In der Abenddämmerung begann am 26. Oktober der Abriss der mehr als 100 Jahre alten Eisenbahnbrücke, auf der die Hauptstrecke Schwerte-Hagen die nach Iserlohn abzweigende Nebenbahn kreuzt. © Deutsche Bahn AG
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80 Tonnen Stahlschrott: In der ICE-Strecke nach Hagen klafft eine Lücke

ICE-Züge auf einer Brücke aus der Kaiserzeit – das gibt es in Westhofen nicht mehr. Die Bahn hat das Bauwerk abreißen lassen. Bis der Neubau steht, werden noch etliche Jahre ins Land gehen.

Hochbetrieb auf dem Omnibusbahnhof, Leere auf den Bahnsteigen. Der Nahverkehr auf der Schiene ist arg eingeschränkt. Denn auf der Hauptstrecke Schwerte-Hagen klafft in Westhofen eine große Lücke: Die Brücke, unter der die abzweigende Linie nach Iserlohn hindurchführt, ist verschwunden.

Deshalb werden die Regionalexpress-Züge der Linien RE13 und RE17 zwischen Schwerte und Hagen noch mindestens bis zum 11. Dezember durch Busse ersetzt, die Triebwagen der Regionalbahn RB53 zwischen Schwerte und Iserlohn ebenfalls.

Eisenbahnfreunde recherchierten: Brücke wurde 1907 gebaut

In einer nächtlichen Aktion hat die Deutsche Bahn die alte Überführung Ende Oktober abreißen lassen, weil sie das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht hatte. Genau genommen, waren es sogar zwei nebeneinander gebaute Brücken, jede von ihnen rund 40 Tonnen schwer.

„Die Überbauten wurden im Nachgang fachgerecht entsorgt“, teilt eine Bahnsprecherin (Düsseldorf) auf Anfrage mit. Anschließend sollten noch die Widerlager und Flügelwände abgerissen werden.

Zerschnitten liegt die alte Brücke in Schrottteilen am Bahndamm in Westhofen.
Zerschnitten liegt die alte Brücke in Schrottteilen am Bahndamm in Westhofen. © Bruno Giersch © Bruno Giersch

Für die Eisenbahnfreunde ist mit der genieteten Metallkonstruktion auch ein Stück Eisenbahngeschichte vergangen. Ihr Mitglied Wolfgang Güttler entdeckte in der Schwerter Zeitung vom 16. November 1907 eine Ein-Satz-Meldung über ihren Bau: „Die neue Unterführung bei Block Steinhausen, welche als Ausgangspunkt der künftigen Bahn Iserlohn-Schwerte unter den Personengleisen der Strecke Schwerte-Hagen herführt, ist nach mehrmonatiger Arbeit in ihrem aus Sandstein hergestellten Unterbau fertiggestellt, so dass seit einigen Tagen mit dem Montieren des Oberbaues, aus Eisenkonstruktion bestehend, begonnen werden konnte.“

Die Deutsche Bahn investiert 11,4 Millionen Euro in das Bauwerk

Über die Kosten des damaligen Projekts wurde geschwiegen. Den Neubau jetzt hat die Deutsche Bahn auf rund 11,4 Millionen Euro veranschlagt. Ob er wieder in Metall oder in Beton ausgeführt wird, werde derzeit noch anhand der örtlichen Gegebenheiten geprüft. Erst 2025 soll das neue Brückenbauwerk fertig sein.

Unterbrochen ist die Zugstrecke nach Iserlohn im Bereich der Brückenbaustelle. Das Gleis endet unter der Autobahnbrücke Rettelmühle.
Unterbrochen ist die Zugstrecke nach Iserlohn im Bereich der Brückenbaustelle. Das Gleis endet unter der Autobahnbrücke Rettelmühle. © Deutsche Bahn AG © Deutsche Bahn AG

So lange bleibt die ICE-Hauptstrecke nach Hagen, über die normalerweise täglich bis zu 250 Züge rattern, natürlich nicht gesperrt. Diese Maßnahme ist für neun Wochen geplant, bis zwei stählerne Hilfsbrücken eingebaut sind. Diese kommen neu nach Schwerte, waren also noch auf keiner anderen Baustelle im Einsatz.

Derweil werden die Fernzüge – mit abweichenden Fahrplanzeiten – über die Gütergleise an der Baustelle vorbeigeleitet. Auch der Intercity, der Schwerte ab dem Fahrplanwechsel im Dezember direkt mit Frankfurt/Main und Norddeich-Mole verbindet, kann wie geplant an den Start gehen. „Die neue Fernverkehrslinie ist von den Baumaßnahmen nicht betroffen“, teilt die Bahnsprecherin mit.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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