Weihnachtswunschhütte musste abgebaut werden

Nachbarn sind enttäuscht

Friedliche Adventszeit, überall, in jeder noch so kleinen Hütte. Schön wär's. In Stadtlohn ist eine Nachbarschaft gerade sehr enttäuscht, weil sie eine Hütte abbauen musste, die doch nur einem guten Zweck diente.

STADTLOHN

08.12.2015, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Weihnachtswunschhütte musste abgebaut werden

Mit dem Akkuschrauber bauten die Anwohner die Hütte wieder auseinander.

Später Montagnachmittag in der Fliednerstraße: Männer, Frauen, auch Kinder packen mit an. Sie bauen jede Menge Kaminholz ab, legen Scheit für Scheit in Schubkarren. Männer im Blaumann schrauben Lattengerüste auseinander, der Akkubohrer brummt.

Es geht zack-zack. Der Arbeitseinsatz dauert keine Stunde, dann ist sie verschwunden: Die kleine Holzhütte, für deren Aufbau sich mehrere Dutzend Nachbarn aus Fliednerstraße, Fröbelring, Overbergstraße und Gescher-Dyk über Wochen ins Zeug gelegt haben.

Spende fürs Tischlein

"Unsere Weihnachtswunschhütte", sagt Anwohnerin Conny Kölker. In der adventlich gestalteten Hütte haben sie und ihre Nachbarn am Sonntag kostenlos Glühwein und selbst gebackene Plätzchen angeboten, 200, vielleicht auch 250 Leute kamen - und spendeten.

"Der Erlös soll vollständig dem Verein Tischlein deck dich zugutekommen", erläutert Kölker. 1500 Euro kamen zusammen. Vor zwei Jahren stand die Weihnachtswunschhütte schon einmal an selber Stelle: 1000 Euro für den Verein Herzenswünsche wurden damals gespendet.

Bis Anfang Januar sollte die Hütte eigentlich noch stehen. Für gesellige Zusammenkünfte der Nachbarn, als Anlaufstation für Ausflüge von Kindergärten. Doch daraus wurde nichts: Ein unbekannter Nachbar hatte sich beim Ordnungsamt beschwert. Die Hütte behindere seine Sicht als Autofahrer beim Abbiegen, außerdem stünde sie auf dem Gehweg.

Es wäre anders gegangen

Am Montagmorgen erhielten die Anwohner Besuch vom Ordnungsamt, der Abbau wurde angeordnet.

"Wir sind schon sehr enttäuscht", sagt Conny Kölker. Dass ihn die Hütte störe, hätte der Unbekannte auch schon sagen können, als aufgebaut wurde. "Dann hätten wir vielleicht alle Probleme ausräumen können." Dem Ordnungsamt machen die Anwohner keine Vorwürfe. "Die mussten ja handeln."

Am Sonntag selbst sei es auch keineswegs hoch her gegangen. "Das war alles im Rahmen. Es wurden Weihnachtslieder gesungen, es gab keine laute Musik. Wir hätten die Hütte einfach gerne noch bis Januar genutzt, um hier als Nachbarn die Weihnachtszeit ein klein wenig mit unseren Kindern gemeinsam zu feiern", sagt Kölker. Apropos Kinder: Viele Mädchen und Jungen haben ihre Weihnachtswünsche in den Postkasten der Hütte gesteckt. "Diese Briefe werden wir auf jeden Fall beantworten", kündigt Kölker an. So wird doch noch ein bisschen Freude verbreitet. Auch ohne Hütte.

 

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