Brookhütte geräumt – „Kaiser von Hundewick“ verließ „sein“ Domizil nur unter Protest

rnObdachloser in der Brookhütte

Die Gemeinde Südlohn hat die Brookhütte, die der selbst ernannte „Kaiser von Hundewick“ zu seinem Domizil gemacht hatte, am Dienstag geräumt. Und vorsichtshalber auch abgebaut. Und nun?

Südlohn

, 11.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Jahren lebte ein Obachloser in der Radschutzhütte in der Südlohner Bauerschaft Eschlohn. Der selbst ernannte „Kaiser von Hundewick“, der in seiner eigenen Welt lebt, hatte sich die Brookhütte als Lebensmittelpunkt ausgesucht. Seit Dienstagmorgen gibt es die Hütte nicht mehr: Die Gemeinde Südlohn hat die Hütte geräumt und danach gleich abgebaut. Es ging offenbar friedlich zu.

Ordnungsverfügung wurde zugestellt

Am Tag danach teilt Bürgermeister Christian Vedder unserer Redaktion den neuen Stand der Dinge mit. Über seinen rechtlichen Betreuer sei dem 68-jährigen Obdachlosen eine Ordnungsverfügung zugestellt worden. In dem Schreiben, das per Einschreiben und per Fax zum Büro des Betreuers geschickt worden war, hatte die Gemeinde noch einmal ihren rechlichten Standpunkt klar gemacht und eine Räumungsfrist gesetzt, wie der Bürgermeister auf Anfrage erläuterte.

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Vom Zivilrecht her sei es so, dass der „Kaiser“ die Hütte, die öffentliches Eigentum ist, widerrechtlich in seinen Besitz gebracht habe. Zuletzt, nach dem ersten Räumungsversuch, hatte der Obdachlose die Bauzäune mit Ketten verstärkt und Schlösser angebracht. Die andere Komponente ist das Ordnungsrecht der Gemeinde: Danach ist es nicht erlaubt, in den Radschutzhütten zu übernachten geschweige denn darin zu wohnen.

Frist ist am Montag abgelaufen

„Die Frist ist am Montag abgelaufen. Wir haben nachgesehen, und er war noch da“, erzählte Christian Vedder. Vom rechtlichen Betreuer war keine Rückmeldung und kein Widerspruch gegen die Ordnungsverfügung gekommen. „Daher war die Gemeinde Südlohn gezwungen, die Inhalte der Ordnungsverfügung durchzusetzen“, so der Bürgermeister. Die Gemeinde holte sich Amtshilfe bei der Kreispolizeibehörde, die mit fünf Beamten bei der Räumung vor Ort war, und auch der sozialpsychiatrische Dienst war personell vertreten.

Der „Kaiser von Hundewick“ protestierte gegen die Räumung, aber „nur“ verbal. Wie berichtet, hatte der Obdachlose den Bürgermeister beim letzten Räumungsversuch tätlich angegriffen. „Wir haben das professionell und leise durchgezogen“, fasst Vedder zusammen. Das bestätigt die Pressestelle der Polizei auf Anfrage: Von 9 Uhr bis 9.40 seien die Beamten zugegen gewesen, der Obdachlose sei friedlich geblieben.

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Der „Kaiser von Hundewick“ habe sich dieses Mal nur verbal gewehrt. Er habe deutlich gemacht, dass gegen seine Rechte verstoßen werde und die Hütte sein Eigentum sei, fasste Christian Vedder zusammen. Er selbst habe sich als Bürgermeister zu erkennen gegeben, was von dem Obdachlosen aber auch als nicht richtig abgetan worden sei. Aber unflätig sei der „Kaiser“ nicht geworden.

Der 68-Jährige habe sich zum Zeitpunkt der Räumung in der Hütte aufgehalten, mit einem Bolzenschneider hätten die Bauhof-Mitarbeiter dann die per Schloss gesicherten Ketten durchtrennt. Der Obdachlose habe seinen Rollkoffer mit persönlichen Dingen genommen und sei zu Fuß weggegangen.

Brookhütte geräumt – „Kaiser von Hundewick“ verließ „sein“ Domizil nur unter Protest

© Stephan Teine

Zunächst hätten die Bauhof-Mitarbeiter die weiteren persönlichen Gegenstände des Obdachlosen – soweit möglich, so Vedder – in Umzugskartons verpackt. Diese sind nun bei der Gemeinde eingelagert und können abgeholt werden. Der Betreuer sei informiert, auch über die Möglichkeit, die persönlichen Gegenstände nach Absprache abzuholen, so der Bürgermeister in seiner Mitteilung.

„Aus fachlicher Sicht eine sinnvolle Lösung“

Dann haben die Bauhofmitarbeiter die Hütte abgebaut. Warum das? Christian Vedder verteidigt dieses Vorgehen: „Aus den vielen Gesprächen, die wir geführt haben, war der Abbau der Hütte aus fachlicher Sicht eine sinnvolle Lösung.“ Die Frage, wohin es den Obdachlosen jetzt zieht, ist Spekulation. Hoffnung und Wunsch des Bürgermeisters ist es, dass der „Kaiser“ die über seinen rechtlichen Betreuer für ihn angemietete Jagdhütte in der Nähe des Flugplatzes Stadtlohn-Vreden als Wohnort wählt. „Er kann sich aufhalten, wo er möchte, am besten in der Hütte“, so Christian Vedder.

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Die Lösung mit der Ordnungsverfügung und Räumung der Brookhütte hätte er natürlich auch viel eher angehen können. Aber Christian Vedder bleibt dabei: „Mein Ansinnen war es, für den Mann eine Lösung zu finden. Ich habe mich einiger Kritik aussetzen müssen.“ Er habe sowohl Zuspruch als auch Ablehnung erfahren für seine Haltung in dieser Sache.

Es habe gedauert, das sei richtig. Aber dann gab es die Lösung mit der Jagdhütte.

Danach hat die Gemeinde noch abgewartet und zuletzt noch an einem Tisch mit Vertretern aller beteiligten Behörden gesessen und ein mögliches Vorgehen besprochen. Letztlich aber es dann doch zur Ordnungsverfügung gekommen.

Ehrenamtlicher Begleiter ist besorgt

Der ehrenamtliche Begleiter des Obdachlosen, der sich in den vergangenen Monaten bemüht hatte, den „Kaiser“ von der Jagdhütte als neuen Wohnsitz zu überzeugen, zeigte sich in Sorge. Er könne im Moment nicht sagen, wo der Obdachlose sich aufhalte. An der Jagdhütte hatte er ihn zumindest am Mittwochmittag nicht angetroffen. Aber der Obdachlose habe einen Schlüssel für die Unterkunft.

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