„China-Seuche“ bedroht Kaninchen

Tödlicher RHD-Virus

Ein mutierter Virus bedroht in NRW ganze Bestände von Wild- und Hauskaninchen. "Das ist eine Katastrophe", findet der erfolgreiche Südlohner Züchter Wolfgang Knuth - hat aber auch gute Nachrichten parat.

Südlohn

von Steffen Maas

, 18.08.2016, 18:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
„China-Seuche“ bedroht Kaninchen

Einer der Schecken von Wolfang Knuth.

Wenn Wolfgang Knuth zur Zeit seinen Stall öffnet, tut er das immer mit einem mulmigen Gefühl. "Die Tiere können morgens noch fressen und abends schon tot sein", erklärt der Züchter. Grund dafür ist die hochinfektiöse "Chinaseuche" mit dem RHD-Virus. Seit 15 Jahren ist der in West-Europa unterwegs, ein Impfstoff schützt die Tiere. Jetzt schwappt der mutierte RHDV2 aus Frankreich herüber, der bei den Vierbeinern innere Blutungen verursacht und sie in kürzester Zeit dahinrafft. "Es gibt keine Symptome, an denen man es erkennen könnte", bedauert Knuth.

Insekten als Überträger

Übertragen wird RHDV2 wie sein Vorgänger über Wildkaninchen, Schadnager oder über das Futter. Auch blutsaugende Insekten können das Virus übertragen. Der milde Winter, den viele Mücken überstanden haben, könnte also ein Grund für die seit Frühjahr beschleunigte Ausbreitung sein. Wolfgang Knuth und seine 30 Zuchttiere haben glücklicherweise noch keine Verluste zu beklagen. "Im Verein impfen wir die Bestände seit Jahren zum Schutz vor dem ersten Virus durch", erzählt der 72-Jährige. "Ob es daran liegt oder wir einfach Glück haben, kann ich nicht sagen."

Kein Grünfutter pflücken

Generell sei man in Fachkreisen über den Virus informiert, wichtig sei ihm jetzt auch private Halter zu warnen: "Das Gefühl, sein Tier so zu sehen, möchte ich jedem ersparen." Der Impfstoff für die frühere Variante des Virus könne immer noch beim Schutz der Kaninchen helfen, so Knuth. "Ansonsten würde ich die Tiere im Moment nicht rausstellen, zumindest nicht dorthin, wo Wildkaninchen hinkommen und Grünfutter ist", rät der Südlohner. Auch vom Pflücken und verfüttern von Grünfutter raten Fachleute momentan ab. "Richtigen Schutz bietet aber eigentlich nur ein neu entwickelter Impfstoff", unterstreicht Knuth.

Neues Mittel in Sicht

Und gerade da gibt es ganz aktuell gute Nachrichten: "Der Präsident des Zentralverbandes hat am Mittwoch verkündet, dass die Verfügbarkeit eines neuen Mittels absehbar ist." Bisher war der Impfstoff nur in Spanien und Frankreich verfügbar, wo Kaninchen bedeutend häufiger für den Lebensmittelkonsum gezüchtet werden. Ab September soll der Impfstoff gegen RHDV2 wohl auch für deutsche Tierärzte zugänglich sein.

Kreisjugendschau abgesagt

Bis dahin ist Vorsicht das Gebot der Stunde, auch für Wolfgang Knuth und seine Englischen Schecken. Die Kreisjugendschau wurde abgesagt, auch die Tierbesprechungen, bei denen die Münsterländer Züchter mit ihren Langohren zusammen kommen, fielen ins Wasser. Richtig aber schade, findet Knuth: "Die Gesellschaft und die sozialen Kontakte sind ein großer Grund, warum die Zucht so viel Spaß macht." Die Lokalschau des Südlohner Kaninchenzuchtvereins W175 ist derweil noch nicht abgesagt: "Wir glauben, dass es sich bis dahin beruhigt hat", hofft Wolfgang Knuth auf ein wenig Glück, viel Vorsicht und den neuen Impfstoff.

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