Corona und die neue Normalität im Südlohner Henricus Stift

rnCorona-Resümee

Die Türen haben wieder geöffnet. Allerdings nur einige Stunden am Tag können Besucher ins Henricus Stift. Dort hat man die Corona-Zeit gut verkraftet, ist aber noch nicht zurück im Alltag.

Südlohn

, 28.07.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrere Monate hatte sich das Südlohner Henricus Stift komplett abgeschottet. Keine Besuche, keine Gottesdienste, keine Veranstaltungen, auch keine Spiele-Nachmittage. Zum Schutz von Bewohnern und Mitarbeitern vor dem gefährlichen Coronavirus und auf der Basis der Corona-Schutzverordnungen hatte Jochen Albers, Leiter des Caritas-Altenwohn- und Pflegehauses, diese unpopulären Maßnahmen ergriffen. Viele gelten jetzt nicht mehr, eine komplette Rückkehr zur Normalität ist es aber dennoch nicht.

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Was viele Außenstehende damals verwunderte, war die große Gelassenheit, mit der ein Großteil der 102 Bewohner und Bewohnerinnen auf die enormen Einschränkungen ihres Alltags reagierte: keine Panik sondern stattdessen ein sich Fügen in das Notwendige. Jochen Albers: „Viele wollen auch einfach geschützt werden.“

Harte Monate, aber...

Dennoch war es eine Zeit großer Herausforderungen für die Bewohner, und auch für die Mitarbeiter. „Da ist das Team natürlich besonders gefordert“, sagt Jochen Albers. Besonders am Anfang sei es für alle sehr schwer gewesen: „Ein Tablet kann eben doch nicht den persönlichen Besuch ersetzen.“ Und die Mitarbeiter sind dann plötzlich die einzigen Kontaktpersonen, die damit auch noch mehr an Verantwortung übernehmen.

Die Weihnachtsmarkthütte, die zwischenzeitlich kontaktlose Besuche ermöglichte, soll noch bleiben.

Gut verpackt und zurzeit auch nicht im Einsatz: Die Weihnachtsmarkthütte, die zwischenzeitlich kontaktlose Besuche ermöglichte, soll noch bleiben. Falls sie doch nochmal gebraucht werden sollte... © Till Goerke

Auch die „Verkleidung“ der Pflegekräfte, also das Tragen von Schutzanzügen inklusive Masken, brachte Probleme mit sich. „Wenn die ganze Mimik wegfällt, ist es mit der Kommunikation einfach sehr viel schwieriger“, sagt Leiter Albers.

Andererseits kann er auch von durchaus positiven „Nebenwirkungen“ der Corona-Zeit berichten. Und das überraschenderweise sogar im Bereich der von Demenz Betroffenen. Hier habe der fehlende Besuch, die Ruhe, zu einer gewissen wohltuenden „Entschleunigung“ geführt.

„Die Stimmung ist gut“

Unterm Strich spricht Jochen Albers in seiner Corona-Bilanz davon, dass man alles bislang „gut verkraftet“ habe: „Die Stimmung im Haus ist gut. Das bestätigt auch Bewohnerin Christel Bunk (71), die es allerdings vermisst hat, ihren fünf Kindern und Enkelkindern nahe zu sein. Aber: „Meine Enkelin hat sogar draußen am Brunnen für mich getanzt.“ Auch der Kontakt zu den anderen Bewohnern, die weiter in fünf Wohngruppen getrennt von einander leben, fehlt ihr. Sie spricht aber auch das aus, was viel so denken: „Wir haben Glück und sind so dankbar, dass wir hier kein Corona haben.“

Klare Regeln und Besuchszeiten

Seit dem 1. Juli ist jetzt einiges wieder viel lockerer geworden: Bewohner dürfen wieder raus und Besucher wieder rein. Allerdings gibt es nach wie vor klare Regeln. Besuche sind nur morgens von 10 bis 11.30 und von 14.30 bis 17 Uhr möglich. Wer seine Lieben im Henricus Stift besuchen möchte, muss sich zuvor registrieren lassen, eine Erklärung abgeben, dass er keine Kontakte zu Covid-19-Kranken hatte und natürlich die Maske anlegen. Und selbst das Messen der Körpertemperatur bei Besuchern gehört jetzt zur neuen Normalität im Henricus Stift.

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Nach wie vor hat man sich auch nicht von der Weihnachtsmarkthütte, die die Gemeinde seinerzeit zur Verfügung gestellt hatte, getrennt. Zwischenzeitlich eine einfache Lösung, um Besuche auf Distanz zu ermöglichen. Gebraucht wird sie zurzeit nicht. Jochen Albers aber will sie noch behalten: „Man kann ja nie wissen.“

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