Ein Fingerzeig des Himmels

Südlohn Immer wieder hämmert Erik klein Wolterink von unten gegen den Keil. Die langen Eisenketten des Kranes straffen sich - und geben wieder nach. Nichts zu machen, der letzte Holzflügel der Südlohner Windmühle gibt nicht nach.

13.07.2007, 20:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die anderen "Finger" der 1812 erbauten Anlage haben Wolterink (Foto rechts) und sein Kollege Hans Breukelaar von der niederländischen Firma Vaags aus Aalten bereits vom Turm geholt - auch den vom Orkan Kyrill im Januar zerfetzten. "Stürme werden immer stärker", meint Inhaberin Maria Menke. Deshalb soll jetzt etwas Solides an den 15 Meter hohen Turm. "Flügel aus Stahlruten. 75 Jahre sollen die halten." Gefertigt ebenfalls bei Vaags in Aalten.

Seit vier Stunden fährt Wolterink mit dem kleinen Korb des Hubsteigers - einem alten Feuerwehrwagen - den Turm hoch und runter, zückt die Motorsäge, halbiert die 25 Jahre alten Hölzer. Langsam bewegt der Kran die Teile durch die Luft und setzt sie vorsichtig auf dem Boden ab. Alles läuft wie am Schnürchen - bis auf den letzten der knapp elf Meter langen und eine halbe Tonne schweren Flügel. Knochenarbeit für den einen, Fingerzeig für die andere. "Die Mühle hält fest. Als wenn sie den letzten Rest behalten will." Maria Menke seufzt.

Viele Schaulustige

Viele Schaulustige haben sich versammelt. Alle wollen an dem außergewöhnlichen Spektakel teilhaben: Nachbarn, Freunde - und natürlich deren Kinder. "Opa, wann kommen die Flügel denn wieder ran?" heißt es da ungeduldig. Oder es taucht die Frage auf, warum Maria Menke da denn nicht eine deutsche Firma ranlasse. "Aber das gibt's nicht. Holland ist eben Mühlenland. Da lass ich nur Experten dran", erklärt die 55-Jährige vehement. Da ist sie bei dem niederländischen Familienunternehmen genau richtig. Schon mehr als 100 Jahre existieren die "Molenwerken".

Projekt in China

Gemeinsam mit drei Söhnen und rund 20 Beschäftigten restauriert und baut Inhaber Henk Vaags überall auf der Welt. In Neuseeland, Kanada und Israel hatte das Unternehmen schon Aufträge - und natürlich in Deutschland. Doch das Highlight von Erik klein Wolterinks bisheriger Arbeit war ein anderes Projekt: "In China haben wir zwei Wochen lang eine kleine Wind-Mühle für die Welt-Expo 1999 gebaut." Seit 13 Jahren ist der gelernte Metallarbeiter jetzt dabei - und mit der Zeit zum Experten avanciert.

Was ihm an diesem Handwerk so gut gefalle? "Jede Mühle unterscheidet sich von anderen, hat etwas Eigenes. Daher ist auch meine Arbeit sehr vielfältig. Ich muss immer wieder neu überlegen, wie ich verfahre, um detailgenau zu restaurieren", schildert der 38-jährige Niederländer die Faszination des Mühlenhandwerks.

Die Menke-Mühle hat er gezähmt. Im Dezember kommt er wieder - mit den Stahlflügeln. Festen Boden betritt Wolterink jedoch nur für kurze Zeit. Jetzt geht es auf nach Meddo. Denn auch der Wetterhahn der dortigen Mühle will wieder hinauf in luftige Höhen. Katrin Herbers

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