Wasserwerke-Sprecherin Tanja Vock zeigt die Dimensionen der Rohre, die durch die Aufbereitungsanlage laufen. © Felsch
Trinkwasserversorgung

Spektakulärer Einblick: Neue Wasseraufbereitung soll krebserregende Stoffe entfernen

Es kommt täglich wie selbstverständlich aus dem Hahn. Doch wie wird unser Wasser so sauber? Und wie entfernt man Schadstoffe? Die Antwort dazu steht in Westhofen – und ist erst frisch in Betrieb.

Wasser, so weit das Auge reicht? Nicht ganz. Betrachtet man die vor knapp einem Monat frisch in Betrieb genommene weitergehende Wasseraufbereitung in Westhofen, wirkt sie erst einmal sehr unspektakulär. Ein grauer Kasten, der leise summend seine Arbeit direkt neben der Ruhr tut, umgeben vom Idyll der Röllingwiese und dem Wohngebiet an der Bruchstraße.

Doch dieser Kasten enthält eine hoch moderne Aufbereitungsanlage, die im Rahmen des Programms „Reine Ruhr“ des Landes Nordrhein-Westfalen gebaut wurde. Sie gehört zu einer von fünf Anlagen, die entlang der Ruhr entstanden sind oder noch entstehen. Ziel dieses Projekts ist eine Wasseraufbereitung, die auch mit modernen Mikroschadstoffen aus der Industrie oder den Haushalten im Oberflächenwasser der Ruhr fertig werden kann.

Grundwasserpegel allein reicht nicht

Denn das Grundwasser im Ruhrgebiet muss schon seit Bestehen des Ballungsraums mit Oberflächenwasser aus der Ruhr angereichert werden, da der Grundwasserpegel allein nicht ausreichend ist.

Ein besonders ausschlaggebender Punkt für den Ausbau der Trinkwasseraufbereitung reicht zurück ins Jahr 2006. „Im Oberflächenwasser der Ruhr fand sich eine hohe Konzentration von PFT (krebserregende Stoffe, Anm. d. Red.). Das stellte die damalige Wasseraufbereitung vor eine Herausforderung, da andere Filter für problematische Stoffe dieser Art gebraucht wurden“, erzählt Tanja Vock, Sprecherin der Wasserwerke Westfalen.

Von Wasser ist hier natürlich nichts zu sehen – das läuft durch die Rohre zu den einzelnen Schritten der Aufbereitung.
Von Wasser ist hier natürlich nichts zu sehen – das läuft durch die Rohre zu den einzelnen Schritten der Aufbereitung. © Felsch © Felsch

Für das Projekt wurden von den Wasserwerken Westfalen zusammen mit DEW21 und Gelsenwasser 140 Millionen Euro in die Hand genommen. Eine ordentliche Summe, um für die Zukunft der Trinkwasseraufbereitung vorbereitet zu sein. „Das ist eine vorsorgliche Aufbereitung. Mit dieser Anlage sind wir jetzt für alles gewappnet, was da kommen mag und auch zuversichtlich, dass die Anlage nicht so schnell an ihre Grenzen stoßen wird“, sagt Tanja Vock.

In Zeiten von steigendem Konsum von Medikamenten und Abfällen aus der Industrie, die ebenfalls ins Wasser gelangen, eine dringende Investition. Zumal das Verfahren umweltfreundlich und somit auch nachhaltig für künftige Generationen ist.

Unterschiedliche Filter, Aktivkohle und UV-Licht

Der Blick ins Innere der Halle lässt staunen: Rohre, so weit das Auge reicht. In der riesigen Halle, die noch frisch nach Farbe riecht, hört man das Rauschen des Wassers deutlicher. Die einzelnen Schritte der Trinkwasseraufbereitung können in der Halle nachverfolgt werden. Das Wasser durchläuft unterschiedliche Filter, eine Entsäuerung mit Natronlauge und Desinfektion mit UV-Licht.

In einem solchen Anhänger mit Spruch wurde die Aktivkohle zur Anlage geliefert. Die Anlage selbst ist ein unauffälliger grauer Bau.
In einem solchen Anhänger mit Spruch wurde die Aktivkohle zur Anlage geliefert. Die Anlage selbst ist ein unauffälliger grauer Bau. © Köpke © Köpke

Hierbei kommt auch Aktivkohle zum Einsatz. Sie dient der Adsorption eben solcher Schadstoffe wie PFT. Die Aktivkohle wurde mit speziellen Lastern in den Wochen vor Eröffnung der Anlage angeliefert. Die Anlieferung sorgte bei den Anwohnern und Besuchern des Ruhrtalradwegs für Erheiterung. Die Anhänger sind nämlich nicht mit dem Namen der Spedition versehen, sondern mit lustigen Sprüchen.

In den Bauprozess wurden die Anwohner ebenfalls mit eingebunden. „Es gab hier eine Infoveranstaltung, bei der wir alles einmal erklärt haben“, sagt Tanja Vock. „Und natürlich hat sich auch der ein oder andere besorgt geäußert.“ Doch nun fügt sich die Halle sehr unauffällig in das Bild ein – umgeben von Grün. Dafür gab es seitens der Anwohner positive Rückmeldung. „Geplant ist natürlich auch, alle noch mal einzuladen, um die Fertigstellung zu feiern.“

Den genauen Vorgang der weitgehenden Wasseraufbereitung kann man in einem Video verfolgen, das auf der Homepage der Wasserwerke Westfalen unter https://www.wasserwerke-westfalen.de/newsroom/ zu finden ist. Die einzelnen Schritte werden dort veranschaulicht.

Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch