Dohlenschwärme fühlen sich in Oeding heimisch

Gutes Nahrungsangebot

In jüngster Zeit hört man in der Grenzgemeinde gelegentlich den Satz: "Das kommt mir ja allmählich fast vor wie in diesem Hitchcock-Film!" Wobei die Anwohner damit eher das Phänomen beschreiben und weniger die menschlichen Urängste, mit der der britische Regisseur in seinem Film "Die Vögel" aus dem Jahr 1963 gespielt hat.

OEDING

, 04.08.2015, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Phänomen: Es scheint, als habe sich die Dohlen-Population in - besser: über - der Grenzgemeinde innerhalb der vergangenen Monate vervielfacht. Von dieser Beobachtung berichten derzeit zahlreiche Einwohner, spricht man sie darauf an. Und manche sind auch genervt, weil so ein Schwarm aus hunderten von Vögeln, wenn er über der Gemeinde kreist, in einer Wiese einfällt oder in einem der hohen Bäume sitzt, ein ziemliches Getöse machen kann. Außerdem ist es nicht unbedingt ratsam, sein Auto für längere Zeit unter so einem Rast- oder Schlafbaum der Dohlen abzustellen, weil man anschließend eine Autowäsche einplanen kann.

Dr. Dietmar Ikemeyer, der Leiter der Biologischen Station in Zwillbrock, rückte in einem Gespräch mit der Münsterland Zeitung die Dimensionen ein wenig zurecht: Das westliche Münsterland sei immer schon für seine großen Dohlenpopulationen bekannt. Und was schnell wie eine Zunahme an Vögeln aussehe, sei oft in Wirklichkeit eine Art Verdichtung, ein Zusammenschluss mehrerer einzelner Schwärme: "Schwarmbildung hat auch immer mit dem Nahrungsangebot in der Region zu tun."

Allesfresser ziehen um

Mit anderen Worten: Wenn das Nahrungsangebot für die Dohlen auf dem Land nicht mehr ausreicht - etwa wegen der zunehmenden intensiven der Nutzung der Felder, dann ziehen die Tiere als Allesfresser eben in die Städte und Dörfer. Das könne zwar manchmal ein wenig lästig werden, so Ikemeyer, gehöre aber zum Leben im ländlichen Raum dazu.

Ferdinand Pollert, Pflanzenbauberater bei der Landwirtschaftskammer in Borken, sieht das Dohlen-Problem aus einem etwas anderen Blickwinkel: "Wir haben immer reichlich Dohlen. Sie sammeln sich mal stärker, mal weniger stark. Das wechselt von Jahr zu Jahr." Natürlich gebe es auch Ärger, wie mit anderen Wildtieren manchmal auch. Etwa, wenn die Schwärme den Landwirten zwei bis drei Mal hintereinander die Maissaat oder das Sommergetreide wegfressen. Pollert macht aber auch klar: "Die Dohlen sind geschützt. Die dürfen nicht bejagt werden, auch wenn sie manchmal ziemlich nerven."

Gewinner und Verlierer

Im Tierreich gebe es immer mal wieder Gewinner und Verlierer, stellt Peter Pavlovic die Oedinger Dohlen in den globalen Zusammenhang. Pavlovic ist bei der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Borken zuständig für Natur- und Landschaftsschutz. Dass die Dohlenpopulation in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen habe, sei nicht zu übersehen.

Einer der wichtigsten Gründe dafür sei, dass sich der Kreis Borken von einem Grünland-Kreis wegentwickelt habe. Es sei schon bedenklich, dass inzwischen mehr als 60 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen dem Maisanbau vorbehalten seien. Darunter - und unter der Trockenlegung vieler Flächen - litten unter anderem Kiebitze und Brachvögel, die man hier kaum noch zu Gesicht bekommt.

Keine dramatische Entwicklung

"Die sind zum Beispiel die Verlierer", weiß der Experte, "und die Dohlen sind in diesem Fall die Gewinner." Aber das sei keine dramatische Entwicklung, die Urängste wieder aufleben lassen müsste. Es sei schlicht eine der Folgen des Klima- und des Landschaftswechsels, wie sie auch im westlichen Münsterland zu spüren sind.

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