Werner Bomkamp, Norbert Dönnebrink und Ernst Bennemann vom Heimatverein Südlohn am Beginn des Zeitstrahls zur Geschichte Südlohns, dem zentralen Element des Geschichts- und Naturkundewegs. Dieser ist dank der Unterstützung vieler nun fertiggestellt worden. © Michael Schley
Erlebnispfad

„Bildung an der frischen Luft“ auf 70 Metern – dies auch auf Plattdeutsch

Auf 70 barrierefreien Metern hat der Heimatverein Südlohn einen Geschichts- und Naturkundeweg geschaffen. Per Smartphone und QR-Code gibt es Erläuterungen – auch von Kindern und für Kinder.

Ernst Bennemann steht vor der Tafel „Historische Bauwerke“, er hält sein Smartphone an den QR-Code. Eine Kinderstimme erklingt und liefert dem Betrachter Erläuterungen. Wohlgemerkt auf Plattdeutsch. Darauf ist der Vorsitzende des Heimatvereins Südlohn besonders stolz.

Rund 70 Meter lang ist der Geschichts- und Naturkundeweg, den der Heimatverein Südlohn nun präsentieren kann. Direkt an der Robert-Bosch-Straße an der Heimathütte, der es auch nur noch am Interieur fehlt.

Zufrieden wirken Ernst Bennemann, Werner Bomkamp, speziell verantwortlich für die Bauweise der Hütte, und Norbert Dönnebrink, der zweite Vorsitzende des Vereins, am Dienstagmorgen. Das, was man sich zum Ziel gesetzt hatte, scheint gelungen. „Unser Plan war es, nicht nur eine Schutzhütte zu bauen, sondern einen Aufenthaltsort mit Erlebnischarakter zu schaffen“, erklärt Bennemann. Geprägt von Informationen – „natürlich vor allem über unser Südlohn“.

Zentraler Bestandteil des Pfades ist eine Zeitlinie zur Geschichte der Gemeinde – von 792 bis heute. Man wollte aber „noch ein wenig mehr“: „Meine Frau ist dann darauf gekommen, die Natur zum Thema zu machen“, so Bennemann. Schließlich sei man als Heimatverein auch der Natur verpflichtet.

Rund 70 Meter ist der Geschichts- und Naturkundeweg lang. Er ist barrierefrei, spricht alle Generationen an und schließt sich nahtlos an die Heimathütte an.
Rund 70 Meter ist der Geschichts- und Naturkundeweg lang. Er ist barrierefrei, spricht alle Generationen an und schließt sich nahtlos an die Heimathütte an. © Michael Schley © Michael Schley

Und so reihen sich Geschichtstafeln zur katholischen Kirche, zu Friedhöfen und Gedenksteinen sowie Bildstöcken und Wegekreuzen nahtlos an Naturtafeln zu heimischen Vögeln, zu Blühstreifen oder auch Bienen und Rehwild. „Mein Freund, der Baum“ widmet sich den Bäumen in der Region.

Und zum Thema Baum hat sich der Verein etwas Besonderes einfallen lassen: ein Quiz. „Das wird vor allem auch Schulklassen ansprechen, die den Pfad besuchen“, ist Bennemann überzeugt. Beim familienfreundlichen Naturkundeweg wurde der Verein übrigens von der Südlohner Biologin Dietlind Geiger-Roswora beraten.

Um den Geschichts- und Naturkundeweg auf seinen 70 Metern auf dem von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Gelände auch gegen Beschädigungen und Vandalismus zu schützen, wurde eine besonders solide Konstruktion gewählt: ein starkes Trägersystem, Pfosten mit Pinienzapfen als dekorative Elemente, Edelstahlkästen zur Aufnahme der Info-Tafeln. Alles auch dank tatkräftiger Unterstützung von lokalen Firmen.

„Wie die Heimathütte auch ist der Weg ein Gemeinschaftswerk von vielen“, berichtet Werner Bomkamp. Die einen hätten ihr Wissen eingebracht, die anderen mit angepackt – neben der großen Unterstützung durch Verwaltung und Wirtschaft seien die Mitglieder und auch Nachbarschaften zu nennen.

Auch der Heimatverein zeigt sich digital, der Vorsitzende Ernst Bennemann zeigt es: Per Smartphone und QR-Code gibt es an den verschiedenen Tafeln Erläuterungen, sogar auch von Kindern.
Auch der Heimatverein zeigt sich digital, der Vorsitzende Ernst Bennemann zeigt es: Per Smartphone und QR-Code gibt es an den verschiedenen Tafeln Erläuterungen, sogar auch von Kindern. © Michael Schley © Michael Schley

Wichtig auch: Der gesamte Weg ist barrierefrei nutzbar, auch der benachbarte Radweg wird eingebunden. „Wir denken, dass wir so an dieser belebten Stelle am Ortseingang einen prominenten Ort gefunden haben, der alle ansprechen wird“, sagt Norbert Dönnebrink.

Die erste Resonanz sei vielversprechend. „Wir hören immer wieder, dass es sich gelohnt hat, dieses Projekt zu unterstützen“, so Norbert Dönnebrink.

Die hohe Identifikation sei auch dem Heimatverein wichtig, möglichst viele sollen sich darin wiederfinden. So wie an der Tafel am Anfang, auf der sämtliche Bauernhöfe im Umland eingezeichnet sind. „Da hat man schon so manche Diskussion gehört“, schmunzelt Werner Bomkamp.

Der Verein komme mit diesem Projekt nicht zuletzt seinen kulturbezogenen Inhalten nach, ergänzt Ernst Bennemann: zum Beispiel der Bau-, der Erinnerungs-, der Geschichts-, aber auch der Sprachkultur. Eben mit Wahrung der plattdeutschen Sprache. „Bildung an der frischen Luft“, bringt es Werner Bomkamp auf den Punkt. Das habe eine andere Qualität als vielleicht hinter Mauern versteckt.

Nachdem der Verein nun schon „viel Strecke gemacht“ hat, blickt er schon auf das Finale voraus: Im Frühjahr 2022 hofft man, die Heimathütte vollenden zu können. Das Eiche-Ständerwerk in traditioneller Bauweise mit Zapfenverbindungen, rote Tondachziegel, ebenso roter Klinker, weiße Fenster – die typisch münsterländische und sehr massive Bauweise ist erkennbar.

Nun fehlen noch zum Beispiel Tische und Bänke. „Das wird dann spätestens im Frühjahr etwas“, erklärt Norbert Dönnebrink – Eile sei aber keine geboten. Auch bisher gab es die eine oder andere Verzögerung, wie aktuell an so vielen Stellen gerade auf dem Bau. Das sei zu verkraften, das Ergebnis sei entscheidend.

Direkt an der Robert-Bosch-Straße sind Heimathütte und Geschichts- und Naturkundeweg gelegen. Die belebte Route wird nun um eine weitere Attraktion bereichert.
Direkt an der Robert-Bosch-Straße sind Heimathütte und Geschichts- und Naturkundeweg gelegen. Die belebte Route wird nun um eine weitere Attraktion bereichert. © Michael Schley © Michael Schley

Froh ist man, dass das Projekt noch gerade rechtzeitig angestoßen wurde. „Wer sich die aktuelle Entwicklung bei den Preisen ansieht …“. Werner Bomkamp weiß, dass die Umsetzung nun an andere Rahmenbedingungen gebunden wäre.

Land und Gemeinde fördern die Schutzhütte des Heimatvereins mit 20.000 Euro. Außerdem fließen Mittel aus dem Vital-Förderprogramm Berkel-Schlinge. Zusammen mit Eigenmitteln des Heimatvereins und Firmenspenden ist die Finanzierung des Hüttenbaus gesichert.

Gesichert ist auch die Wasser- und Stromversorgung bereits, was auch gastronomische Angebote denkbar erscheinen lässt. Nun plant man noch eine Ladestation für E-Bikes, dazu hofft man noch entsprechende Fördertöpfe zu finden. Doch auch das sieht man gelassen.

Vorher soll noch eine Einrichtung den Pfad abrunden: Zwei Zaunelemente am Ende sind noch verwaist – dort wird bald „Heimat Südlohn“ zu lesen sein, neben einem Fahrrad aus Edelstahl. „In blutoranger Farbe“, sagt Ernst Bennemann und lacht.

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