Ärger über Vandalismus: Theo Pass sperrt Kneipentür im Ollen Hues zu

rnAggressive Gäste

Das letzte Wochenende brachte das Fass zum Überlaufen. Weil es zu immer mehr Vandalismus gekommen ist, greift der Oedinger Wirt Theo Pass durch und schließt seine Kneipentür um 0 Uhr.

Südlohn

, 08.09.2020, 16:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Theo Pass atmet einmal tief durch und macht seinem Ärger dann gewaltig Luft: „Ich kann nicht verstehen, dass sich die Leute vor ihrer eigenen Haustür wie die letzten Idioten aufführen. Da habe ich einfach keinen Bock mehr drauf!“

Eine Bank in der Schlinge, beschädigte Toiletten, Ruhestörung in der Nachbarschaft: „Das Maß ist voll“, sagt Theo Pass.

Eine Bank in der Schlinge, beschädigte Toiletten, Ruhestörung in der Nachbarschaft: „Das Maß ist voll“, sagt Theo Pass. © Theo Pass

Der Ärger rund um seine Kneipe „Olle Hues“ nimmt aktuell ungeahnte Ausmaße an. Das vergangene Wochenende ließ bei dem Oedinger Wirt das Fass endgültig überlaufen. Irgendwann in der Nacht sind Sitzbänke und Warnbaken in der Schlinge gelandet. Eine Woche zuvor hatten Gäste die Toiletten in der Kneipe beschädigt. Noch einmal ein paar Tage vorher hatten Unbekannte in der Nachbarschaft Currywurstsoße großflächig an Rollläden der Nachbarn verschmiert oder auf einem Parkplatz in der Nachbarschaft mitten in der Nacht rumgegrölt und eine Schlägerei angezettelt.

Kneipentür bleibt in Zukunft ab 0 Uhr geschlossen

Theo Pass (47) jedenfalls wird es zu bunt: Seine Kneipentür bleibt demnächst ab 0 Uhr zu. Wer dann in der Kneipe ist, darf gerne weiterfeiern. Gäste die später noch dazustoßen wollen, müssen sich anmelden. „Dann entscheiden wir, ob sie noch hereinkommen oder nicht“, sagt Theo Pass. Für ihn ist das die einzige Möglichkeit, um in der Nachbarschaft für Ruhe zu sorgen. „Ich bin Oedinger, da muss ich auch für das Dorf und die Nachbarschaft Verantwortung tragen“, sagt er.

Auch seinem Personal gegenüber wolle er das teils extrem aggressive Verhalten einiger Gäste nicht mehr hinnehmen. „Wir haben hier legendäre Partys gefeiert“, sagt er über das Olle Hues, das er neben dem Burghotel Pass seit 2002 betreibt.

Hat die Coronazeit die Menschen verändert?

„Ich weiß nicht, ob die Coronazeit die Leute so verändert hat oder woher das sonst kommt“, sagt er. Acht Wochen hätten die Menschen ja nur zuhause sitzen, trinken und feiern können. Nach dem Lockdown seien sie froh gewesen, wieder vor die Tür zu kommen. Doch seither wird die Stimmung zunehmend aggressiver. „Bis 1 oder 2 Uhr ist alles in Ordnung, dann irgendwann kippt es plötzlich“, sagt er. Das sei bisher nicht so gewesen. Wohlgemerkt die meisten Gäste kämen regelmäßig. Es seien auch nicht nur Oedinger, sondern auch Leute aus den Dörfern der Umgebung.

Drei Generationen Pass hinter dem Tresen: Maria Pass, ihr Sohn Theodor und die beiden Enkel Clemens (2, l.) und Benno (4). Der dritte im Bunde, Benno (6) war gerade unterwegs. Die Familie will dem Ärger rund um das Olle Hues einen Riegel vorschieben.

Drei Generationen Pass hinter dem Tresen: Maria Pass, ihr Sohn Theodor und die beiden Enkel Clemens (2, l.) und Benno (4). Der dritte im Bunde, Benno (6) war gerade unterwegs. Die Familie will dem Ärger rund um das Olle Hues einen Riegel vorschieben. © Stephan Rape

Und um das vorweg zu nehmen: Er selbst sei kein Kind von Traurigkeit gewesen. „Natürlich haben wir früher auch Scheiße gebaut“, gibt er offen zu. „Aber dann haben wir dazu gestanden.“ Auch sei es „früher“ nicht um blinde Zerstörung gegangen. „Ganz ehrlich, ich habe keinen Bock, dass hier ständig die Polizei vor der Tür steht“, sagt er.

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Am Ende sei es eben immer wieder seine Kneipe, auf die der Ärger zurückfalle. „Die Supermärkte oder andere Gaststätten haben eben um 4 Uhr nicht mehr auf“, sagt er. Wenn er jetzt kein Zeichen setze, laufe die Situation endgültig aus dem Ruder.

Laden an der langen Leine geführt – bis jetzt

Er hat sich an diesem Punkt richtig in Rage geredet: „Die Leute waren froh, dass sie nach dem Lockdown wegen Corona wieder vor die Tür und in die Kneipe konnten“, sagt er. Und jetzt laufe das so aus dem Ruder. „Benehmt euch doch einfach im eigenen Dorf wie normale Menschen. Da krieg ich echt Schnappatmung“, schimpft er. So lange es friedlich bleibe, sei ihm fast alles egal. „Und wenn die Gäste nackt auf den Tischen tanzen – meinetwegen. Ich lasse den Laden wirklich an der ganz langen Leine laufen. Das weiß jeder. Aber ich toleriere nicht alles.“ Wenn jetzt die Schuld immer wieder auf seine Kneipe und seine Familie zurückfalle, sei ganz einfach Schluss.

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Natürlich drehe er in der Kneipe an jedem Wochenende Umsätze. „Aber um die letzten 1000 Euro geht es mir nicht, wenn ich danach nur Ärger am Hals habe“, schimpft er. Dann bleibe das Olle Hues eben ganz zu. So weit ist es aber noch nicht. „Ich gucke mir das jetzt ein paar Wochen an, wie es läuft“, sagt er. Vielleicht würden sich ja sogar die Verursacher des aktuellen Ärgers noch melden und entschuldigen.

Sicherheitsdienst? Eine Kneipe ist keine Disko!

Wäre denn ein Sicherheitsdienst an der Kneipentür keine Alternative? „Moment mal“, unterbricht Theo Pass, „ich habe keine große Disko. Ich habe eine Kneipe.“ Um das Flair dort gehe es. Einen Ort für Menschen zwischen 16 und 80, die feiern wollen. Eben eine typische Bierkneipe, so wie früher. Bisher sei das auch in Oeding nie ein Problem gewesen. „Selbst auf dem Schützenfest hast du hier keine Security gebraucht. Das lief ganz einfach“, erklärt er. Wenn das jetzt allerdings vorbei sei, dann bleibe die Kneipe eben zu.

Bürgermeister spricht von vorbildlicher Leitung

Bei den Behörden gibt es aktuell noch keine Auffälligkeiten mit Blick auf Vandalismus. Die Polizei wertet die Zahl der Fälle pro Gemeinde nur einmal jährlich statistisch aus. Insgesamt gehe die Zahl der Straftaten aber zurück, erklärt Polizeipressesprecher Frank Rentmeister.

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Auch Bürgermeister Christian Vedder mag aktuell keinen Schwerpunkt für Vandalismus in der Gemeinde oder gar einen Zusammenhang mit dem Coronavirus feststellen. Vandalismus komme natürlich immer mal wieder vor. Ausdrücklich lobt er allerdings die Zusammenarbeit mit Theo Pass im Speziellen aber auch allgemein allen anderen Gastronomen im Ort. „Der Betrieb von Theo Pass ist vorbildlich geführt“, sagt er. Das habe auch gerade erst eine Kontrolle des Ordnungsamtes ergeben. „Da haben wir einen sehr kurzen Draht, um uns abzustimmen“, erklärt Christian Vedder.

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