Bienenfreund hofft auf Imker-Nachwuchs

Ottmar Roswora

Eigentlich hat es nur Vorteile. Wer sich wie Ottmar Roswora intensiv mit dem Imkern befasst, muss zu diesem Schluss kommen. Aber es gibt Probleme.

Südlohn

, 26.01.2018, 17:23 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bienenfreund hofft auf Imker-Nachwuchs

Imker Ottmar Roswora bei den Bienenstöcken, die er auf seinem Grundstock stehen hat. © Foto: Thorsten Ohm

Ottmar Roswora mahnt zur Vorsicht. „Lieber etwas Abstand halten!“ Vorsichtig hebt der Imker die Abdeckung an. Bienen kommen darunter zum Vorschein. Doch das Volk lässt sich von dem überraschenden Lichteinfall ebenso wenig stören wie vom Temperatursturz.

Ottmar Roswora kennt sich aus mit den kleinen Honigbringern. Der 67-Jährige hat bereits im Jahr 1980 zum Imkern gefunden. Er engagiert sich in seinem Hobby über die Pflege der eigenen sieben Völker hinaus: als Bienensachverständiger ebenso wie als Schulungsreferent.

Vor drei Jahren ist er nach Südlohn gekommen. Sein neues Zuhause im Außenbereich bietet ihm beste Möglichkeiten, seiner Leidenschaft nachzugehen. Und die Bienen hätten ihm bereits viele Kontakte in seiner neuen Heimat eröffnet. Er hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal einen Lehrgang angeboten, der gleich gut besucht war: 28 neue Imker gingen daraus hervor.

Imkerei am Boden

Nachwuchs, den die Region dringend benötigt, wie Ottmar Roswora feststellt: „Die Imkerei liegt hier ziemlich am Boden.“ Er macht diese Aussage an verschiedenen Punkten fest. So gebe es zum Beispiel in Südlohn keinen eigenen Imkerverein mehr, die Zahl der Imker sei insgesamt niedrig im Vergleich mit anderen Regionen. Das Ziel Ottmar Rosworas lautet: „Ich möchte dazu beitragen, das Imkern wieder populärer zu machen.“

Der Imker versteht sich nicht als Einzelkämpfer. Er will im Verband mit den Imkern in der Region vorgehen, sucht dazu den Schulterschluss mit den Vereinen. Er selbst kommt aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Dort sei es erfolgreich gelungen, der Imkerei wieder eine breitere Basis zu verschaffen. Kontakte zu Bienenwissenschaftlern hätten dazu beigetragen: „Dadurch hatten wir eine sehr gute Ausbildung dort.“

Ottmar Roswora will diese Arbeit fortsetzen. Er freut sich darüber, dass die 28 neuen Imker nach seinem Lehrgang mit eigenen Bienenvölkern an den Start gegangen sind. Sie sind im Kurs bereits quasi eine Beziehung dazu eingegangen: Die angehenden Jungimker bekommen ein kleines Ableger-Volk, das es aufzufüttern gilt. Nach dem Überwintern wandelt es sich zum sogenannten Wirtschaftsvolk: Der Imker kann nun einen Ertrag von Honig erwarten.

Bienenfreund hofft auf Imker-Nachwuchs

Der Blick in den Bienenstock: Die kleinen Insekten lassen es gerade eher ruhig angehen. Doch schon bald werden sie wieder ausschwärmen – und am Ende damit einen wichtigen Beitrag für die Natur leisten. © Foto: Thorsten Ohm

Die Kursteilnehmer verlieren bei einem kleinen Bienenvolk schnell die Angst“, erläutert Ottmar Roswora sein Konzept. Die Teilnehmer treffen sich während des Lehrgangs monatlich samstags, erwerben neues Wissen rund um ihr Hobby und tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. Und am Anfang steht wie so oft die Theorie – ohne sie geht es auch beim Imkern nicht.

Warum Imkern? Ottmar Roswora muss bei dieser Frage nicht lange überlegen: „Das Imkern fördert einen bewussteren Umgang mit der Natur.“ Wer imkert, habe einen ganz anderen Blick auf seine Umwelt. „Jede blühende Pflanze wird anders betrachtet.“ Ein Imker beurteilt sie nicht nach ihrem Äußeren, sondern nach ihrem Nutzen für die Bienen.

Gefahr für Bienen

Imkern, das sei angewandter Naturschutz. Ottmar Roswora hat viele Fakten parat: Ohne Bestäubung gäbe es 80 Prozent weniger Obst und Gemüse auf dem Markt. „Die Bestäubungsleistung liegt allein in Deutschland jährlich bei 22 Milliarden Euro“, richtet der Imker den Blick auf die wirtschaftliche Dimension. Die Biene sei nach Rind und Schwein das wichtigste Tier.

Doch die Freude am Imkern ist nicht ungetrübt. Gefahren drohen den Bienenvölkern, die Ottmar Roswora nicht verschweigt: „Die Varroa-Milbe hat die Situation sehr verschlechtert.“ Befällt sie ein Volk, muss ein Imker schnell handeln. „Auch deswegen sind die Schulungen wichtig.“ Die wichtigste Aufgabe des Imkers heute sei es, die Varroa-Milbe wirkungsvoll zu bekämpfen.

Und wie steht es um die Frage, ob die Bienen heute noch eine ausreichende Nahrungsgrundlage besitzen? „Im Frühjahr geht es, da bringen die Obstbäume viel“, sagt Ottmar Roswora. Im Sommer werde es aber schwieriger. Das liege an den heute stark verbreiteten Monokulturen in der Landwirtschaft. Das schlage sich nieder, zum Beispiel in einem Rückgang bei den Insekten. Das Imkern – ein weites Feld, das viele positive Erfahrungen vermitteln könne, wirbt Ottmar Roswora: „Es macht Freude, mit den Bienen zu arbeiten.“ Sie faszinierten auch durch ihren Zusammenhalt: „Davon könnten die Menschen etwas lernen.“

Ruhige Zeit

Jetzt im Winter kann Ottmar Roswora es ruhiger angehen lassen. Zu tun gibt es aber immer etwas, und so kümmert sich der Imker um den Zustand seiner Bienenkästen. 30 bis 35 Kilo Honig, so viel bringen die sieben Völker jährlich. Ein Lebensmittel, das gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könne: „Deutscher Imkerhonig ist ein ganz individuelles Produkt.“

Ein Produkt, das die Imker jährlich auf den Prüfstand stellen: „Der Landesverband beurteilt Honigproben.“ Das Ergebnis ist auch ein Stück Anerkennung: Ottmar Roswora freut es, wenn sein Honig ausgezeichnet wird. Eine der vielen schönen Seiten, die das Hobby Imkern bereithält. Auch wenn man manchmal vorsichtig sein muss.

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