21-Jährige handelt sich vor Gericht immer mehr Sozialstunden ein

Gefährliche Körperverletzung

Zickenkrieg könnte man das nennen, was sich zwischen drei Jugendlichen zur gefährlichen Körperverletzung ausweitete. Eigentlich war das Verfahren gegen die beiden Täterinnen längst erledigt. Weil eine 21-Jährige aber Auflagen zweimal nicht vollständig erfüllt hatte, wurde jetzt erneut gegen sie verhandelt.

SÜDLOHN

, 06.04.2016, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihre 18-jährige beste Freundin hatte mit ihr zusammen eine 16-Jährige Anfang 2015 beleidigt, geohrfeigt und geschlagen. Das Verfahren gegen diese Zeugin war bereits abgetrennt worden und juristisch erledigt.

Das Verfahren gegen die 21-Jährige wurde nun zum dritten Mal verhandelt, da sie die Auflagen aus dem ersten und zweiten Verfahren nicht vollständig erfüllt hatte. Die Anschuldigung blieb gleich.

Beleidigungen per Whats App

Gemeinschaftlich mit der Zeugin hatte sich die Angeklagte mit der Geschädigten damals auf dem Schulhof der Hauptschule in Südlohn verabredet. Die Zeugin lebt in Weseke, die anderen beiden in Südlohn. Mehrere Beleidigungen waren vorausgegangen, welche die Geschädigte der Zeugin per Whats App geschickt haben soll.

Demnach hätten sie sich am Fahrradständer der Schule getroffen. Weil sie die Beleidigungen verbal nicht wiederholt habe, hat die Zeugin die Geschädigte geohrfeigt, während die Angeklagte sie festhielt. Danach habe die Zeugin das Mädchen an die Wand gedrängt, mit Cola übergossen und in den Bauch getreten. Als ein Mann vorbeikam, hätten die beiden Freundinnen von ihrem Opfer abgelassen und seien geflohen. Die 16-Jährige gab an, dass die Zeugin und die Angeklagte Fotos und Videos von dem Geschehen gemacht hätten.

Fotos nie verwendet

Für die Angeklagte, die damals 19 Jahre alt war, lautete deshalb der Vorwurf gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung. Geduldig klärte der Jugendrichter sie auf, dass auch das Festhalten einer Person diesen Tatbestand erfülle. Auf Nachfrage des Richters gab sie zu, die Fotos und Videos gemacht zu haben. Sie habe sie aber nie verwendet. Die Angeklagte besucht das Berufsorientierungszentrum in Ahaus und wird vom Jugendamt betreut.

Im ersten Prozess wurde die Angeklagte zu zehn Sozialstunden verurteilt, die sie nur zum Teil leistete. Das Gericht erhöhte deshalb im November 2015 auf 30 Sozialstunden, die sie ebenfalls nur zum Teil ableistete. Jetzt erhöhte der Richter auf 60 Sozialstunden, obwohl die Staatsanwältin Freizeitarrest, das bedeutet Haft am Wochenende, beantragt hatte. Die Kosten des Verfahrens muss die Angeklagte tragen. Falls sie diese Auflage nicht erfülle, drohen der nicht vorbestraften Angeklagten Haft bis zu vier Wochen.

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