Clemens und Monika Seggewiß sind froh über die Grenzverschiebung

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Wohn- und Badezimmer liegen in Burlo, die Küche in Oeding: Clemens und Monika Seggewiß leben mitten auf der Grenze zwischen den beiden Gemeinden. Das soll sich ändern. „Zum Glück“, finden beide.

Südlohn

, 05.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Clemens Seggewiß 1979 begann, sein Haus in der Hedwigstraße in Burlo zu bauen, wusste er, worauf er sich einlässt: 865 Quadratmeter seines Grundstücks liegen in Burlo. 225 Quadratmeter liegen in Oeding. Die Gemeindegrenze verläuft mitten durch sein Wohnzimmer.

Der Blick in den Grundstücksplan zeigt es: Die Grenzlinie zwischen Oeding und Burlo läuft mitten durch das Haus von Clemens und Monika Seggewiß.

Der Blick in den Grundstücksplan zeigt es: Die Grenzlinie zwischen Oeding und Burlo läuft mitten durch das Haus von Clemens und Monika Seggewiß. © Stephan Teine

„Das Grundstück war damals ein Bolzplatz direkt am Anfang der Straße“, sagt der 58-Jährige. Schon eine Baugenehmigung zu bekommen, sei damals eine Riesenrennerei gewesen. Vom Borkener Rathaus wurde er nach Südlohn geschickt und umgekehrt. „Eigentlich war das hier ja gar kein Grundstück mehr“, sagt er. Schließlich habe es dann aber doch geklappt. 1982 zog er mit seiner Familie ein und lebte fortan mit der Grenze auf dem Grundstück.

Im Alltag war die Grenze kein Thema

„Im Alltag war das eigentlich nie ein Thema“, sagt er heute. Absprachen mit den beiden Rathäusern wurden auf dem kleinen Dienstweg erledigt, erklärt er. Etwa die Müllabfuhr oder die Kinderbetreuung. Klar, man habe immer Anträge stellen müssen, aber am Ende habe das gut funktioniert. Auch in der Nachbarschaft sei das so gelaufen.

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Trotzdem ist er jetzt froh, dass die Gemeindegrenze verschoben werden soll. „Das ist ja eigentlich längst fällig“, sagt er. Weil seine Haustür immer schon in Richtung Burloer Gemeindegebiet gezeigt habe, sei es zwar eigentlich eindeutig gewesen, wo sein Haus hingehört. Doch sowohl die Paketzustellung als auch ein Notruf in die Straße sei früher ein Problem gewesen. „Heute funktionieren die Navigationsgeräte ja deutlich besser“, schränkt er ein. Doch immer noch sei es ein Problem zu erklären, wie die Adresszuordnung in seiner Straße funktioniert. „Wir wohnen an der Hedwigstraße 1. Unsere direkten Nachbarn leben aber an der Straße Feld“, erklärt er schmunzelnd. Welcher Auswärtige solle das verstehen?

Hedwigstraße oder Feld: Eine Straße, zwei Adressen. Die Gemeindegrenze soll dort verschoben werden. Den Vertrag haben Südlohns Bürgermeister Christian Vedder und seine Borkener Kollegin Mechtild Schulze Hessing schon unterschrieben. Der Kreisausschuss und die Bezirksregierung müssen die Gebietsänderung aber noch prüfen.

Hedwigstraße oder Feld: Eine Straße, zwei Adressen. Die Gemeindegrenze soll dort verschoben werden. Den Vertrag haben Südlohns Bürgermeister Christian Vedder und seine Borkener Kollegin Mechtild Schulze Hessing schon unterschrieben. Der Kreisausschuss und die Bezirksregierung müssen die Gebietsänderung aber noch prüfen. © Stephan Teine

Er erinnert sich auch noch daran, dass es nicht der erste Versuch ist, die Grenze zu begradigen. Anfang der 2000er-Jahre sei das schon einmal Thema gewesen. „Damals haben wir davon gar nichts mitbekommen“, sagt er. Die Planungen zerschlugen sich. Dieses Mal sei die Kommunikation deutlich besser gelaufen: „Bevor das in der Politik überhaupt diskutiert wurde, waren der Südlohner Bürgermeister und der Erste Beigeordnete aus Borken hier und haben gefragt, ob wir uns das überhaupt vorstellen können“, erzählt er.

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Nach anfänglicher Skepsis in der Nachbarschaft wäre die Meinung dazu aber eindeutig positiv gewesen. „Zum Glück“, sagt Clemens Seggewiß. Denn ohne eine klare Mehrheit wären die Pläne nicht weiter verfolgt worden.

270.000 Quadratmeter wechseln die Gemeinde

Insgesamt wechseln dann 270.000 Quadratmeter Grund die Gemeinde. Den Vertrag dafür haben Bürgermeister Christian Vedder und seine Borkener Kollegin Mechtild Schulze Hessing Ende Juni unterzeichnet. Dafür zahlt die Stadt Borken eine Ablöse an die Gemeinde Südlohn.

Wie hoch genau die Summe ist, lässt Bürgermeister Christian Vedder auf Nachfrage offen. „Die Gegenleistung ist nicht ganz exakt zu bezeichnen, da die Stadt Borken neben einer direkten Zahlung auch noch sanierungsbedürftige Straßen/Wege übernimmt“, erklärt er.

Kreis und Bezirksregierung prüfen Vertrag noch

Bis die Grenzlinie auf der Karte verschoben werden kann, dauert es aber noch etwas. Wie Bürgermeister Christian Vedder erklärt, diskutiert zunächst der Kreisausschuss noch über das Thema. Der tagt wieder am 1. Oktober. Danach muss die Bezirksregierung die Änderung noch billigen und schließlich aussprechen. „Ich hoffe, dass das noch im Oktober passiert“, sagt er. So lange müssen die Seggewiß‘ also noch mit der Grenze im Wohnzimmer leben.

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