Die Enkel Ella und Mats mit den „zusammengefegten“ Werken von Marietheres Böing-Stödtke: Zwei Dohlen versuchen, in der Firstspitze ihres Hauses ein Nest zu bauen. Auf dem höchstens zehn Zentimeter breiten Holzsparren bleiben die Äste aber nicht liegen und fallen der Oedingerin vor die Haustür. Seit Wochen. © Anne Winter-Weckenbrock
Dohlen

Dohlen geben nicht auf – aber statt Nest gibt es nur Dreck vor der Tür

Mangelnde Ausdauer kann man dem Dohlenpaar nicht unterstellen: Seit drei Wochen versucht es, an einem Haus in Oeding ein Nest zu bauen. Seit drei Wochen vergeblich. Alle Zweige fallen runter.

Marietheres Böing-Stödtke fragte sich vor gut drei Wochen ein paar Tage lang, warum auf einmal so viel Dreck vor ihrer Haustür lag. „Erst habe ich mir da noch nichts bei gedacht“, erzählt die Oedingerin. Aber ein Blick nach oben half ihr auf die Sprünge: Oben, in der Spitze des Dachs, versuchte ein Dohlenpärchen, Äste auf einem schmalen Holzsparren zu postieren.

„Jetzt ist Anfang der vierten Woche, und die Dohlen versuchen es immer noch“, erzählt Marietheres Böing-Stödtke am Mittwoch und lacht. Sie weiß, dass sie mit ihrer Beobachtung von nistenden Dohlen am Haus sicher nicht alleine ist in Oeding und im ganzen Westmünsterland. „Aber gerade genau vor der Haustür!“, sagt sie und schüttelt schmunzelnd den Kopf.

Die Hausfront: Oben in der Spitze der Fassade versucht ein Dohlenpärchen seit Wochen, ein Nest zu bauen. Sämtliches Nistmaterial aber fällt runter – vor die Haustür von Marietheres Böing-Stödtke.
Die Hausfront: Oben in der Spitze der Fassade versucht ein Dohlenpärchen seit Wochen, ein Nest zu bauen. Sämtliches Nistmaterial aber fällt runter – vor die Haustür von Marietheres Böing-Stödtke. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Zweimal am Tag nimmt sie den Besen und sorgt für Ordnung vor der Tür. In den Wochen ist schon einiges an Ästen und Zweigen verschiedenster Größe zusammengekommen. Einiges hat sie schon entsorgt, aber zwei Säcke voll „Nistmaterial“ hat sie schon zusammengekehrt. Sie nimmt es mit Humor, aber fragt sich allmählich doch, ob die Dohlen nicht langsam merken müssten, dass ihr Projekt zum Scheitern verdammt ist.

Statt eines Nests gibt es nur Dreck vor der Tür

„Die kommen immer mit zwei Stöcken im Schnabel an“, hat die Oedingerin beobachtet. Es ist ihr noch nicht gelungen, ein Foto von den Nestbauern zu machen. Obwohl: Scheu sind die beiden nicht so besonders, schauen Marietheres Böing-Stödtke eher herausfordernd an, wenn sie sich mal auf ihrem Hof bewegt. Und das Scheitern der Vögel beobachtet: „Die legen die Äste dann immer quer auf den Balken. Und wenn sie wegfliegen, fallen alle runter“, beschreibt sie.

Eine Dohle in  Stralsund: Oedinger Artgenossen versuchen seit  Wochen erfolglos, am Haus von Marietheres Böing-Stödtke ein Nest zu bauen.
Eine Dohle in Stralsund: Oedinger Artgenossen versuchen seit Wochen erfolglos, am Haus von Marietheres Böing-Stödtke ein Nest zu bauen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Unverdrossen aber machen die beiden weiter, und seit Ende letzter Woche bringen sie auch mit Moos oder Papierfetzen oder sonstigem weicheren Unrat Polstermaterial fürs Nest mit. „Obwohl da gar kein Nest ist“, sagt die Oedingerin lachend. „Das haben die wohl nur im Kopf.“

Um 5 Uhr morgens hört sie die eifrigen Dohlen schon. „Die sind jetzt mein Wecker.“ Wenn sie um 6.45 Uhr vor die Tür guckt, „dann liegt da schon die erste Fuhre“. Nachschub ist für die Dohlen ja am Heidkämpken, ganz in der Nähe des Oedinger Buschs, auch nicht schwierig zu besorgen.

Das ist das Ergebnis von knapp 24 Stunden vergeblicher Nestbauarbeit. Das Dohlenpaar sucht unverdrossen schon die Polsterung fürs Nest wie Moos und Papierreste - aber es gibt gar nichts auszupolstern.
Das ist das Ergebnis von knapp 24 Stunden vergeblicher Nestbauarbeit. Das Dohlenpaar sucht unverdrossen schon die Polsterung fürs Nest wie Moos und Papierreste – aber es gibt gar nichts auszupolstern. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Den Besen braucht Marietheres Böing-Stödtke erstmal nicht so weit wegzustellen. Sie fragt sich nur, wie lange der vergebliche Nestbau wohl noch andauert. „Irgendwann müssten die ja brüten“, meint sie.

Ein Blick in die Internetenzyklopädie Wikipedia verrät, dass Dohlen lebenslange monogame Paare bilden und ihre Nester in Löchern und Nischen aller Art, auch in Gebäudenischen, bauen. Bis Anfang Mai sind üblicherweise alle Nistplätze besetzt, heißt es weiter. Das wären ja noch ein paar Wochen …

Ein Blick nach oben: Wer genau hinsieht, erkennt einen dürren Ast, den die Dohlen über den Holzbalken gelegt haben. Seit Wochen versuchen die Dohlen unbeirrt, dort ein Nest zu bauen. Im Höchstfall bleibt ein Ästchen liegen – aber die Vögel geben einfach nicht auf.
Ein Blick nach oben: Wer genau hinsieht, erkennt einen dürren Ast, den die Dohlen über den Holzbalken gelegt haben. Seit Wochen versuchen die Dohlen unbeirrt, dort ein Nest zu bauen. Im Höchstfall bleibt ein Ästchen liegen – aber die Vögel geben einfach nicht auf. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock
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