5,35 Millionen Euro für Neubau

Vitusschule

Von einem Tagesordnungspunkt mit „durchaus historischer Qualität“ sprach Bürgermeister Christian Vedder: Am Ende stand der einstimmige Beschluss des Gemeinderates, den schadstoffbelasteten Trakt der Vitus-Grundschule abzureißen und dafür einen Teilneubau zu errichten.

SÜDLOHN

, 06.04.2017, 16:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
5,35 Millionen Euro für Neubau

Der in die Jahre gekommene, schadstoffbelastete Neubautrakt der St.-Vitus-Schule in Südlohn soll einem Neubau weichen.

Die Aussage von Bürgermeister Christian Vedder, es handele sich um einen historischen Beschluss, bestätigte sich in den von der Verwaltung geschätzten Kosten von rund 5,35 Millionen Euro. Das ist lauft Vedder „die höchste Investition der Gemeinde für ein Projekt seit der Gebietsreform im Jahr 1969“.

Drei Varianten vorgestellt

Vor dem Beschluss hatte Bauamtsleiter Dirk Vahlmann den Kommunalpolitikern zwei Varianten für einen Schadstoffsanierung vorgestellt. Variante I: ein Teilneubau am alten Standort. Variante II: Die Sanierung des mit Schadstoffen belasteten Gebäudetraktes. Für das Gesamtprojekt stehen insgesamt rund vier Millionen Euro in den Haushalten für 2017 und 2018. Die Ausführungen des Bauamtsleiters im Rat endeten mit der Empfehlung, den rund 50 Jahre alten Gebäudetrakt abzureißen und ein neues Gebäude zu erstellen. Vahlmann hatte dem Rat zuvor ein neues Gebäude auf dem heutigen Standort vorgestellt. So könne der sonnige Schulhof erhalten bleiben, es könnte ein erweiterbarer Bereich für den Offenen Ganztag (OGS) entstehen und der vorhandene Spielplatz bleibe erhalten. Ganz wichtig aber: Das Raumprogramm könne den heutigen Erfordernissen angepasst werden, etwa durch integrative Räume zwischen den einzelnen Klassenräumen. Im Altbau sollen bei dem jetzt angestrebten Neubau Lehrerzimmer, Schulleitung, Hausmeister sowie Unterrichtsräume für Musik und Kunst entstehen.

Probleme im Kriechkeller

Für diesen Bereich der Schule hatte Dirk Vahlmann am Mittwochabend eine positive Nachricht: „Eine Schadstoffsanierung im Altbaubereich ist nicht nötig.“ Das habe die Gutachterin mitgeteilt, die derzeit weitere Untersuchungen anstellt. Beispielsweise werde geprüft, welche Bereiche des Sanierungstraktes bei einem Abriss aufwendig als Sondermüll entsorgt werden müssen und welche Bereiche als ganz normaler Bauschutt entsorgt werden können. Bei einer Schadstoffsanierung des betroffenen Gebäudeteils müsse das Gebäude komplett entkernt werden, schilderte der Bauamtsleiter. Bei einer solchen Sanierung müssten heutige Sicherheitsstandards eingehalten werden. Das bedeute, eine zusätzliche Fluchttreppe bauen zu müssen. Auch seien im Altbau und in dem betroffenen Trakt der Schule Aufzüge einzubauen. Bereiche für den OGS und eine Mensa würden in dem vorgestellten Plan an das vorhandene Gebäude angebaut.

Stellte sich das Sanierungsprojekt bis dahin nach Informationen der Münsterland Zeitung noch als deutlich günstiger dar, haben sich in dieser Woche neue Fakten ergeben, die eine Sanierung zu einem unkalkulierbaren finanziellen Risiko machen. Das von den Schadstoffen betroffene Gebäude hat einen Kriechkeller. Die Besichtigung des Kellers Anfang der Woche habe ergeben, dass dort „erhebliche Mängel an der Bewehrung bestehen.“ Teilweise liege das Eisen im Beton frei, es gebe Feuchteschäden und Wärmebrücken, die sich bei einer Sanierung nicht gänzlich beheben lassen, sagte der Bauamtsleiter.

"Man kann gar nicht anders"

Diese Mängel führen für Bürgermeister Christian Vedder zu einem „Risiko im Bestand“. Durch die dafür nötige Sanierung werde der finanzielle Abstand zu einem Teilneubau geringer. „Wahrscheinlich ist ein Neubau über Jahre gesehen wirtschaftlich günstiger“, meinte der Bürgermeister. „Man kann eigentlich gar nicht anders, als sich für die Neubauvariante zu entscheiden“, meinte CDU-Fraktionschef Hermann-Josef Frieling nach den Ausführungen des Bauamtsleiters. Das sah auch die UWG-Fraktionsvorsitzende Karin Schmittmann so: „Eine Sanierung kann zeitlich und finanziell gar nicht so kalkuliert werden wie ein Neubau“, sah sie erhebliche Risiken bei einer Sanierung. Ähnlich äußerte sich Jörg Schlechter (FDP). „Ein Raumkonzept wie bei einem Neubau wäre nicht umsetzbar“, sah auch Rita Penno (SPD) den Neubau als bessere Lösung an.

Vor dem dann einstimmigen Neubau-Beschluss regte Karin Schmittmann noch an, mit dem Kreis Borken über einen Verkauf der Roncalli-Hauptschule zu sprechen – die ist ab Sommer Mieter des Gebäudes. „Damit wäre ein Großteil der Investition refinanziert“, sagte Schmittmann. „Es war Konsens, zu vermieten“, erinnerte Christian Vedder den Rat an seinen eigenen Wunsch. Aber: „Beim Kreis besteht grundsätzlich Bereitschaft, darüber zu sprechen.“  

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