Besuch in der Backstube: Johannes Röring hält Bonpflicht für Idee blutleerer Finanzbeamter

rnDiskussion um Bonpflicht

Freitagmorgen früh um vier Uhr hat Bundestagsabgeordneter Johannes Röring (CDU) Bäckermeister Michael Tenk besucht. Die Bonpflicht kritisiert er scharf, versprechen will er aber nichts.

Südlohn

, 24.01.2020, 07:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist 4 Uhr am Freitagmorgen, das Münsterland schläft noch tief und fest. Nur in der Backstube von Michael Tenk brennt längst Licht. Die ersten Brötchen sind schon im Ofen. An diesem Morgen hat er prominente Unterstützung: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Röring ist zu Besuch. Es geht um ein Gesetz, gegen das Michael Tenk seit Wochen Sturm läuft: die Bonpflicht.

„Es ist unverfroren, fleißige Leute so unter Generalverdacht zu stellen“, sagt Johannes Röring. Einen Moment hat er mit Michael Tenk zusammen Brötchen geformt und sich den Betrieb zeigen lassen. Dabei stehen die beiden dem Gesellen und der Auszubildenden in der Backstube aber eher im Weg.

Sie setzen sich schließlich zu Kaffee und Brötchen an einen Tisch. Die Diskussion ist beiden an diesem frühen Morgen wichtiger als das Praktikum in der Backstube.

Röring: „Blutleere Finanzbeamten haben sich das ausgedacht“

Johannes Röring kritisiert die Bonpflicht weiter scharf. Die Verantwortung liege zwar in einem anderen Ministerium, aber das Gesetz sei ganz einfach unausgegoren verabschiedet worden. Er spricht von „blutleeren Finanzbeamten, die sich theoretische Dinge ausdenken“.

„Es ist unverfroren, fleißige Leute unter Generalverdacht zu stellen“, sagt Johannes Röring. Die Zuständigkeit liege zwar in einem anderen Ministerium, das Gesetz zur Bonpflicht sei aber dennoch unausgegoren.

„Es ist unverfroren, fleißige Leute unter Generalverdacht zu stellen“, sagt Johannes Röring. Die Zuständigkeit liege zwar in einem anderen Ministerium, das Gesetz zur Bonpflicht sei aber dennoch unausgegoren. © Stephan Teine

Früher habe er im Wahlkampf noch davon gesprochen, Bürokratie abbauen zu wollen. „Daran glaube ich heute nicht mehr“, schiebt er hinterher. Aber wer will solche Bürokratie? Die Schraube wieder zurückzudrehen, sei aber kaum noch möglich.

Pessimistischer Blick in die Zukunft

Michael Tenk sieht es pessimistisch: „Meine Auszubildende wird demnächst mit der Ausbildung fertig. Dann werde ich wohl auch sonntags im Büro sitzen, weil unter der Woche dafür keine Zeit bleibt.“ Das Familienleben bleibe dabei natürlich auf der Strecke. Bürokratie greife im Handwerk immer weiter um sich. Dabei sei die Bonpflicht, die seit Anfang des Jahres gilt, nur die Spitze des Eisbergs.

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Das Thema Fachkräftemangel gelte natürlich auch für die Bäcker. Einen Ausweg sieht der Bundestagsabgeordnete dafür nicht: „Wenn man kleinen Handwerkern in den Dörfern und Städten nicht kleine Freiheiten lässt, warum sollen sie es dann noch machen“, fragt der Politiker. Die Frage bleibt unbeantwortet.

Bagatellgrenze für Bonpflicht kommt gut an

Ein Lösungsvorschlag für die aktuellen Probleme? Die Bonpflicht soll erst ab einem Wert von zehn Euro gelten. „Mit so einer Bagatellgrenze wäre schon viel geholfen“, erklärt Michael Tenk. Eine andere Idee? Ein Siegel für das Kassensystem. „Ich habe nichts gegen Kontrollen“, sagt er. Betriebe, bei denen es Probleme gibt, sollen engmaschig kontrolliert werden. Unauffällige Betriebe würden geschützt und hätten ihre Ruhe. „Das Problem ist ja, dass wir unter Generalverdacht gestellt werden“, so Michael Tenk.

Der Bäcker erklärt, der Politiker hört zu. Was das Gespräch am frühen Freitagmorgen gebracht hat, mag Michael Tenk (r.) nicht abschätzen.

Der Bäcker erklärt, der Politiker hört zu. Was das Gespräch am frühen Freitagmorgen gebracht hat, mag Michael Tenk (r.) nicht abschätzen. © Stephan Teine

Gleichzeitig regt er sich darüber auf, dass mit der Bonpflicht alle ökologischen Ansätze zunichte gemacht würden. „Wir versuchen, möglichst wenig Verpackungen zu benutzen. Gleichzeitig müssen wir jetzt meterweise Bons bedrucken“, erklärt er weiter. Zwar habe er seine Systeme auf sogenannte Ökobons umgestellt, doch unnütz seien sie immer noch. Und am Ende bringe jede Gesetzesänderung eben auch enorme Investitionen mit sich. „Eine neue Kasse oder Waage kostet schnell mehrere tausend Euro. Das können sich manche Betriebe gar nicht leisten“, sagt er.

Bäcker unter Volldampf

Der Bäcker ist jetzt richtig in Fahrt. Johannes Röring hört zu und nickt. Die Vorschläge scheinen ihm zu gefallen. Ein Gesetz könne ja auch geändert werden. „Und dieses ruft direkt danach“, sagt der Bundestagsabgeordnete. In seiner Fraktion gebe es dafür bereits eine dicke Mehrheit. „Aber dafür muss noch mehr Druck kommen“, schränkt er direkt wieder ein. Von Verbänden, von mehr Bäckern.

Die Arbeit der Verbände will Michael Tenk an diesem Morgen nicht kritisieren. Lange habe es geheißen, dass es für kleine Betriebe Ausnahmen von der Bonpflicht geben werde. Für 90 bis 95 Prozent der Betriebe sei das dann aber widerrufen worden. „Davon wurden alle überrascht“, sagt er.

Versprechen kann er nichts, aber die Vorschläge will er mitnehmen

Johannes Röring hört sich die Vorschläge ruhig an. Versprechen will er an diesem Morgen in der Backstube nichts. „Das kann ich einfach nicht. Aber ich nehme die Anregungen mit und werde mich einsetzen“, erklärt er.

Zwei Stunden hat er sich über die Bonpflicht und die Schwierigkeiten im Bäckerhandwerk unterhalten. Die Zeit nehme er sich in sitzungsfreien Wochen gerne. „Und ein Besuch in einer Backstube geht eben nur am frühen Morgen“, sagt er. Jetzt möchte er aber zurück nach Hause. Die Familie warte auf die Frühstücksbrötchen. Zum Abschied lobt er den Südlohner Bäckermeister noch einmal: „Ich finde gut, dass Sie sich einsetzen und kreative Ideen entwickeln.“

Einen Bon möchte am Freitagmorgen niemand mitnehmen

Die ersten Kunden kommen in die Bäckerei, holen sich ihre Frühstücksbrötchen oder einen Becher Kaffee. Einen Bon möchte an diesem Morgen niemand haben – auch Johannes Röring nicht.

Michael Tenk geht zurück in die Backstube. Auch abseits der Gespräche mit Politikern bleibt für ihn noch genug zu tun. Was der Termin an diesem Morgen gebracht hat, mag er nicht einschätzen. Seinen Kampf gegen die Bonpflicht will er fortführen. Seinen Söhnen allerdings werde er nicht empfehlen, den Traditionsbetrieb einmal zu übernehmen. „Bei den Arbeitszeiten und der Bürokratie mache ich das ganz bestimmt nicht“, sagt er.

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