Absturz eines Ultraleichtflugzeugs auf dem Segelflugplatz Rheinermark. © Reinhard Schmitz
Abschlussbericht

Tödlicher Flugzeugabsturz: War die Maschine überladen?

Beim Absturz eines Ultraleichtflugzeugs kam im August der Pilot ums Leben. Der Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen wirft Fragen auf - unter anderem nach dem Gewicht.

Das Cockpit zerquetscht, die rechte Tragfläche eingeknickt: Ein dramatisches Bild der Zerstörung bot das Ultraleichtflugzeug, das am 5. August 2020 auf dem Segelflugplatz Rheinermark aus geringer Höhe abgestürzt war. Der 57-jährige Pilot starb an Bord, sein 25-jähriger Passagier wurde schwer verletzt. Jetzt liegt der Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig vor, die noch am selben Tag ihre Ermittlungen aufgenommen hatte.

War die Zuladung zu schwer für die Maschine?

Wie geriet die Maschine in die beschriebene „unkontrollierte Fluglage“? Aufgabe des Dokuments ist eine Darstellung der Fakten ohne Analyse und Schlussfolgerungen. Gleichwohl enthält es Daten, die die Frage aufwerfen, ob möglicherweise zu schwere Beladung die Steuerungsfähigkeit des Fluggeräts beeinflusst haben könnte.

So wird für die abgestürzte „Savage“ des tschechischen Herstellers Zlin Aviation angegeben: „Laut Wägebericht vom 28.04.2020 betrugen die Leermasse 308,5 kg und die maximale Abflugmasse 472,5 kg.“ In der Internet-Enzyklopädie Wikipedia bedeutet Letztere „das maximale Startgewicht von Luftfahrzeugen. Dies ist die Masse, mit der das Flugzeug abheben kann, ohne die vorgeschriebenen Sicherheitsreserven zu verletzen.“ Die Differenz beider Werte würde also eine Zuladung von 164 kg erlauben.

Die Polizei sperrte den Segelflugplatz Rheinermark rund um das abgestürzte Ultraleichtflugzeug vom Typ Zlin Aviation „Savage“ weiträumig ab.
Die Polizei sperrte den Segelflugplatz Rheinermark rund um das abgestürzte Ultraleichtflugzeug vom Typ Zlin Aviation „Savage“ weiträumig ab. © Reinhard Schmitz (A) © Reinhard Schmitz (A)

An anderer Stelle des Berichts ist vermerkt, welche Massen bei der Untersuchung festgestellt worden sind: „Pilot etwa 80 kg, Fluggast etwa 95 kg, Gepäck etwa 2 kg und Kraftstoff etwa 35 l (26 kg).“ Das ergibt in der Summe 203 kg. Auf die Rückfrage, ob man dieses Gewicht und die Berechnung der maximalen Zuladung vergleichen könne, antwortet BFU-Pressesprecher Germout Freitag: „Ihre Interpretation ist vollkommen richtig, die maximale Zuladung setzt sich aus genau diesen Komponenten zusammen.“ Das könnte bedeuten, dass 39 Kilogramm zu viel an Bord gewesen wären.

Passagier machte Piloten auf geringe Geschwindigkeit aufmerksam

Der sehr erfahrene Pilot hatte den Begleiter nur an Bord genommen, um nach einem Seilstück zu suchen, das bei einem Windenstart auf dem Flugplatz verloren gegangen war. Laut Untersuchungsbericht haben Zeugen angegeben, „dass der Flug mit geöffneter Tür, die bereits zum Start hochgeklappt worden sei, erfolgte“. Womöglich auch eine Gefahr? An anderer Stelle ist zu lesen: „Im Flughandbuch war vermerkt, dass bei Flügen mit offener Tür die Fahrtmesseranzeige ungenau ist, d.h. er zeigt eine geringere Geschwindigkeit an, als tatsächlich geflogen wird.“

Der Begleiter – so heißt es an wieder anderer Stelle – habe den Piloten unmittelbar vor dem Abkippen der Maschine auf die geringe Fluggeschwindigkeit aufmerksam gemacht, dieser habe aber nicht mehr reagiert. Nach einer Drehung um die Längs-Achse in einem „spiralsturzähnlichen Zustand“ sei das Ultraleichtflugzeug nahezu senkrecht auf die Piste geprallt.

Es gibt keine Hinweise auf technische Mängel

Die eingeschaltete Staatsanwaltschaft Hagen hatte schon wenige Wochen nach dem tragischen Unfall erklärt, dass es möglicherweise Aerodynamik-Probleme gegeben habe, auf die man aufgrund der niedrigen Flughöhe nicht mehr habe reagieren könne. Nach dem damaligen Stand der Dinge – so hieß es – gebe es keine Hinweise auf offensichtliche technische Mängel.

„Hinweise auf einen ursächlichen technischen Defekt oder eine Beeinträchtigung der Steuerung ergaben sich nicht“, stellt jetzt auch der BFU-Bericht fest. Alle Verschraubungen, Bolzen, Verstrebungen und Spannseile seien vorhanden gewesen, beziehungsweise hätten sich an den entsprechenden Beschlägen befunden.

Der Funksprechverkehr wurde nicht aufgezeichnet

Der Funksprechverkehr zwischen dem Piloten und dem Flugleiter des Segelflugplatzes Rheinermark kann keine weiteren Aufschlüsse liefern. Er wurde laut Bericht nicht aufgezeichnet.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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