterung, in der heute die Romane zu finden sind. 1997 hat Stefanie Kastner die Leitung der Bücherei übernommen. 1999 gab es eine umfassende Renovierung: Regale wurden erneutert, die Beleuchtung verbessert und ein neuer Teppich verlegt.

Nachdem die Ausleihe im Jahr 2003 auf Computer umgestellt wurde, übernahm Daniela Kies die Leitung der Bücherei - und das bis heute. 2006 erfolgte eine Neugestaltung des Büchereivorplatzes und im Jubiläumsjahr 2015 steht wieder eine Renovierung an. Neben der Beleuchtung sollen diesmal auch die Fenster und Sanitärräume saniert werden.

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