Wie der Beat an die Berkel kam: Die Lights rocken schon ein halbes Jahrhundert

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Das waren weite Wege von der Melodica zur E-Gitarre, vom Tambourmajor zum Rock-Drummer. Werner Terhechte (70) und Wolfgang Kopp (64) sind sie gegangen. Vor 50 Jahren gründeten sie die „Lights“.

Stadtlohn

, 16.07.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eng ist es im Probenraum der Lights an der Meskesweide in Stadtlohn. An der mit dunklem Holz vertäfelten Wand sind einige Bandfotos gepinnt, daneben eine Eintrittskarte zu einem Konzert von Paul McCartney, ein Porträt von Elvis Presley und einige Konzertplakate. So sah es vor 50 Jahren in allen Partykellern der Provinz aus.

Doch dann lässt Wolfgang Kopp die Trommelstöcke wirbeln, Klaus Jungs Finger fliegen über die Bassseiten, Paul Effing haut in die Tasten, Heinz-Theo Berendsens Saxofon röhrt und Werner Terhechte singt „You’re sixteen, you’re beautiful, and you’re mine“. Ringo Starrs alten Hit. Und schon ist sie da: die große Freiheit der Rockmusik, Sehnsucht und Verheißung von der weiten Welt.

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Die "Lights" rocken seit 50 Jahren in Stadtlohn

Dafür stehen die Lights jetzt seit 50 Jahren. Sie haben den Beat an die Berkel gebracht. Jetzt sind die Herren zwischen 60 und 70 Jahre alt. Und sie rocken immer noch.

Eng war es auch im Stadtlohn der 60er-Jahre. Als die Pilzköpfe mit „Eight days a week“ die Musikwelt auf den Kopf stellten, war Werner Terhechte 13 Jahre alt, anständig frisiert und lernte Melodica und Klavier. Ganz klassisch. „Aber ich bekam ja mit, dass es plötzlich ganz neue Beatmusik gab. Und sie gefiel mir“, erzählt er.

Gitarrist und Sänger Werner Terhechte

Gitarrist und Sänger Werner Terhechte © Stefan Grothues

Werner Terhechte tauschte die Tasten gegen die Gitarre ein. Mit 15 gründet er mit Freuden seine erste eigene Rockband: die Butlers. „Wir haben uns das Spielen selbst beigebracht. Songbücher gab es ja nicht. Wir mussten am Radio genau zuhören, haben mitgeschrieben und Akkorde ausprobiert.“

Lieber keine Schlager

„Dat kann ja nüms verstoahn“, hörte er damals oft von den Älteren, die über die Beatmusik nur verständnislos den Kopf schüttelten. „Aber es ja gab tatsächlich Bands, da konnte keiner Englisch. Die haben nur nach Gehör die Texte nachgesungen. Aber ich war ja auf der Realschule und konnte verstehen, was ich singe“, sagt Werner Terhechte lachend.

1970 landete Roy Black mit „Dein schönstes Geschenk“ einen Nummer-Eins-Hit.

Heintje schmachtete „Deine Tränen sind auch meine“ und Michael Holm tanzte „Barfuß im Regen“. Werner Terhechte sagt: „Das war nicht unsere Musik. Wir standen auf Elvis, Chuck Berry, Beatles, Eagles, Kinks und Stones.“ 1970 will er es wissen und gründet mit Christoph Heider und „Pipo“ Guiseppe Spinello „The Lights“. Die Bandmitglieder waren alle um die 20.

Schlagzeuger Wolfgang Kopp

Schlagzeuger Wolfgang Kopp © Stefan Grothues

Am Schlagzeug aber saß ein 14-Jähriger: Wolfgang Kopp. „Gute Schlagzeuger waren ja rar gesät“, sagt er. Und er war einer. „Ich bin ja in einer Kneipe groß geworden“, erklärt der heute 64-Jährige. „Und getrommelt habe ich schon als Kind.“ Später lernte er es im Spielmannszug und wurde Tambourmajor.

„Die Leute waren ganz aus dem Häuschen“

„Aber das wollte ich ja eigentlich gar nicht. Ich wollte in einer Rockband spielen.“ Mit dem Fahrrad oder mit der Mofa fährt er nach Holland. Dort gibt es eine große Band-Szene. Und im Urlaub an der Nordsee lernt er Hans Waterman kennen, einen der profiliertesten holländischen Schlagzeuger. Und der gibt ihm Tipps. Das Vorspiel bei den Lights besteht Wolfgang Kopp mit Bravour. „Konnte ja keiner ahnen, dass ein halbes Jahrhundert daraus wird“, sagt er heute augenzwinkernd.

Die Lights proben anfangs in der alten Hundewicker Schule ohne eigene Musikanlage. „Wir haben einfach alte Röhrenradios als Verstärker genommen“, sagt Werner Terhechte. Doch schon bald sind die fünf Musiker die angesagteste Band im Westmünsterland. Keine Woche ohne Auftritt. Die Lights spielen in Tanzlokalen in Tungerloh-Capellen, Alstätte und Groenlo. „Die Leute waren ganz aus dem Häuschen“, sagt Werner Terhechte. Darauf ist er heute noch stolz.

Keyboarder Paul Effing und Saxofonist Heinz-Theo Berendsen

Keyboarder Paul Effing und Saxofonist Heinz-Theo Berendsen © Stefan Grothues

„Die Lights waren die Topband der Region“, sagt Paul Effing (59) aus Ahaus. Er spielte damals bei den Entertainers in Ahaus. „Die Lights waren unser großes Vorbild“. Seit sieben Jahren spielt Paul Effing selbst bei den Lights, die im Laufe des halben Jahrhunderts einige Umbesetzungen erlebten. Zeitweise spielten Gregor Terhürne (Schlagzeug), Wilhelm Kleffmann (Schlagzeug) und Günter Wensing (Posaune und Bongos) in der Band mit.

Von den Gründungsmitgliedern rocken heute noch Gitarrist und Sänger Werner Terhechte und Schlagzeuger Wolfgang Kopp zusammen mit dem Bassisten Klaus Jung (seit 1975) und Keyboarder Paul Effing (seit 2013). Der Saxofonist und Klarinettist Heinz-Theo Berendsen gehörte seit 1972 zu den Lights. Heute kommt er gelegentlich noch zu Gastauftritten hinzu.

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„Wir spielen nur das, was wir mögen“, das war eigentlich immer der Wahlspruch der Lights. Doch auf Hochzeiten und Schützenfesten kamen sie am Ende auch nicht um den Schlager drumherum. Doch die Zeit der Kompromisse ist vorbei. Auf Stadtfesten oder bei anderen Gelegenheiten spielen die Lights heute nur noch das Beste aus den 60er-, 70er und 80er-Jahren – die Musik, die ihnen Spaß macht.

Bassist Klaus Jung

Bassist Klaus Jung © Stefan Grothues

Das wollten sie auch bei einem großen Jubiläumskonzert zum 50. Band-Geburtstag beim Tanz in den Mai im Stadtlohner Kettelerhaus tun. Dann aber kam das Coronavirus. Alle fünf in diesem Frühjahr und Sommer geplanten Auftritte mussten abgesagt werden. Doch das Jubiläumskonzert ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Die Lights werden jedenfalls weiter rocken. Alle zwei Wochen trifft sich die Band im Probenraum. Wolfgang Kopp: „Proben müssen wir ja eigentlich nicht mehr. Aber wir spielen bis wir umfallen.“

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