Betrieb geht weiter – auch wenn nur ein Bruchteil der Kunden kommt

rnBlick über die Grenze

Es ist Samstagmittag, die perfekte Shopping-Zeit für die Winterswijk-Besucher vorwiegend aus dem Ruhrgebiet. Doch auch in Winterswijk herrscht gähnende Leere. Trotz der offenen Grenze.

Südlohn

, 31.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ungewohnte Leere herrscht den ganzen Samstag über auf der Winterswijker Straße in Oeding. Von den schier endlosen Autokolonnen aus dem Ruhrgebiet ist an diesem Wochenende nicht viel zu sehen. Das Coronavirus bremst auch den sonst nicht zu stoppenden Grenzverkehr.

Und wie sieht es auf der anderen Seite aus? Noch sind die Grenzübergänge ja offen.

Der große sonnenüberflutete Platz vor der Apotheke in Kotten, etwa einen Kilometer von Oeding entfernt, ist verwaist. Nur ein schwarzer Kleinwagen mit Borkener Kennzeichen steht dort. Das ist nicht normal an den Samstagen diesseits und jenseits der Grenze. Sonst gleicht der Betrieb hier dem Parkplatz vor einem Bundesliga-Stadion am Spieltag. Aber was ist in diesen Tagen schon normal…

Kaum ein Auto hat sich am Wochenende auf den Parkplatz vor der Apotheke in Kotten verirrt. Dort geht es sonst deutlich hektischer zu.

Kaum ein Auto hat sich am Wochenende auf den Parkplatz vor der Apotheke in Kotten verirrt. Dort geht es sonst deutlich hektischer zu. © Georg Beining

Ein weiteres Fahrzeug kommt aus Richtung Oeding, biegt vom Kottensweg auf den Platz ab, überquert ihn und fährt auf die kleine leere Tankstelle Hoitink nebenan zu. Die Fahrerin, nach dem Kennzeichen auch aus dem Kreis Borken, will vermutlich nur Kaffee oder Tee in der Tanke kaufen.

Theke mit Folien geschützt

Ein älteres Ehepaar verlässt gerade die Apotheke und strebt auf den schwarzen Kleinwagen zu. Drinnen steht Marjolein hinter der mit durchsichtiger Plastikfolie geschützten Ladentheke. Weiter hinten im Laden füllt gerade Kollegin Nicki ein paar Regale auf.

Marjolein wohnt in Rekken, dem kleinen Ort mit der schönen Windmühle zwischen Eibergen und Oldenkott. „Ich komme immer noch gerne ins Geschäft“, sagt sie lächelnd. „Auch wenn es im Moment etwas schwierig ist.“

Weniger Personal für weniger Kunden

Sonst sind sie samstags immer zu viert. Aber wenn nur noch etwa 20 Prozent der Kunden kommen reichen zwei Leute, sagt sie.

Die ruhige Zeit am Wochenende nutzen die Angestellten für Arbeit, die sonst liegen bleibt.

Die ruhige Zeit am Wochenende nutzen die Angestellten für Arbeit, die sonst liegen bleibt. © Georg Beining

Und man komme endlich mal dazu, wichtige Sachen zu erledigen, ergänzt sie und wedelt mit einer Inventarliste.

Verhalten auf beiden Seiten der Grenze unterscheidet sich

Ja, die Deutschen und die Niederländer verhielten sich schon unterschiedlich, stellt Marjolein nachdenklich fest und zählt Beispiele auf: „Die Deutschen haben immer Bargeld dabei, besonders die vielen älteren Leute. Die Niederländer bezahlen mit ihrer Pin-Card. Das ist im Moment das geringere Risiko für uns.“

Und dann sei da noch diese Angst bei den deutschen Kunden zu spüren: „Die wollen reden, das merke ich immer wieder. Die haben oft Angst davor, dass die Polizei an der Grenze steht und sie nicht mehr nach Hause dürfen.“

Wenn Verkäuferinnen zu Therapeuten werden

Manchmal komme sie sich mit ihren Kolleginnen vor wie Therapeuten – auch dann, wenn sie Kunden davon überzeugen müssen, dass sie nicht mehr als drei Schachteln Paracetamol mitnehmen dürfen. Sie wundert sich, kann aber die Panik dahinter nachvollziehen: „Die klauen sich manchmal die Schachteln gegenseitig aus den Einkaufskörben.“

Ein Mann mittleren Alters kommt durch die Tür. Josef Funke ist aus Borken gekommen und Stammkunde, wie so viele andere. Er schaut alle drei, vier Wochen vorbei und kauft Medikamente und Toilettenartikel. Ob sich sein Verhalten in den letzten Wochen geändert habe, so die Frage. „Klar“, sagte er in aller Ruhe. „Ich weiß, was ich zu tun habe. Ich kommen ja selbst aus der Pflege.“

Kinder haben ihr die Arbeit in der Apotheke verboten

Von hinten aus dem Laden erscheint dann noch eine Kollegin von Marjolein und Nicki, die ihre Einräumarbeit keinen Moment unterbrochen hat. Die Frau ist an diesem Samstag sichtbar nicht im Dienst und etwas älter als ihre gerade aktiven Kolleginnen. Sie hat ein paar Teile eingekauft in ihrer Apotheke „Ich bekomme schon Rente, und arbeite immer gerne hier“, bekräftigt sie. „Aber meine Kinder haben es mir jetzt verboten. Doch eins ist sicher. Wir stehen das durch und lachen weiter!“

Lesen Sie jetzt