Eine imposante Erscheinung: Einen Tintenfischpilz entdeckte Christiane Jasper am Rand einer Pferdeweide auf dem Buchholz. © Christiane Jasper
Seltener Fund

Die roten Tentakeln stinken nach Aas: Seltene Entdeckung im Gras

Feuerrot recken sich die Tentakeln über die Grashalme. Eine imposante Entdeckung machte Christiane Jaspers beim Spazieren auf dem Buchholz.

Am Rande einer Pferdeweide auf dem Buchholz stieß Christiane Jaspers auf einen sogenannten Tintenfischpilz. Nichts für Kochtopf oder Pfanne. Denn die gut zehn Zentimeter langen Arme wie Calamari fritti als Menü zuzubereiten, wäre wohl allerhöchstens eine Ekel-Aufgabe für Dschungelcamp-Teilnehmer.

Der Tintenfischpilz, ein Einwanderer aus Australien, sei zwar nicht giftig, erklärt Klaus Klinger, Leiter der Biologischen Station Kreis Unna/Dortmund (Bergkamen). Aber er verströmt einen intensiven Geruch nach Aas. „Ich würde ihn nicht probieren wollen“, sagt der Experte.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts aus Australien eingeschleppt

Für den Pilz ist der Gestank auch noch auf eine andere Weise überlebenswichtig. Damit lockt er Fliegen an, die seine Sporen zur Ausbreitung verteilen. Möglicherweise – so hat Klaus Klinger in Berichten gelesen – tragen dazu auch noch Vögel bei, die Sporen tragende Insekten gefressen haben.

Den Sprung nach Europa schaffte der Tintenfischpilz aber auf ganz anderem Wege: „Er wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeschleppt – möglicherweise in Schafwolle oder militärischem Gerät.“

Der Fruchtkörper zeigt sich nur von Juli bis Oktober

Seitdem habe sich der Pilz in Zentral- und Westeuropa ausgebreitet, weiß der Experte: „Er hat keine negativen Einflüsse auf unsere Natur.“ Er sei ziemlich anspruchslos und wachse sowohl in Laub- und Nadelwäldern als auch auf Grünland. Bevorzugt werden Stellen, wo der Boden verdichtet ist wie beispielsweise an Wegrändern und auf Holzlagerplätzen.

Diese Bedingungen könnten auch auf den Rand der Pferdekoppel auf dem Buchholz zutreffen. Dazu mag es der Tintenfischpilz warm und feucht, um in dem Zeitraum von Juli bis Oktober seinen oberirdischen Fruchtkörper auszubilden.

Im Kreis Unna sind bislang nur drei Fundstellen bekannt

„Wo er vorkommt, kann er in großen Mengen vorkommen“, berichtet Klaus Klinger. Am Nordrand der Alpen sei das etwas häufiger der Fall als in unseren Breiten: „Im Kreis Unna weiß ich von drei Stellen.“

Selbst habe er am Mittwoch (15.9.) erstmals eine solche entdeckt. Man sehe nur den Fruchtkörper und sei dann erstaunt, wie groß der Tintenfischpilz werde.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz