„Bodenlose Frechheit“: Bäcker Michael Tenk geht mit dem Spiegel hart ins Gericht

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Die Berichterstattung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zur Bon-Pflicht ärgere ihn. Diese grenze an Verleumdung und Rufmord, so Bäckermeister Michael Tenk. Das Gespräch suche er dennoch.

von Hendrik Bücker

Südlohn

, 28.12.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um seinen Unmut über die 2020 in Kraft tretende gesetzliche Kassenbon-Pflicht auszudrücken, veröffentlichte der Südlohner Bäckermeister Michael Tenk auf Facebook ein Foto von rund 600 Kassenbons, die er vor seinem Verkaufstresen ausbreitete: das Resultat eines einzigen Tages.

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Nicht nur auf Facebook, wo das Bild bis heute über 3000 Mal geteilt wurde, schlug es hohe Wellen. Auch in den regionalen und deutschlandweiten Medien fand die Aktion ein großes Echo. Das Magazin Der Spiegel schrieb unter anderem von einer „PR-Aktion der Bäcker“ und, dass die Bäcker „weiter Steuern hinterziehen wollen.“ Wie Michael Tenk das Medienecho wahrgenommen hat, darüber sprach er mit unserer Redaktion.

Ihr Beitrag auf Facebook hat eine regelrechte Lawine losgetreten. Waren Sie selbst davon überrascht?
Als ich das Bild hochlud, rechnete ich höchstens mit 50 Likes und ein paar Kommentaren. Den restlichen Tag habe ich dann ganz normal mit der Familie verbracht. Erst am nächsten Morgen wurde mir bewusst, wieviele Reaktionen mein Beitrag hervorrief. Tags darauf stand das Telefon nicht mehr still. Erst meldeten sich einige Lokalsender und Onlinemedien, später ging die Geschichte dann deutschlandweit. Die folgenden zweieinhalb Wochen waren zwar anstrengend für die ganze Familie, da die Medienanfragen und die Termine, auch mit Vetretern aus der Politik, viel Zeit in Anspruch genommen haben, doch es hat sich gelohnt.

Ihr Anliegen sehen Sie in den Medien also gut vertreten?
Für das Bäckerhandwerk sehe ich durchaus positive Auswirkungen. Die Bon-Pflicht halte ich, wie viele meiner Kunden auch, für Unsinn und mein Foto hat dazu beigetragen, das Thema stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. Erst kürzlich debattierte der Bundestag wieder über die Bon-Pflicht. Die Berichterstattung in den Medien habe ich als mehrheitlich positiv wahrgenommen. Auf Facebook erhielt ich ebenso größtenteils Zuspruch, doch natürlich gibt es auch Befürworter einer Bon-Pflicht, die meinen Beitrag kritisierten.

Auch Der Spiegel griff das Thema auf und schrieb, Ihr Facebook-Beitrag sei eine PR-Aktion der Bäcker. Können Sie das bestätigen?
Nein, das war keine durchgeplante PR-Aktion. Ich allein stehe hinter dem Foto, mit dem ich lediglich den Unsinn der Bon-Pflicht verdeutlichen wollte. Dass ich damit so viele Menschen erreichen würde, damit konnte ich nicht rechnen.

Mit dem Artikel, den Der Spiegel mit Ihrem Konterfei veröffentlichte, sind Sie aber noch aus anderen Gründen unzufrieden, wie einem neuen Facebook-Beitrag zu entnehmen ist.
Die Schlagzeile „Schwarzbrot“ geht gar nicht. Damit werden alle Bäcker unter Generalverdacht gestellt, Steuern zu hinterziehen. Es gibt zwar in allen Branchen schwarze Schafe, doch es gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Mich dort allerdings abzubilden, ist eine bodenlose Frechheit. Ich werde hierdurch in die Nähe des Straftatbestands des Steuerbetrugs gerückt. In meinen Augen grenzt das an Verleumdung und versuchtem Rufmord. Die entsprechende Ausgabe des Spiegels habe ich übrigens gekauft – und keinen Kassenbon erhalten.

Dennoch wollen Sie die Angelegenheit friedlich klären?

Ja, natürlich. Ich habe mich an den verantwortlichen Redakteur gewandt und deutlich gemacht, dass ich mit dem Artikel nicht einverstanden bin. Ich tauschte mich noch mehrfach mit der Redaktion aus und wir einigten uns darauf, dass im kommenden Jahr Vertreter des Spiegels und ich hier in meiner Bäckerei ein Gespräch führen werden, um die Wogen zu glätten. Dem Termin blicke ich gespannt entgegen.

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