Zustrom von Flüchtlingen weiterhin Herausforderung

Unterkunft für 40 Flüchtlinge

"Heute kamen elf Asylbewerber aus Afghanistan, in der letzten Woche sechs aus dem Irak, einer von ihnen querschnittsgelähmt." Der Zustrom von Flüchtlingen sei für die Stadt weiterhin eine große Herausforderung, erklärte der Erste Beigeordnete Karlheinz Pettirsch in der letzten Ratssitzung des Jahres.

STADTLOHN

, 18.12.2015, 18:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zustrom von Flüchtlingen weiterhin  Herausforderung

Der Fußball ist noch da, die Menschen sind längst ausgezogen: Das Wohnhaus am Schützenweg 48 ist offensichtlich marode. Es soll abgerissen werden, um Platz für eine neue Unterkunft für 40 Flüchtlinge zu schaffen.

Bis zum Jahresende wird die Zahl der unterzubringenden Flüchtlinge auf 424 ansteigen. Allein im Dezember kamen bislang 60 Flüchtlinge in die Töpferstadt. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2015 hatte die Stadt insgesamt nur 35 Flüchtlinge neu aufzunehmen.

Pettirsch: "Diese Entwicklung ist schon dramatisch. Wenn es nächstes Jahr so weitergeht, kommen wir in eine Notsituation."

Was das bedeuten kann, erklärte Bürgermeister Helmut Könning: "Wir könnten in eine Situation kommen, in der wir gezwungen sind, Turnhallen oder andere größere Objekte für die Unterbringung in Anspruch zu nehmen." Könning betonte aber: "Das wollen wir eigentlich nicht. Die dezentrale und sozial verträgliche Unterbringung bleibt das Ziel."

Der Bürgermeister verhehlte aber nicht, dass dies eine große Kraftanstrengung erfordere. "Nicht nur aus sachlichen, aus fachlichen, aus finanziellen Gründen geht es an die Belastungsgrenze, auch arbeitsmäßig. Aber: Den Menschen muss geholfen werden, und das tun wir." Was die

600000 Euro für Neubau

Dafür nimmt die Stadt 2016 wieder viel Geld in die Hand. 1,2 Millionen Euro sieht der Haushaltsentwurf für den Bau einer neuen Flüchtlingsunterkunft und für den Erwerb von Immobilien für diesen Zweck vor. Weil die Zeit drängt, stellte der Rat am Mittwochabend bereits für das laufende Jahr 200000 Euro zusätzlich bereit, um mit den konkreten Planungen für den Neubau einer Flüchtlingsunterkunft beginnen zu können. Es sollen zehn Wohneinheiten für je vier Personen in "modularer" Bauweise entstehen. Dabei könnte es sich um Containerlösungen oder Holzrahmenbauvarianten handeln. Zunächst soll ein öffentlicher Teilnahmewettbewerb ausgeschrieben werden. Ziel ist, dass das Gebäude bereits im April oder Mai fertiggestellt wird. Die Kosten für den Bau der Unterkunft werden insgesamt auf rund 600000 Euro veranschlagt.

Wo genau das Gebäude entstehen soll, war in der Ratssitzung noch kein Thema. Auf Anfrage der Münsterland Zeitung erklärte Bürgermeister Könning, das städtische Grundstück am Schützenweg 48 sei ein geeigneter Standort. Dort steht zurzeit noch ein älteres Wohngebäude, das abgerissen werden soll. Zeitweise waren dort schon Flüchtlinge untergebracht.

Hendrik Hardeweg (CDU) und Otger Harks (SPD) begrüßten für ihre Fraktionen ausdrücklich das Konzept der dezentralen Unterbringung. Hardeweg: "Das findet Rückhalt in der Bevölkerung." Wie CDU und SPD stimmten auch FDP und Grüne geschlossen für die Bereitstellung der finanziellen Mittel. Aus der UWG gab es eine Gegenstimme. 

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