Berührendes Konzert erinnert an Kriegsende vor 70 Jahren

Musikkapelle Südlohn

Sie haben sich für dieses Konzert ein schwieriges Thema ausgesucht: Kriegsmusik – ausgerechnet. Manfred Wanning, Vorsitzender der Musikkapelle Südlohn, war zunächst strikt dagegen, als Dirigent Martijn Linderhof vor einem Jahr dieses Thema vorschlug.

OEDING

19.04.2015, 20:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Berührendes Konzert erinnert an Kriegsende vor 70 Jahren

Das Haupt- und das Jugendorchester begeisterte das Publikum in der dicht gefüllten Jakobihalle.

„Nein, so etwas spielen wir nicht.“ - „Warum nicht?“, konterte Linderhof, in den Niederlanden werde das jedes Jahr gespielt, aus Freude darüber, dass der Krieg vorbei sei. So kam es am Freitag in der Jakobihalle in Oeding, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, zu dem außergewöhnlichen Konzerterlebnis.

Das Schülerorchester unter der Leitung von Bianca Terhörne eröffnete mit „Colonel Bogey“ mit dem bekannten Pfeif-Thema, das Konzert. Hochkonzentriert spielten sie dann „Eyes Open“, Filmmusik aus der Trilogie „Die Tribute von Panem“.

Traum von Welt ohne Krieg

Schwermütig und dramatisch ging es gemeinsam mit dem Jugendorchester unter der Leitung von Daniel Bengfort weiter mit dem Stück „A Sailors Adventure“ von Kees Vlak. Mit „Free World Fantasy“ beschrieb das Jugendorchester musikalisch den Traum von einer Welt ohne Krieg. Regelrecht ansteckend wirkte der flotte Rhythmus bei „King’s Mountain Adventure“.

Frisch und souverän moderierten Sophie Telöken und Mathias Sarholz vom Jugend- und Schülerorchester durch den ersten Teil des Konzertes. Der zweite Teil verlangte nicht nur dem Hauptorchester sondern auch den Zuhörern einiges an Konzentration ab. Die musikalische Zusammenfassung des Musicals „Miss Saigon“ erzählte von der tragischen Liebe der Vietnamesin Kim zum Amerikaner Chris.

Akustisches Kopfkino

Die Musikkapelle schaffte es, beim Publikum ein wahres Kopfkino auszulösen. Asiatische Klänge wechselten mit dramatischen Harmonien und harten Dissonanzen ab. Der fröhliche Marsch „Aces high March“ beschreibt den unbändigen Stolz der britischen Nation auf ihre Luftwaffenpiloten, die zum ersten Weltkrieg wie Könige gefeiert wurden.

Versöhnliche Töne klangen mit dem gefühlvollen Lied „Somewhere“ aus der „West Side Story“. „Banja Luka“, komponiert für einen Ort dieses Namens im ehemaligen Jugoslawien, der unbeschreibliches Leid erfahren musste. Das Orchester spielte unter Linderhofs Leitung mit bravourösen Saxophon-Soloeinlagen von Daniela Hesseling (Bariton) und Hermann-Joseph Bengfort (Sopran).

Gefühl und Tiefgang

Ruhig und getragen gestaltete sich „Rememberance Day“ als Erinnerung an die Kriegsopfer und bei „Morricone’s Melody“ glänzte Laura Spitz an der Oboe. Als befreienden Abschluss des Konzerts spielten die Musiker „Olympic Spirit“. „Die Menschen wollen immer Kräfte messen. Beim Sport können sie das tun, ohne dass jemand verletzt wird“, kommentierte Wanning. Ein Konzert, das unter die Haut ging, meisterlich gespielt, mit viel Gefühl, Tiefgang und Leidenschaft. Der voll besetzte Saal dankte mit Standing Ovations und lang anhaltendem Applaus.

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